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Blick ins Ohr: Jérome Dagistan von Mierau Hörsysteme lässt beim Tag gegen Lärm Schüler der Lochhamer Klasse 3a Trommelfelle betrachten. Hier darf Ella in Lenis Ohr schauen. 

Tag gegen Lärm im Gräfelfinger Bürgerhaus

„Das Ohr braucht Ruhepausen“

Ab 80 Dezibel Dauerlärm wird ein Hörschutz empfohlen, bei 85 Dezibel ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, für den Schutz seiner Mitarbeiter zu sorgen. Aber wie laut ist das eigentlich und wie fühlt es sich an, wenn unsere Ohren wegen zu lauter Dauergeräusche leiden?

Gräfelfing – Beim Tag gegen Lärm am Mittwoch im Bürgerhaus Gräfelfing konnten sich Zweit- und Drittklässler der umliegenden Grundschulen umfassend informieren und dabei spielerisch lernen, wie laut zum Beispiel ein MP3-Player sein sollte.

Seit 18 Jahren stemmen Silke Mierau, Inhaberin von Mierau Hörsysteme, Planegg, und Frauke Schwaiblmair, Musiktherapeutin, inzwischen die Veranstaltung. Ihnen liegt am Herzen, Bewusstsein für Lärm und seine gesundheitsschädigenden Folgen zu schaffen. „Lärmschwerhörigkeit ist die Berufskrankheit Nummer eins“, weiß Silke Mierau aus ihrer Berufspraxis. Zunehmend mehr Menschen erkrankten daran.

Bewusstes und konzentriertes Zuhören sei zudem heute für Kinder und Jugendliche eine Herausforderung. Als Gründe dafür benennt sie die multimediale Dauerbeschallung und den wachsenden Lärmpegel in der Umwelt. Mit der Bewusstseinsbildung könne man gar nicht früh genug anfangen und das Ohr stehe spätestens in der dritten Klasse auf dem Lehrplan, erklärt Mierau die Auswahl der Zielgruppe. Grundwissen sei damit voraussetzbar.

Im Foyer waren vier Stationen aufgebaut. Geschäftig und interessiert probierten die Schüler das „Hör-Memorie“ aus. Gleichklingende Geräusche von Gegenständen in kleinen Döschen mussten einander zugeordnet werden, was gar nicht so einfach war. An einem weiteren Informationstisch konnten die Mädchen und Buben laute und leise Töne im Selbstversuch auf sich wirken lassen. Bei der Einschätzung dessen, was noch tolerierbar ist, lag mancher erstaunlich weit daneben. 92 Dezibel fand Laurence (9) aus der dritten Klasse der Grundschule Lochham „noch okay“. Tatsächlich sollte man sich einer Schallbelastung von 95 bis 100 Dezibel aber nicht länger als drei bis fünf Stunden pro Woche aussetzen. „Das Ohr braucht Ruhepausen, um sich zu erholen“, so Mierau.

Die Grafik auf einer Infotafel verdeutlicht, warum das so ist. Es gibt einen natürlichen Schalldämpfer im Ohr, den Musculus stapedius (lat. für Steigbügelmuskel), der das Gehör schützt. Wird ein Reiz zu groß, hält der Muskel das Trommelfell reflexartig statisch. Bei Dauerbelastung schafft er dies jedoch nicht mehr, Hörschädigung ist die Folge. Die dargestellten Fakten geben zu denken: 25 Dezibel entsprechen dem wahrnehmbaren Atemgeräusch aus einem Meter Entfernung. Schon ab 40 Dezibel sind Lern- und Konzentrationsstörungen bei Kindern möglich. Bei 65 Dezibel wurde ein erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauferkrankung festgestellt.

Ein Hörschaden ist nicht gerade angenehm. Beim „Hörverlust-Simulator“ erlebten die jungen Veranstaltungsbesucher, wie es sich anfühlt schwerhörig zu sein. „Die hellen Töne verschwinden und Sprache wird verwaschen wahrgenommen“, erläuterte Mierau. Wörter könnten nur noch aus dem Zusammenhang erschlossen werden.

A. Joepen-Schuster

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