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Überwachen die teuren Umbauarbeiten am Kreisverkehr in der Lochhamer Straße (v.li.): Bauamtsleiterin Elisabet h Breiter, Walter Friedrich (Ingenieurbüro Haas) und Michaela Leonhard (Firma Strabag).

Baustelle Lochhamer Strasse

Teure Korrekturen am Kreisverkehr

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Mit Baubeginn für die aus Sicherheitsgründen erforderliche Überarbeitung des Kreisels in der Lochhamer Straße schwelt die Schuldfrage an dem 280 000 Euro teuren Desaster weiter.

Gräfelfing – Die Planer verweisen auf die Mitverantwortung des Gemeinderates – und der Autofahrer. Die beiden Hauptmängel des 2014 gebauten Kreisverkehrs an der Kreuzung Lochhamer-/Rottenbucher Straße /Am Wasserbogen fallen jedem Laien ins Auge: Die baulich erzwungene Abweichung der Autos in der Achse Lochhamer Straße ist so gering, dass viele mit fast unverminderter Geschwindigkeit geradeaus durchfahren. Damit sind die Vorfahrtsregeln ausgehebelt, weil für Einmündende aus der Rottenbucher Straße höchste Gefahr besteht – unabhängig davon, ob sie als erste in den Kreisverkehr einbiegen und damit Vorfahrt hätten.

Zweites Sicherheitsmanko ist die Radwegeführung. Bauamtsleiterin Elisabeth Breiter erinnert daran, dass die ursprünglichen Pläne des Büros Haas die korrekte Einmündung der Radwege auf die Fahrbahn deutlich vor dem Kreisverkehr vorsahen. Dies habe der Gemeinderat als „angeblich zu gefährlich“ abgelehnt. Die Planer fügten sich und ließen die Radwege wie gewünscht direkt in den Kreisverkehr münden. Eine verkehrsrechtlich zumindest fragwürdige Lösung und jedenfalls keine sichere.

Nach der Klage eines Radfahrers ließ die Gemeinde zunächst ein Sicherheitsaudit durchführen, um den Ist-Zustand mit den rechtlichen Vorgaben abzugleichen. Darauf folgte ein Gutachten von Prof. Jürgen Gerlach, einem renommierten deutschen Verkehrsexperten, um praktische Verbesserungsvorschläge zu erhalten. Eine seiner vorgeschlagenen Varianten wird nun umgesetzt. Sie sieht vor, die innere Grüninsel zu vergrößern. Auch der innere Kreis, den nur Lastwagen und Busse befahren dürfen, wird um zwei Meter im Durchmesser vergrößert und mit einem fünf Zentimeter hohen Rand (abgerundeter Bordstein) von der Fahrbahn abgesetzt. Dies und die um einen Meter erhöhte Abweichung auf allen Seiten soll den Durchschusseffekt aufheben.

Die Radwege erhalten nun eigene Furten zum Queren der vier Einmündungen jeweils zwischen Zebrastreifen und Kreisverkehr.

Walter Friedrich vom Ingenieurbüro Haas verweist auf die Mitverantwortung der Autofahrer. Friedrich: „Hätten sich alle an die Verkehrsregeln gehalten und den inneren Kreis nicht geradeaus überfahren, hätte der Kreisverkehr funktioniert.“ Die fünf Zentimeter hohe Kante könnte den Autofahrern dieses Schneiden verleiden. Zugleich sind Friedrich und Breiter überzeugt: „Das wird für die Anwohner wesentlich lauter.“ Vor allem leere Lkw-Anhänger dürften ihrer Ansicht nach unüberhörbar über die Kante poltern – und das ganz legal. Auch für Motorradfahrer, die nicht aufpassten, könne sie zur Gefahr werden.

Die Disziplin der Autofahrer lässt auch jetzt, während der Bauzeit, zu wünschen übrig. Während die wechselseitig geschaltete Baustellenampel gut akzeptiert wird, gilt das für die gesperrte Zufahrt von der Rottenbucher Straße keineswegs. Viele Autofahrer beachten die deutlich beschilderte Umleitung nicht und biegen, vor der Absperrung angekommen, flugs in die schmale Einbahnstraße Radlbäckplatz ab – entgegen der Fahrtrichtung. Und manche rücken die Warnbaken beiseite und fahren einfach über den Gehsteig in den Kreisverkehr ein. Elisabeth Breiter: „Wir werden die Polizei bitten, hier ein Auge drauf zu haben.“ Vielleicht wären Polizeikontrollen im Vorfeld überhaupt ein Rezept gewesen, die teuren Korrekturen überflüssig zu machen.

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