Gräfelfinger Mobilfunkkonzept

Grünes Licht für ersten Großmast

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Zehn Jahre lag das einst als revolutionär gefeierte Gräfelfinger Mobilfunkkonzept in der Schublade – oder auf Richtertischen. Jetzt soll der erste von fünf geplanten Großmasten gebaut werden.

Längst haben die Gerichte grünes Licht gegeben, die Mehrheit im Gemeinderat ist seit einem Jahrzehnt ungefährdet, das Baurecht liegt vor, und an der technischen Machbarkeit besteht kein ernsthafter Zweifel. Trotzdem bekamen im Gräfelfinger Bauausschuss einige weiche Knie, als sie am Donnerstag die Hand heben sollten für den ersten 40-Meter-Mobilfunkmast auf Gemeindegebiet. Zwei Stunden diskutierten die Gemeinderäte und befragten den Experten Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut München – unter den Augen von Anwohnern des Bereichs Jahnstraße.

Vereinfacht ausgedrückt sieht das Konzept vor, die heute gängigen und mit gestiegenem Bedarf zunehmenden Antennen auf (privaten) Dächern in Wohngebieten abzuschaffen. In den Gräfelfinger Bebauungsplänen sind sie inzwischen verboten; die existierenden haben Bestandschutz, der spätestens 2022 ausläuft.

Im Gegenzug hat die Gemeinde wenige, sogenannte Positivstandorte festgelegt, an denen bis zu 40 Meter hohe Masten stehen dürfen, die sich mehrere Mobilfunk-Anbieter teilen. Der Vorteil: Das Mobilfunk-Angebot in Gräfelfing würde nachhaltig verbessert – bei zugleich stark gesunkener Strahlenbelastung. Denn die Dachantennen haben ein großes Manko: Sie müssen intensiv senden, weil Dächer, Wände und Bäume benachbarter Häuser zwischen ihnen und den Abnehmern stehen. Die Antennen auf den hohen Masten haben hingegen „freien Blick“ auf die Abnehmer; die Sendeleistung kann reduziert und trotzdem die Datenrate gesteigert werden.

Der Nachteil dieser Masten liegt freilich auf der Hand: „Diese Masten sind keine Schönheit“, so Bürgermeisterin Uta Wüst. Und auch Ulrich-Raithel sagte: „Ein 40-Meter-Mast ist keine Kleinigkeit.“ Deshalb sind sie möglichst außerhalb der Wohngebiete angesiedelt: zwei im Gewerbegebiet, einer an der Autobahn, allerdings einer am Neunerberg zwischen Planegg und Gräfelfing und einer im Wäldchen an der Jahnstraße, Nähe TSV. Zu letzterem Mast liegt nun der Bauantrag des Mobilfunkanbieters Telefónica vor, nachdem Anwohner mit Klagen gegen den Bebauungsplan gescheitert waren.

In der Sitzung scheiterte zunächst Ralf Brandtner (SPD) mit seinem Antrag, Frank Sommer (Grüne) als Betroffenen von Diskussion und Beschlussfassung auszuschließen. Er unterstellte, Sommer habe ein persönliches Interesse, da er als Rechtsanwalt Auftragnehmer im Zuge des Mobilfunkkonzeptes sei. Frank Sommer und die Verwaltung wiesen dies zurück, und Brandtners Antrag wurde mit 2:4 Stimmen abgelehnt.

In der Sache gestand Bürgermeisterin Wüst, dass sie zu Beginn ihrer Amtszeit das Ziel gehabt habe, diese Masten zu verhindern. Sie hatte auf neue Techniken gehofft, die eine Strahlenminimierung ohne Großmasten ermöglichten. Doch Ulrich-Raithel bestätigte, moderne Ansätze wie Hotspots mit Sendern unter Kanaldeckeln könnten das Makronetz nicht ersetzen, weil sie zu schwach senden, um in den Häusern Empfang zu garantieren. Dies allerdings sieht der Gesetzgeber zur Daseinsvorsorge vor, und die Mobilfunkbetreiber können darauf bestehen. Uta Wüst sprach sich also „in der Wahl zwischen Pest und Cholera“ für das Konzept aus, da es die Gesundheitsvorsorge als prioritär gewichte und die wenigen Großmasten „die am wenigsten belastende Methode sind, die Antennen von den Häusern zu bekommen“.

CSU-Gemeinderätin Marion Appelmann fasste die Argumente der Befürworter mit den Worten zusammen: „Optimale Versorgung mit geringster Immissionsbelastung.“ Gegner wie Hans Furbach (AIG) schimpften indes, die Masten seien „potthässlich und ein Unfug sondergleichen.“

Mehrere Gemeinderäte und die Verwaltung wiesen freilich darauf hin, dass das Baurecht rechtskräftig und längst kein Ermessensspielraum mehr bestehe und diese Diskussion, die so schon vor zehn Jahren stattfand, mit den damaligen Beschlüssen bereits abgeschlossen wurde. Am Ende stimmten Brandtner und Furbach gegen den Bauantrag, sechs Gemeinderäte samt Uta Wüst dafür.

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