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Diskussionsrunde im Gräfelfinger Bürgerhaus: Uta Alexander, Natalie Schaller, Christoph Maier und Bürgermeisterin Uta Wüst (Foto v.li.). 

Bezahlbarer Wohnraum

„Grundstücke sind der Schlüssel“

Im Bürgerhaus Gräfelfing wurde lebhaft darüber diskutiert, wie Kommunen heute noch bezahlbaren Wohnraum schaffen können. Experten stellten sie den Fragen der Bürger. Uns sie verrieten, was sie als Gemeinden nicht mehr tun würden.

Gräfelfing – Siedlungsdruck, explodierende Immobilien- und damit auch Mietpreise. „Ein ganzer Ballungsraum beschäftigt sich mit diesem Thema“, ist sich Gräfelfings Bürgermeisterin Uta Wüst sicher. Und genau darüber wollte die Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing (IGG) mit den Bürgern ins Gespräch kommen, weswegen sie unter dem Motto „Bezahlbarer Wohnraum in Gräfelfing – wie kann das gehen?“ am Mittwochabend ins Bürgerhaus geladen hatte.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden der IGG, Nicolaus von Welck, ging es dann auch gleich zur Sache. Uta Wüst konfrontierte die Anwesenden zunächst mit den Fakten. 3800 Wohngebäude mit rund 6000 Haushalten gebe es derzeit in Gräfelfing. Ein Einwohner habe durchschnittlich 54 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung – also verhältnismäßig viel. Bezahlbarer Wohnraum werde dringend gebraucht, wobei die Siedlungserweiterungsflächen in Gräfelfing begrenzt seien. Hinzu komme die Krux, dass Gräfelfing Gartenstadt ist und man nicht einfach alles zupflastern könne.

Der Markt schaffe die falschen Angebote, Genossenschaften haben das Nachsehen

Auf der anderen Seite verfüge Gräfelfing schon seit vielen Jahrzehnten sowohl über ein kommunales Wohnungsunternehmen (Gemeindebau Gräfelfing) als auch über eine Wohnungsbaugenossenschaft. Zwei Dinge, auf die auch die Experten setzen, die die IGG ebenfalls zur Veranstaltung eingeladen hatte. „Der Markt schafft die falschen Angebote“, sagte etwa Christoph Maier. Der Geschäftsführer des Forum Baucultur führte anschaulich den Rückgang des öffentlichen Wohnungsangebots in München seit 1990 vor Augen und positionierte sich eindeutig: „Ich würde keiner Kommune in heutiger Zeit mehr raten, Grund zu verkaufen“.

Das bestätigte Natalie Schaller. „Grundstücke sind der Schlüssel“, sagte die Geschäftsführende Gesellschafterin der Stattbau München, einer Beratungsstelle für die Entwicklung von Konzepten für „zukunftsfähige Wohn- und Siedlungspolitik“. Nachdem die Bayerische Gemeindeordnung es den Kommunen verbietet, Grundstücke unter Wert zu verkaufen, hätten Genossenschaften oft das Nachsehen. „Profis sind schneller und zahlen mehr“, ist ihre Erfahrung.

Wie es dann aussehen kann, wenn doch einmal Genossenschaften zum Zuge kommen, das schilderte Uta Alexander. Das ehemalige Vorstandsmitglied von Wagnis e.G. gab einen Einblick in das besondere Münchner Wohnprojekt, bei dem weniger die Schaffung günstigen Wohnraums als das „Wie“ des Wohnens im Vordergrund steht.

Zahlreiche Fragen, rege Diskussion, wage Antworten

Den kurzen Impulsvorträgen schloss sich eine rege Frage- und Diskussionsstunde an. Gibt es eine Mindestanzahl an Genossenschaftlern? Kann man so etwas auch in Altbauten verwirklichen? Wie lange dauert es von der Idee bis zur Verwirklichung? Nicht nur die Antwort auf letztere Frage (drei Jahre) sorgte für Erstaunen. Natalie Schaller dämpfte aber auch zu große Erwartungen: Ohne Grundstück könne man auch nichts verwirklichen.

Das bestätigten spontan einige Genossenschaftler aus der Nachbargemeinde Neuried. Nach ihren Angaben sucht die „RAUMNeuried e.G“ seit fünf Jahren nach einem geeignetem Grundstück – bislang ohne Erfolg. „Wie kommt man an Grundstücke?“, war dann auch eine der brennendsten Fragen an jenem Abend. Uta Wüst hatte hier nur bedingt Lösungsansätze parat. So blieb die Erkenntnis: Sozialverträglicher Wohnungsbau ist möglich, die Umsetzung aber alles andere als einfach.

Margot Deny

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