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Als IGG-Vorstand einstimmig im Amt bestätigt (v.li.): Schriftführer Klaus Tonte, Vorsitzender Nicolaus von Welck, sein Vize Mathias Pollok und Kassenwart Wolfgang Balk. 

IGG legt Bürgermeisterin hohe Hürde für Entlastungsstrasse

„Nicht ohne Bürgerentscheid“

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Beim Thema Umgehungsstraße ringt die IGG um ihre Glaubwürdigkeit. Auf der Mitgliederversammlung am Mittwoch wurde deutlich, dass die Basis den Schwenk von contra zu pro keineswegs so geschmeidig mitvollziehen mag wie Bürgermeisterin und Ratsfraktion.

Gräfelfing – „Ich komme in Erklärungsnöte“, gestand Ralf Michel. „Wie soll ich begründen, dass wir vorher dagegen waren und jetzt dafür“, fragte der ehemalige IGG-Gemeinderat und aktuelle Kassenwart des Unternehmerverbands Gräfelfing. Der Verkehr sei „der Wahnsinn“, und die Unternehmen begrüßten eine Entlastungsstraße. Doch fehle es ihm bei kritischen Nachfragen an Argumenten.

Nicolaus von Welck, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing (IGG), stellte klar, man sei vorläufig „nur für die Untersuchung“, nicht für die Straße. Erst wenn sie zu bestimmten Bedingungen machbar sei, werde man das Projekt befürworten. Und auch dann müsse man das Paket „dem Bürger zur Entscheidung vorlegen; die Zeit sollte man sich geben.“

Eine Forderung, zu der Bürgermeisterin Uta Wüst nicht Stellung bezog. Stattdessen zählte sie Argumente für die kommunale Entlastungsstraße auf und betonte, was diese vom ursprünglichen Projekt St 2063 neu, das im Bürgerentscheid 2013 auch auf vehementes Betreiben der IGG abgelehnt worden war, unterscheide. Die geplante Straße sei nur zweispurig, kein „Rumpfstück der Staatsstraße“ und lasse die Pasinger Straße samt Autobahnanschluss für den Verkehr offen. Dieser könne sich so auf zwei Routen verteilen und fließe nicht in Gänze über die Würmtalstraße nach Gräfelfing. Wüst: „Ich weiß nicht, ob wir damit in Zukunft gut aufgestellt sind, aber die Experten rechnen es vor.“

Vor allem jedoch sei klar: „Wenn wir nichts tun, steht der Verkehr in absehbarer Zeit. Er fließt nicht langsam, er steht.“ Sie teile übrigens die Ansicht ihres Vorgängers Christoph Göbel, dass man „nicht über Jahrzehnte dem Phantasiegebilde“ einer gemeinsamen Lösung mit Planegg nachjagen könne.

IGG-Urgestein Klaus Suess warnte seine Gruppierung dagegen eindringlich: „Wir müssen aufpassen, als IGG nicht als Umfallerpartei dazustehen.“ Ein neuerliches Bürgerbegehren sei unabdingbar für das Projekt, an dem er jedoch grundsätzliche Zweifel hege. Er knüpfe seine Zustimmung an die Frage: „Wann ist Schluss mit dem Straßenbau?“ Mangels hellseherischer Fähigkeiten mochte ihm dies natürlich niemand beantworten. Jedenfalls, so Suess, müsse man auch sagen, „was auf der Verlustliste“ eines solchen Projektes stehe, nämlich Natur, Freiraum, Lebensqualität. Suess: „Diese Diskussion ist noch zu führen.“ Bernd Sommer bekräftigte, die Frage einer Verkehrs-Obergrenze sei in Gräfelfing nach den leidvollen Erfahrungen mit der Autobahn eine ganz bedeutsame.

Wenngleich er sich als „erzkonservativ“ beschrieb, zeigte Wolfgang Balk sen. sich flexibler. „Wenn jetzt eine bessere Lösung auf den Tisch kommt, dann sollte man dafür sein. Unter geänderten Umständen kann man auch seine Meinung ändern“, sagte der Vater des IGG-Gemeinderats Wolfgang Balk.

Von Welck fasste zusammen, die IGG werde sich erst mit den Ergebnissen der vom Gemeinderat geplanten Machbarkeitsstudie positionieren: „Das Thema ist heute nicht entscheidungsreif.“ Und Bürgermeisterin Uta Wüst gab als „Sprachregelung bis dahin“ aus: „Die kommunale Entlastungsstraße ist eine verträglichere Lösung, aber wir warten erst mal die Ergebnisse der Untersuchung ab.“

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