+
Reparieren statt wegwerfen: Almut Raupp und Emil Knies setzen den Griff eines Reisekoffers instand. Volker Matthies mit Sohn Joshua (9, li). und dessen Freund Luan (10) sind interessierte Zuschauer und froh über die kostenlose Hilfe.

Reparieren statt wegwerfen

Gräfelfings erstes Repair-Café eröffnet

Gauting hat eins, Germering hat eins – und jetzt auch Gräfelfing: Am Samstag wurde das erste „Repair Café Gräfelfing“ eröffnet.

Lochham –Die Idee ist es, einen Beitrag zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu leisten, indem repariert wird, was ansonsten weggeschmissen würde. Im Gemeindesaal der Michaelskirche hat die „öffentliche Werkstatt“ eine Heimat gefunden. An jedem ersten Samstag im Monat, in der Zeit von zwei bis fünf Uhr nachmittags, kann hier künftig jeder seine „Schätzchen“ kostenlos instand setzen lassen.

Die Initiative kam gut an. Mit Taschen und Tüten strömen die Bürger am Eröffnungstag in die Lochhamer Straße 67a. Eine lange Schlange hat sich vor dem Eingang gebildet. Hier steht auch Gisela Freudenberg aus Lochham. Sie hat ihren Miele-Staubsauger mitgebracht, von dem sie berichtet, dass er nicht mehr richtig sauge und verdächtig heiß werde. „Ich will mal schauen, ob da noch etwas zu machen ist“, sagt sie. Wer fachkundige Hilfe bekommen will, muss sich am Empfang erst registrieren lassen. Auf dem Zettel, der auszufüllen ist, steht eine Nummer, mit der die Reihenfolge der Bearbeitung festgelegt wird. „Name“ und „Reparaturkategorie“ gehören eingetragen und dann muss auch noch die Einverständniserklärung für „Haftungsbegrenzung“ und „Hausordnung“ unterschrieben werden.

Jetzt werden die Zettel mit Magnetsteinen an eine Tafel geheftet und die Fachleute holen sich ihren „Fall“ hier ab. Bei einer Lampe, die eine ältere Dame abgegeben hat, ist der Schalter kaputt. Eigentlich ist das Wohnaccessoire noch recht schön, der Lampenfuß sogar handbemalt. Horst Breitenfeld ist hierfür der Spezialist. Er ist ausgebildeter Elektroingenieur, in Rente, und weiß genau, was zu tun ist. Fachkundig hält er das Strommessgerät an und sagt schließlich: „So, jetzt passt es wieder!“

15 ehrenamtliche Mitarbeiter habe das „Repair Café Gräfelfing“ derzeit, berichtet Emil Knies, einer der Initiatoren, der auch die Arbeitseinsätze koordiniert. „Jeder, der technisch gut drauf ist, kann hier mitmachen“, sagt er. Für den Einsatzbereich gelte grundsätzlich: „Gebracht werden darf, was man tragen kann.“ Repariert würde alles, was zu Kleingerät, Fahrrad, Computer oder Kleidung gehört. Helga Lang aus Gräfelfing hat ihre Lichterkette abgegeben. Während diese repariert wird, wartet sie mit ihrem Mann im Café, wo es Kaffee und Kuchen gibt. So machen es alle. Der Wegwerfkultur will sie etwas entgegensetzen. „Tüfteln schont aber nicht nur die Umwelt, sondern macht auch viel Spaß“, unterstreicht Emil Knies die soziale Komponente. Bürgermeisterin Uta Wüst zeigt sich begeistert, die Gemeinde hat eine Anschubfinanzierung geleistet. Zu den Unterstützern gehören daneben die Gräfelfinger Grünen sowie die Kreissparkasse.

Alexandra Joepen-Schuster

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Planegg leistet sich weiter Eiswunder
Die Kunsteisfläche, die Winter für Winter am Feodor-Lynen-Gymnasium installiert wird, hat Planegg in der vergangenen Saison knapp 142 000 Euro gekostet. Diesen Luxus …
Planegg leistet sich weiter Eiswunder
Für immer Augustiner
Bruder Christian hat sich entschieden – für das Leben in der Gemeinschaft der Augustiner. Der 37-jährige Doktor der katholischen Theologie legt am Samstag die feierliche …
Für immer Augustiner
Wirte wütend: „Die reinste Schikane“
Er zählt zu den bayerischen Traditionsgerichten und ist fester Bestandteil jeder Brotzeit: der Obazde. Eine neue Verordnung der EU könnte das ändern. Wer die …
Wirte wütend: „Die reinste Schikane“
Alle Logos ausgetauscht
Die Umwandlung ist abgeschlossen: Alle sechs Würmtaler Tengelmann-Filialen wurden in den vergangenen Wochen zu Edeka-Märkten. Als Letzter war am Mittwoch der Supermarkt …
Alle Logos ausgetauscht

Kommentare