Ärger um Liegewiese am Anger

Regelmäßigen Sicherheitsdienst abgelehnt

  • schließen

Sollen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes regelmäßig die Nutzer der Liegewiese am Anger in Gräfelfing überwachen und ihr Verhalten kontrollieren? Dies hatte Günter Roll (BVGL) unter medialem Applaus der Anwohner am Anger beantragt (wir berichteten). Der Hauptausschuss sagte am Dienstag dazu klar: Jein.

Gräfelfing - Die kontroverse Diskussion in der öffentlichen Sitzung, verfolgt von betroffenen Anwohnern der Siedlung am Anger, spiegelte die ganze Bandbreite an Meinungen, die es zu dem Thema auch in der Bevölkerung geben dürfte.

Günter Roll trug den im Merkur erschienenen, empörten Leserbrief des Anwohners Gerhard Hunger vor, der Bürgermeisterin Uta Wüst und auch ihrem Stellvertreter Peter Köstler den Bruch von Wahlversprechen vorwarf; beide hätten einen Sicherheitsdienst zugesagt. Sowohl Polizei, als auch Gemeindeverwaltung würden auf Beschwerden der Anwohner wegen nächtlicher Ruhestörung durch Feiernde an der Würm unzureichend bis gar nicht reagieren. Roll: „Warum haben alle diese panische Angst vor einem Sicherheitsdienst?“ Werde die Grünanlagensatzung der Gemeinde bei diesen „Auswüchsen von Chaos“ nicht durchgesetzt, sei sie das Papier nicht wert.

Bürgermeisterin Uta Wüst sagte, nur ein „Bruchteil“ der Nutzer missachte die Satzung . Die Polizei habe 2016 ganze 19 Einsätze am Anger gefahren, von denen zwölf ohne Beanstandung blieben und bei sieben eine Feier aufgelöst wurde. 2017 waren es bisher zehn Einsätze, bei denen die Polizei nur zweimal einschreiten musste. Zudem habe sie von vielen Bürgern Zuschriften bekommen, die sich gegen einen Sicherheitsdienst wendeten, so die Bürgermeisterin.

Um das Müll-Problem in den Griff zu bekommen, versprach sie, zeitnah mehr und größere Müllbehälter in dem Bereich montieren zu lassen.

Peter Köstler (CSU) betonte, die Liegewiese an der Würm werde von sehr unterschiedlichen Bürgern genutzt, „und das ist auch gut so“. Schließlich handle es sich um eine öffentliche Grünanlage. Die wenigen Ausreißer gebe es, doch gingen sie keineswegs nur auf das Konto von Jugendlichen. Köstler warnte vor der „falschen Vorstellung“, mit einem Sicherheitsdienst ließe sich das Problem beheben.

Die Verwaltung bestätigte, dass ein Sicherheitsdienst nur sehr eingeschränkte Befugnisse hätte. Er dürfe keine Personalien feststellen, keinen Platzverweis aussprechen, sondern nur freundlich auf die Gemeindesatzung aufmerksam machen – und gegebenenfalls die Polizei rufen. Das allerdings tun bereits die Anwohner bei Bedarf.

Auch Petra Schaber (IGG), Michael Langer (SPD) und Frauke Schwaiblmair (Grüne, „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“) wandten sich gegen einen Sicherheitsdienst. Der Beschluss (gegen Roll) sieht trotzdem so etwas wie einen Kompromissversuch vor: Der Verwaltung soll es erlaubt sein, „gegebenenfalls“ und punktuell einen Sicherheitsdienst zu beauftragen, auch um die Wirksamkeit der Maßnahme zu testen. Den Anwohnern reicht das bei weitem nicht. Beim Verlassen des Rathauses sprachen sie von „Frechheit“; die Gemeinderäte hätten nichts verstanden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neue Stundentafel erntet Lob und Kritik
Am Freitag gab es Zeugnisse. Die Gymnasien im Würmtal freuen sich auf 366 neue Fünftklässler. Doch die Direktoren blicken dem neuen G9 nicht nur freudig entgegen.
Neue Stundentafel erntet Lob und Kritik
Gräfelfinger heiß auf Geothermie
Eine Marktanalyse hat gezeigt: die Gräfelfinger stehen der Geothermie in Form von Fernwärme für Privathaushalte und Unternehmen äußerst aufgeschlossen gegenüber. Das …
Gräfelfinger heiß auf Geothermie
„Keine Gefahrenzone an der Würm“
Es bleibt dabei: Die Gemeinde Gräfelfing verzichtet darauf, einen Sicherheitsdienst für die Liegewiese am Anger zu engagieren. Eine 13:10-Mehrheit des Gemeinderates sah …
„Keine Gefahrenzone an der Würm“
Müller-BBM wächst weiter
Sieben Jahre nach der letzten Erweiterung plant Müller-BBM ein weiteres Bürogebäude am Stammsitz Planegg. Für weitere Bauabschnitte gibt es schon Überlegungen.
Müller-BBM wächst weiter

Kommentare