Gräfelfing beschäftigt ein „Heer an Sozialpädagogen“

Lückenbüßer für den Freistaat

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Gräfelfing - Die Gemeinde Gräfelfing ist es leid, an den Schulen freiwillig Personal zu stellen und auf diese Weise mit viel eigenem Geld eine Aufgabe des Freistaats zu erfüllen.

„Es ist ein echtes Dilemma“, sagte Gemeinderat Mathias Pollok (IGG) in der Sitzung des Hauptausschusses: Weil an den Schulen dank gesellschaftlicher Umbrüche (von denen die Flüchtlinge nur einen Teil ausmachen) immer mehr Personal für eine gute Betreuung der Kinder nötig wird, springt die Kommune ein. Eigentlich wäre es eine staatliche Aufgabe, mehr Lehrkräfte einzustellen. Weil das nicht geschieht, wenden die Schulen sich in ihrer Not an die Gemeinde. Und die lässt sich ein ums andere Mal erweichen – den Kindern zuliebe.

Diese Praxis scheint in Gräfelfing ausgereizt. Die Gemeinderäte stimmten nur noch zähneknirschend einer Aufstockung der Sozialpädagogen-Stunden an der Grundschule Gräfelfing um fünf Wochenstunden zu, um eine Gleichbehandlung mit der Volksschule Lochham zu erreichen. Nun verfügen beide Schulen über je 24,5 Stunden. Gleichauf liegt auch der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund an beiden Schulen, nämlich bei 23,5%.

Ulrich Seyfferth, Geschäftsleitender Beamter im Rathaus, vermochte seine Entrüstung über die Verweigerungshaltung des Freistaats kaum zu beherrschen. „Immer mehr schulische Aufgaben werden auf die Sozialpädagogen übertragen, die Gemeinde und Landkreis bezahlen. Inzwischen haben wir ein Heer von Sozialpädagogen aufgebaut.“

Die Zahlen sind tatsächlich beeindruckend: Knapp 13 Vollzeitstellen hat Gräfelfing mittlerweile zur Kinderbetreuung an den Schulen geschaffen – zuzüglich der Nachmittagsbetreuung. Ganze 31 Personen teilen sich diese Tätigkeit. Die Gemeinde lässt sich das rund 730 000 Euro pro Jahr kosten, hinzu kommen die Mittel, die der Landkreis beisteuert.

Im Hauptausschuss herrschte die einhellige Meinung vor, damit müsse Schluss sein. Die Schulen müssten sich mit ihren Anforderungen künftig ans zuständige Kultusministerium wenden, um dort Druck aufzubauen. „Wahnsinnig ärgerlich“ nannte Pollok die Situation. Frauke Schwaiblmair (Grüne/Unabhängige) verwies darauf, dass bei einer schlechteren Finanzlage der Kommune dieses gesamte Netz wegbrechen könne.

Jörg Scholler (FDP) lehnte schon die fünf Zusatzstunden als einziger ab – mit dem Hinweis, die Rektorin möge sich selber um mehr Personal kümmern – in München.

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