Die Nord-West-Ecke des künftigen Jahnplatzes: rechts der Neubau auf dem ehemaligen Post-Grundstück mit Boardinghaus in den oberen Geschossen. Links der sanierte Bestand. Im Erdgeschoss beider Gebäude soll ein neuer Edeka-Markt einziehen, dazu ein Café.
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Die Nord-West-Ecke des künftigen Jahnplatzes: rechts der Neubau auf dem ehemaligen Post-Grundstück mit Boardinghaus in den oberen Geschossen. Links der sanierte Bestand. Im Erdgeschoss beider Gebäude soll ein neuer Edeka-Markt einziehen, dazu ein Café.

Bauleitplanung

Projekt Jahnplatz auf der Zielgeraden

  • Martin Schullerus
    vonMartin Schullerus
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Eines der langwierigsten und zentralsten Bauvorhaben in Gräfelfing ist nach über 20 Jahren auf die Zielgerade eingebogen. „Es ist ein großer Schritt in Richtung Neugestaltung des Jahnplatzes gelungen“, sagt Bürgermeister Peter Köstler. Für das Schlüsselgrundstück mit der markanten Baugrube und das Nachbargrundstück liegt der abgestimmte Entwurf eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans vor.

Gräfelfing – Es gibt erwachsene Gräfelfinger, die den Jahnplatz zeitlebens nur mit der Baugrube auf dem ehemaligen Post-Grundstück kennen. In der Grube hat sich, während die Gemeinde mit wechselnden Eigentümern und ihren zahlreichen Architekten um das Baurecht rang, ein Biotop samt Baumbewuchs so prächtig entwickelt, dass im Zuge des Verfahrens nun eigens eine Artenschutzrechtliche Untersuchung nötig wurde.

Nachdem sich in der Eigentümerfamilie ein Generationswechsel bemerkbar gemacht hatte, bekam das Vorhaben noch während der Amtszeit von Bürgermeisterin Uta Wüst neuen Schwung. Die Vorstellung der Eigentümer über das Maß der baulichen Nutzung und auch über einige gestalterische Fragen wichen von denen der Gemeinde anfangs trotzdem deutlich ab. In mehreren Sitzungs- und Gesprächsrunden näherte man sich an. Im Juli 2020 eröffnete der Gemeinderat auf Antrag der Hausverwaltung Weyh schließlich ein vorhabenbezogenes Bauleitplanverfahren. Sein Ziel: Die Sanierung des Geschäftshauses Jahnplatz 1 und der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem benachbarten Post-Grundstück Aubinger Straße 1 – verbunden durch einen ebenerdigen Zwischenbau.

Boardinghaus und Edeka-Markt

Der Neubau soll vier Geschosse haben, das obere etwas zurückversetzt. In dem nach Westen Westen verlängerten Erdgeschoss zieht ein neuer, größerer Edeka-Markt ein. Darüber entsteht ein Boardinghaus. Das sanierte Bestandsgebäude erhält ein ausgebautes Dachgeschoss und soll Büros, Apotheke und Praxen beherbergen.

Anfang Mai waren im Bauausschuss noch einige Bedenken und Änderungswünsche seitens der Gemeinderäte sowie (mittelbar) seitens der Nachbarschaft ausführlich diskutiert worden. Darauf reagierte das Architekturbüro Adamek und Hölzl, das aktuell im Auftrag der Bauherren plant, mit erfreulicher Flexibilität, wie Bürgermeister Peter Köstler in der folgenden Sitzung hervorhob, und ermöglichte sämtliche gewünschten Änderungen. Vor allem die massiven haustechnischen Anlagen (Kühlaggregate für den Edeka-Markt), die auf dem Flachdach des Verbindungsbaus vorgesehen waren, hatten Kritik wegen optischer und befürchteter akustischer Belästigung hervorgerufen. Diese brachte Architekt Ludwig Hölzl mit einem Kunstgriff in der Tiefgarage über der Rampenzufahrt unter. Statt der gut gemeinten begrünten Gabionenböschung an der Westlichen Wand soll es nun auf Wunsch der betroffenen Nachbarn nur eine Fassadenbegrünung und Strauchgruppe geben. Außerdem ist eine Pflanzfläche zwischen Gehweg und Boardinghaus neu eingeplant. Zudem ist die öffentliche Verkehrsfläche samt geplantem Café-Freisitz nun nicht mehr Teil des Bebauungsplans, kann jedoch trotzdem realisiert werden.

„Gute Lösung gefunden“

Architekt Hölzl zeigte sich auf Merkur-Anfrage „sehr zufrieden“ mit dem Stand des Verfahrens und lobte die Gemeinde für ihre konstruktive Haltung und Unterstützung. Auch Bürgermeister Peter Köstler sagte: „Wir haben jetzt eine gute Lösung gefunden, unter Berücksichtigungen auch der Wünsche aus der Nachbarschaft und dem Gemeinderat.“ Folgt der Gemeinderat der Empfehlung des Bauausschusses, kann der Planentwurf in die öffentliche Auslegung gehen und demnächst als Satzung beschlosssen werden. Wann mit einem Bauantrag und dem tatsächlichen Baubeginn zu rechnen sei, vermochte Architekt Ludwig Hölzl freilich nicht zu sagen.

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