Gräfelfinger Ausschuss verhindert Trennung vom Verein Betreutes Wohnen

Die Kündigung ist vom Tisch

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Der Verein Betreutes Wohnen zu Hause sieht sich in seiner Existenz bedroht. Die Finanzierung, die maßgeblich von den Würmtal-Gemeinden Gräfelfing, Planegg und Krailling sichergestellt wird, steht in Frage.

Gräfelfing– Der Sozialausschuss des Gräfelfinger Gemeinderates verhinderte jetzt eine von Bürgermeisterin und Verwaltung vorgeschlagene Kündigung der Kooperation zum Jahresende 2019.

Als der Verein Betreutes Wohnen zu Hause 2004 gegründet wurde, war eine Prämisse, dass er sich über kurz oder lang selbst tragen würde – durch die Beiträge der betreuten Kunden, durch Optionsverträge weiterer Bürger (ähnlich einer Versicherung), durch staatliche Zuschüsse sowie Spenden. Dazu kam es nie. Bis heute tragen der Landkreis München und vor allem die drei Mitgliedsgemeinden das Defizit. 2017 betreute der Verein insgesamt 54 Kunden, davon 25 aus Gräfelfing, 15 aus Planegg und 14 aus Krailling. Das Defizit lag insgesamt bei 33 400 Euro, Gräfelfings Anteil betrug 8800 Euro.

Vor diesem Hintergrund schlug die Verwaltung vor, den Kooperationsvertrag aufzukündigen. Bürgermeisterin Uta Wüst regte in der Sitzung an, der Verein müsse sein Konzept ändern und es durch bedarfsorientierte Angebote erweitern.

Gegen den Beschlussvorschlag liefen vor allem Günter Roll (BVGL) und Peter Köstler (CSU) Sturm. Roll, der im Vorstand des Vereins sitzt und Sozialreferent der Gemeinde Gräfelfing ist, zeigte sich entsetzt. Dies werde der Todesstoß für den Verein sein, der es vielen Menschen ermögliche, im Alter in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Roll erinnerte auch daran, dass wenige Minuten zuvor in derselben Sitzung 1,5 Millionen Euro für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen freigegeben wurden, aber nun rund 10 000 Euro für die Betreuung von Senioren nicht drin seien.

Peter Köstler sagte, er sei über diese Beschlussvorlage und die beabsichtigte Kündigung geradezu erschrocken und monierte, dass im Vorfeld mit dem Verein darüber gar nicht gesprochen worden war. Franz Lang (SPD) gab zu bedenken, dass eine solche Kündigung die betreuten Menschen beunruhigen würde. Und Mathias Pollok (IGG) fand es widersprüchlich, einerseits zu kündigen, andererseits eine Weiterentwicklung des Vereins zu erwarten.

Schließlich stimmten alle Gemeinderäte gegen eine Kündigung. Mit 5:3 (gegen Köstler, Roll und Lang) wurde zudem beschlossen, der Verein solle gemeinsam mit der Würmtal-Insel und Trägern der Altenhilfe ein neues Gesamtkonzept entwickeln, das auch auf Angebote von Kreis und Bezirk abzustimmen sei.

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