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Gemeinsamer Einsatz für die Zukunft der Kinder: Genta, Elion, Jawad und Jule (v.li.) sind vier der rund 350 Schüler, die in den letzten zehn Jahren die Hilfe der „Volksschul-Initiative Würmtal“ erfuhren, hier vertreten durch die Paten (v.li.) Elisabeth Fiedler, Josef Fellerer, Sylvia Zeh und Dieter Goecke.

„Volksschul-Initiative Würmtal“

Schulwissen und menschliche Zuwendung

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„Ich war selbst Flüchtling und habe viel Hilfe erfahren. Das wollte ich zurückgeben“, sagt Dieter Goecke. Und das tat der heute 82-jährige Planegger mit großem Erfolg. Gemeinsam mit sieben Mitstreitern gründete er im November vor zehn Jahren die „Volksschul-Initiative Würmtal“. Eine Verbindung von Ehrenamtlichen, die ausländischen Kindern unentgeltliche Nachhilfestunden geben.

Gräfelfing– Als Kind floh Dieter Goecke im Zweiten Weltkrieg aus dem Warthegau nach Bayern. „Bis zur dritten Klasse habe ich kein Zeugnis gesehen. Jeden Nachmittag bekam ich Nachhilfe durch einen Lehrer. Das hat mich gerettet“, sagt Goecke. Jahrzehnte später erfuhr der Ingenieur von einem Jungen, der mit seiner Familie aus dem Kosovo ins Würmtal gekommen war und dringend Nachhilfe in Mathematik benötigte. „Das habe ich übernommen, und das war die Initialzündung.“

Was folgte, war eine denkwürdige Gemeindeversammlung in der evangelischen Michaelskirche. Dort kam die Idee auf, den vielen Flüchtlingskindern im Würmtal bei den Hausaufgaben zu helfen. Ein Zettel wurde herumgereicht, und flugs standen darauf acht Namen von Ehrenamtlichen.

Bei der Organisation verließen Dieter Goecke und seine Gleichgesinnten sich auf den Rat von Friederike Hopfmüller, der Leiterin der Würmtal-Insel: Kein Verein, kein Geld, keine Satzung, sondern eine lose Gruppierung, die sich verwalterisch an die Michaelskirche anschloss, sollte es sein. „Dieser Rat war Gold wert“, weiß Goecke heute.

Die Arbeit der Initiative war es auch – für die betreuten Kinder. Bisher waren es an die 350 junge Menschen, meist aus Flüchtlingsfamilien vom Balkan über den Irak bis nach Afghanistan, die auf diesem Weg das vielleicht wertvollste Rüstzeug für ihre Zukunft erhielten: Bildung.

Dabei blieb es oft nicht. Dieter Goecke, der heute noch ein 16-jähriges Mädchen in Mathe unterrichtet, sagt: „Die Mathematik ist der Anlass. Aber die Unterrichtszeit besteht auch aus viel Gespräch, Zuhören und menschlicher Zuwendung.“ In den Familien kämen die Kinder mit ihren Sorgen und Nöten oft zu kurz und fühlten sich allgemein alleingelassen. Goecke: „Wir sind oft mehr Vertrauensperson, als wir Lehrer sind.“

Bereits vor Jahren gab Dieter Goecke die Leitung der Initiative an Sylvia Zeh ab. Die Ehrenamtlichen geben derzeit 13 Schülern der Jahrgänge fünfte bis neunte Klasse an der Mittelschule in Lochham Nachhilfe. „Wir helfen vor allem der Lehrerin der Übergangsklasse“, sagt die Gräfelfingerin. Der Nachhilfeunterricht findet anschließend an die Schulstunden in der Schule statt, ist also als schulische Veranstaltung definiert. Die Kinder lernen vor allem Deutsch in Wort und Schrift und bekommen Unterstützung in Fächern wie Mathematik, überwiegend im Einzelunterricht, zu zweit oder zu dritt. Sylvia Zeh: „Das Ziel ist, die Noten der Kinder zu verbessern, sie in die Lage zu versetzen, den Schulabschluss zu schaffen und einen Beruf erlernen zu können.“

Die heute 15 Aktiven leisten pro Woche im Schnitt jeweils eine bis zwei Stunden. In Hochzeiten waren es noch bis zu 30 Paten, die etwa 50 Kinder unterrichteten. Sylvia Zeh: „Wir werden auch nicht jünger und würden sehr gerne weitere Helfer begrüßen.“ Der Bedarf sei in den letzten Jahren schließlich nicht kleiner geworden.

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