+
Bergsteiger, Kameramann, Fotograf und fesselnder Erzähler: Kurt Diemberger sprach im Gräfelfinger Bürgerhaus über seine Abenteuer und über frühere Zeiten und aktuelle Entwicklungen des Bergsteigens.

Kurt Diemberger blickt kritisch auf heutigen Bergsteiger-Tourismus

„Man soll sich plagen müssen“

Kurt Diemberger, Erstbesteiger von zwei Achttausendern, hat dem Würmtal einen Besuch abgestattet. Und die Besucher im Gräfelfinger Bürgerhaus in seinen Bann gezogen.

Gräfelfing – Eiszapfen am Bart, eingemummelt in eine Kapuze und trotzdem sind die tiefen Lachfalten im Gesicht zu erkennen: Mit diesem Foto von sich auf dem Gipfel des Mount Everest hat Bergsteiger-Legende Kurt Diemberger seinen Vortrag eröffnet, mit dem er jetzt auf Einladung der Literarischen Gesellschaft im Gräfelinger Bürgerhaus zu Gast war. Genannt hat er ihn „Das Quantum Glück“ und im Lauf des Abends wurde dem Publikum im ausverkauften Saal auch deutlich klar, warum.

„Das Glücksgefühl, das man oben auf einem Berg erlebt, das kann man gar nicht beschreiben“, sagt der 85-jährige Österreicher, der heute in Salzburg und im italienischen Bologna lebt. Und er muss es wissen, schließlich ist er der einzige Mensch neben dem verstorbenen Hermann Buhl, dem die Erstbesteigung von zwei Achttausendern (Broad Peak und Dhaulagiri) ohne künstlichen Sauerstoff gelang.

Seit 1956 ist er in der Welt unterwegs und hat dabei unendlich viele Abenteuer und Tragödien erlebt: Dazu gehören Erfolge wie 1957 am Broad Peak mit seinem Kameraden Hermann Buhl, aber auch kurz darauf dessen tragisches Ende an der Chogolisa. Auch die Besteigung des K2 im Jahr 1986 war sicher ein Höhepunkt, dem beim Abstieg das Drama in Form des Todes seiner Berggefährtin Julie Tullis folgte. Mit ihr zusammen war Diemberger „das höchste Filmteam der Welt“ und hat herausragende Bergfilme gedreht.

Diemberger kann aus einer eine schier unendlichen Fülle von Erlebnissen, Anekdoten, kleinen Geschichten und kurzen Momenten schöpfen. Es geht dabei – natürlich – um Achttausender, um Nepal und Pakistan, um die Alpen, Afrika, Nord- und Südamerika. Um den Everest, um Nordwände, Kamelritte und Giftschlangen, die sich um seine Kamera winden.

Auch von Experimenten mit Höhenmedizin und ersten Film- und Tonaufnahmen aus dem Himalaya und dem Karakorum weiß der rüstige 85-Jährige zu erzählen. Gibt gleichzeitig praktische Tipps für Bergsteiger („Nehmt niemals gusseiserne Haken! Die gehen beim Draufschlagen kaputt.“) und warnt vor dem tückischen Wesen der Eisberge, die im falschen Moment auseinanderbrechen können. Erzählt Anekdoten von Weggefährten wie Hermann Buhl, Luis Trenker und Julie Tullis, mit der er viele Filme gedreht hat, von Abstürzen, Tod, vom Wetter.

Und immer wieder kommt Kurt Diemberger auf das Glück zu sprechen, dem er viel verdanke, diesem unsichtbaren Schutzengel, der ihn stets begleitet habe. Aber auch die Vorsicht sei es, warum er immer noch lebe, denn: „Das Glück ist nicht unbegrenzt, und auch nicht die Zeit eines Lebens.“

Nachdenklich wird Diemberger auch, wenn er an so manche Erscheinungen im heutigen Bergsteigerwesen denkt. „Die schönsten Plätze der Erde sollten hinter einer Barriere der Mühe liegen“, sagt er. „Je mehr diese abgebaut wird, desto mehr Leute kommen. Da darf man sich nicht wundern, dass heutzutage Tausende zum K2 rennen. Ein bequemer Jeep bringt sie die ersten Marschtage einfach hinauf. Ich sehe da keinen wirklichen Sinn darin, denn diese Juwelen der Natur sollen einem doch nicht billig in den Schoß fallen. Man soll sich plagen müssen dafür.“

Martina Scheibenpflug

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neuried in der Warteschleife
Die Mängel an Neurieds Mehrzweckhalle sind so gravierend, dass es jetzt zwei Gerichtsverfahren gibt. Diese gehen nur schleppend voran. Wann die Halle wieder nutzbar ist, …
Neuried in der Warteschleife
Grüne lehnen neue Wohngebiete ab
„Wir wollen eine grüne Gemeinde bleiben“, sagt Sabine Haugg, Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen in Planegg. Der Ausweisung weiterer Wohngebiete im neuen …
Grüne lehnen neue Wohngebiete ab
Angler fischt Diebesgut aus der Würm
Überraschender Fang: Ein Angler hat Diebesgut aus der Würm gefischt - und anschließend richtig gehandelt.
Angler fischt Diebesgut aus der Würm
Sanierung des Hauptwegs läuft an
Auf dem Gräfelfinger Friedhof müssen Besucher in den nächsten sieben Wochen möglicherweise Umwege in Kauf nehmen. Die Arbeiten zur Sanierung des Hauptweges haben …
Sanierung des Hauptwegs läuft an

Kommentare