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Über 100 Gräfelfinger und Würmtaler, darunter auch Friedrich Schreiber und 3. Bürgermeister Jörg Scholler, folgten der Einladung von Landrat Christoph Göbel (2. v. re.) und Bürgermeisterin Uta Wüst (3. v. re.) zur Besichtigung der neuen Flüchtlingssiedlung an der Großhaderner Straße.

Unterkünfte für 208 Migranten

Bürger besichtigen die Flüchtlingssiedlung

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Gräfelfing - In Gräfelfing stehen die ersten neuen Flüchtlingsunterkünfte im Würmtal kurz vor der Fertigstellung. Über 100 Interessierte besichtigten nun zwei der sieben Häuser.

Es mutet wie ein kleines Dorf an, was die Baufirmen in den letzten Wochen auf der Wiese an der Großhaderner Straße/Ecke Neurieder Weg hochgezogen haben: Sieben zweigeschossige Häuser, die um einen freien Platz stehen, alle baugleich mit angedeutetem Satteldach, das zwei Haushälften überspannt. Dazwischen führt die überdachte Treppe ins Obergeschoss, so dass jede der vier Wohnungen eine abgeschlossene Einheit mit eigenem Zugang bildet. Die modernen Bretter-Fassaden vor den ordentlich isolierten Wänden lassen nicht mehr erahnen, dass die Gebäude im Kern aus gestapelten, container-artigen Stahlmodulen bestehen.

Jede der Wohneinheiten bietet zwei Schlafzimmer für je vier Personen, Bad mit Dusche und einen Gemeinschaftsraum, der als Küche und Esszimmer fungiert. Die Wohnungen sind komplett eingerichtet mit Betten samt Matratzen, Schränken, Vorhängen, Herd und Waschmaschine bis hin zu Tellern und Besteck – all das nagelneu. Insgesamt bietet die kleine Siedlung 208 Personen Platz.

Die Besichtigung, bei der sich die Besucher in Gruppen durch die zwei offenen Häuser schoben, schrammte nur knapp am Voyeurismus vorbei. Ein Risiko, das das Landratsamt auch schon im Falle der neuen Traglufthallen für Flüchtlinge in Kauf nahm: Immerhin wohnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand in den Häusern, und die Behörde unter Leitung von Landrat Christoph Göbel will so viel Transparenz wie möglich praktizieren, um Vorbehalten und Vorurteilen bestmöglich vorzubeugen. Die meisten Kommentare waren denn auch anerkennend-positiv, doch auch „Das hat mancher zu Hause nicht“ war bisweilen zu hören.

Landrat Christoph Göbel, der die Veranstaltung mit einer ganzen Schar an Mitarbeitern begleitete, betonte den „neuen Ansatz“ in der Flüchtlingsunterbringung, den das Landratsamt erstmals in Gräfelfing umsetze: das Grundstück stammt von der Gemeinde, die Gebäude baut Investor „Ehret und Klein“ nach eigenen Plänen und vermietet sie auf zunächst zehn Jahre ans Landratsamt. Der Landrat rechnet damit, dass die Zahl von derzeit 145 Flüchtlingen, die der Landkreis pro Woche neu unterbringen muss, im nächsten Jahr steigen wird. 80 Prozent von ihnen würden längerfristig in Deutschland bleiben und bräuchten menschenwürdigen Wohnraum wie diesen.

Auch Bürgermeisterin Uta Wüst zeigte sich mit der „vorbildlichen“ Flüchtlingssiedlung zufrieden; sie sei eben kein „Container-Verhau“. Wüst: „Wir machen mit dieser Einrichtung viele Menschen zufrieden und hoffen, dass sie hier zur Ruhe kommen können.“ Und schließlich verkündete die Bürgermeisterin noch eine gute Nachricht: Wie der Helferkreis Asyl und auch die Flüchtlinge es sich gewünscht hatten, werden fast alle Migranten, die zuvor in der KHG-Turnhalle untergebracht waren, Mitte Januar in die neue Flüchtlingssiedlung einziehen können, so dass die ersten zarten Ergebnisse des Integrationsprozesses sich nahtlos verstetigen können.

Martin Schullerus

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