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Die Wolfart-Klinik in Gräfelfing: Über 60 Jahre lang kamen hier Kinder zur Welt

Ende einer Ära im Würmtal

Wolfart-Klinik schließt Geburtshilfe

Die Entscheidung kam überraschend: Ende September schließt die Wolfart-Klinik ihre Geburtshilfe-Abteilung. Damit folgt sie einem Trend. Mitarbeiter sind schockiert.

Gräfelfing Die Abteilung für Geburtshilfe gehört seit über 60 Jahren zur Gräfelfinger Wolfart-Klinik. Generationen von Würmtalern erblickten im Kreißsaal der Privatklinik in der Waldstraße das Licht der Welt. Jetzt steht fest: Diese Tradition geht zu Ende. Die Geburtshilfe wird am 30. September dieses Jahres geschlossen. Nicht, weil es ihr finanziell schlecht ginge, sondern aus Sorge, dass die Qualität der Abteilung nicht auf Dauer gehalten werden könnte.

Am Donnerstag informierte der Sohn des Klinikgründers, Geschäftsführer Florian Wolfart, die Mitarbeiter. „Der Schock war natürlich groß“, sagt er und berichtet von Enttäuschung und Entsetzen. Belegarzt Professor Dr. Reinhold Knitza bestätigt dies. Seine Meinung zur Schließung: „Es ist nicht nachvollziehbar.“

Florian Wolfart erläutert, es gebe „ein Bündel von Gründen“. Diese seien keineswegs wirtschaftlicher Natur. Sondern: „Wir können uns dem allgemeinen Trend nicht entziehen.“ Im vergangenen Jahr hätten deutschlandweit 80 Geburtshilfen geschlossen. Es gebe ein Bestreben von Politik und Verwaltung in Richtung großer Abteilungen mit vorzugsweise 2000 Geburten im Jahr. In dieser Liga spielt beispielsweise das Klinikum Starnberg, nicht aber die Wolfart-Klinik. Dort kamen im vergangenen Jahr 690 Kinder zur Welt. Wolfart sagt: „Die belegärztliche Geburtshilfe stirbt aus. Die Versicherungsprämien sind so gestiegen, dass es sich für die Ärzte nicht mehr lohnt.“ Niemand wolle sich diese Lasten antun. Auch für die Hebammen werde es schwieriger. 

Der Klinikleiter geht daher davon aus, dass von seinen derzeit sieben Belegärzten in der Geburtshilfe nur zwei woanders weiter machen würden. Er kommt zu dem Schluss: „Unsere Geburtshilfe hat ein sehr gutes Niveau und läuft momentan sehr gut, aber wir spüren, dass es zu einem Abwärtsstrudel kommen wird.“ Seine Entscheidung, die Abteilung zu schließen, erklärt er daher wie folgt: „Wir wollen das, was wir machen, wirklich gut machen. Das ist eine vorsorgliche Entscheidung, die einem Trend nachgibt.“

Schwangere aus dem Würmtal müssen sich seit Freitag nach Alternativen umschauen. Florian Wolfart sagt, Starnberg habe keine, Großhadern aber reichlich Kapazitäten. Auch in Pasing seien zwei Kliniken.

Gräfelfing könnte schon eher als geplant den Betrieb einstellen. „Ich vermute, dass es schon früher aufhören wird“, sagt Wolfart. Hebammen, Ärzte und Kinderkrankenschwestern würden sich nun nach einer neuen Beschäftigung umsehen. Sollten bald viele Mitarbeiter fehlen, müsse er zusperren. „Wir haben keine Kündigungen vor“, erklärt er. Kinderkrankenschwestern dürften Erwachsene pflegen. „Schwierig ist es für jüngere Hebammen“, weiß er. Die könnten jedoch im Operationsbereich tätig werden. „Wenn sie wollen, können sie das bei uns gerne tun.“ Was die Belegärzte betrifft, habe er sich bei anderen Kliniken erkundigt. Auch für sie gebe es Möglichkeiten. Die Patientenzimmer der Wolfart-Klinik sollen derweil weiter als solche genutzt werden. Kreißsäle würden neuen Zwecken zugeführt. „Da gibt es immer Bedarf“, sagt Wolfart. Nur eines sei sicher: „Es ist nichts Neues dazu geplant.“

Victoria Strachwitz

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