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Bürgermeisterin mit Geistlichen: Uta Wüst präsentierte Diakon Wolfgang Kustermann, Kaplan Martin Siodmok und Pfarrer Markus Zurl (v.li.) den Urnenraum

Nach Restaurierung

100-jähriger Urnenraum erstmals nutzbar

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Gräfelfing  - Über 100 Jahre nach dem Bau des Glockenturms am Gräfelfinger Friedhof wird der Urnenraum in seinem Erdgeschoss demnächst erstmals bestimmungsgemäß genutzt. Die Restaurierung ist nun abgeschlossen.

Der Münchner Architekt und Kunstprofessor Richard Riemerschmid (1868-1957) war seiner Zeit weit voraus. Als er vor über 100 Jahren im Auftrag der damals gerade mal 1500 Gräfelfinger Einwohner den Waldfriedhof neu anlegte und eine Aussegnungshalle samt Begleitbauten entwarf, orientierte er sich eher an seinen künstlerischen Idealen als am momentanen Bedarf des Bauerndorfes Gräfelfing. So entwarf er im quadratischen, engen Erdgeschoss des Glockenturms einen Urnenraum – auch wenn um das Baujahr 1913 weder die Gesellschaft, noch die Kirche so weit waren, diesen anzunehmen und als solchen zu nutzen.

Im Gegenteil: Das Geviert diente als Abstellraum für Arbeitsgerät; auch die Böllerkanone der Veteranen lagerte zeitweise hier. In die kunstvoll verzierte Kassettendecke aus Holz schnitt man ein Loch für das Glockenseil, das ursprünglich in ein Nebengebäude umgeleitet wurde.

Doch der Bedarf änderte sich – in die von Richard Riemerschmid vorausgesehene Richtung: Seit Jahren gibt es im Gräfelfinger Gemeinderat Diskussionen um den Bau einer Urnenwand, weil der Trend bei Bestattungen in diese Richtung geht. Die Urnenwand gibt es zum Leidwesen einiger Gemeinderäte wie Peter Köstler (CSU) zwar immer noch nicht. Doch der Urnenraum im Glockenturm ist ab sofort erstmals seit seiner Errichtung als solcher nutzbar.

In Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege – das gesamte Friedhof-Ensemble steht unter Denkmalschutz – ließ die Gemeinde den Raum samt Kassettendecke in ursprünglicher Form restaurieren. Die Schablonenmalerei in schwarzer Farbe und Blattgold war allerdings kaum beschädigt. Zusätzlich zum Riemerschmid-Entwurf sind die nunmehr 59 Urnennischen mit speziell angefertigten, durchsichtigen Einschüben aus Acrylglas versehen, und es gibt eine Wandtafel für die nummerierten Namensschilder. Vorerst wird die Tür zu dem Raum aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Im Gespräch ist eine innere Glastür, um den Raum tagsüber erlebbar machen.

Interessenten für den alten und zugleich neuen Urnenraum gibt es schon. Das Nutzungsrecht einer Urnennische kann bei der Gemeinde für zehn Jahre erworben und auf Wunsch um weitere zehn Jahre verlängert werden. Die Gebühren liegen bei 26 Euro pro Jahr für die Nutzung und einmalig 396 Euro für die Bestattung und die Anfertigung des Namensschildes.

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