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Jeder will telefonieren, aber keiner einen Sendemast in der Nachbarschaft.

Kontroverse um Mobilfunk:

Sendemast soll „Mehrwert“ schaffen

Die Gräfelfinger Pläne für einen Mobilfunkmast am Neunerberg stoßen in Planegg auf wenig Gegenliebe – auch nach einem Treffen von Gemeinderäten. Gräfelfings Bürgermeisterin wirbt weiter für das Vorhaben, die Planegger Grünen wollen eine Bürgerversammlung.

Planegg – Das Gräfelfinger Mobilfunkkonzept mit wenigen großen Masten statt vieler kleiner Antennen sorgt für Gesprächsbedarf zwischen den Gemeinden. Vielen Planeggern ist der geplante 40-Meter-Mast am Neunerberg, direkt an der Grenze zu Planegg, ein Dorn im Auge. Zuletzt gab es dazu zwar ein Treffen von Vertretern der Ratsfraktionen aus Gräfelfing, Planegg und Krailling. Für Begeisterung sorgt das Gräfelfinger Projekt in Planegg aber nach wie vor nicht.

Die Gemeinde Gräfelfing verweist indes auf die Vorteile, die der Standort auch für Planegg mit sich bringe. „Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die den besten Standort ermitteln soll, auch über die Gemeindegrenze hinweg“, sagt Gräfelfings Bürgermeisterin Uta Wüst. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Max-Dieckmann-Platz am Neunerberg am besten geeignet sei. Die Höhe garantiere ein weitreichende Sendeleistung.

Zwei kleinere Dachantennen in Planegg und Gräfelfing, die stärker strahlen würden, hält Wüst als Alternative für wenig geeignet. „Sie würden weder eine ausreichende Sendeleistung garantieren noch eine gesundheitliche Entlastung bringen.“ Diese Argumente hätten auch den Großteil des Gräfelfinger Gemeinderates überzeugt.

In der Nachbargemeinde verfangen die Argumente bisher kaum. „Die Planegger hatten gehofft, dass sich ein anderer Standort findet“, so Wüst. Sollte es beim Neunerberg bleiben, will der Gräfelfinger Gemeinderat den Bürgern veranschaulichen, wie der Mast aussehen könnte. Einen Architekten, der ein entsprechendes Programm erstellt, hat die Gemeinde bereits beauftragt. „Vielleicht könnte man auch etwas Besonderes daraus machen“, sagt Uta Wüst. So könnte man den Mast in einen Aussichtsturm verwandeln und so einen Mehrwert für die Bürger schaffen.

Der Vorschlag von Planegger Seite, den Mobilfunkmast unterhalb des Neunerbergs zu bauen, würde das Problem hingegen verschlimmern, sagt Wüst. Der Mast müsse dann doppelt so hoch sein, um ein ausreichendes Netz zu gewährleisten.

Anneliese Bradel, Planeggs 3. Bürgermeisterin und für die Grüne Gruppe 21 im Gemeinderat, plädiert zumindest für eine Verlegung Richtung Bahngleise. Dort könne der Mast wenigstens zwischen den Bäumen eingebettet werden. Bradels Fraktion war es auch, die bei der Gemeinde Gräfelfing um eine Visualisierung des Projekts gebeten hatte. „Man muss wissen, worüber man redet“, so Bradel. Deshalb plädiert sie auch dafür, noch vor der Umsetzung des Projekts eine Bürgerversammlung einzuberufen.

Wirklich glücklich mit der Lösung sei sie nicht, sagt Bradel. Sollte sich aber herausstellen, dass es keine Alternative zum Neunerberg gebe, würde sie sich mit dem Standort zufriedengeben. Zumal der gesundheitliche Aspekt oberste Priorität habe. Außerdem dürfe man die Optik nicht vor den Nutzen stellen: „Jeder will telefonieren, aber keiner will den Mast haben.“

Karin Priehler

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