Obwohl Katrin Thon von der Löwen-Apotheke in Gräfelfing mehr Grippeimpfstoff als im Vorjahr geordert hat, wird dieser knapp.
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„Es reicht hinten und vorne nicht“: Obwohl Katrin Thon von der Löwen-Apotheke in Gräfelfing mehr Grippeimpfstoff als im Vorjahr geordert hat, wird dieser knapp. Foto: DR

Apotheken

Grippe-Impfstoff wird zur Mangelware

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Der Impfstoff für die Grippeimpfung wird knapp. Auf so einen Ansturm waren die Apotheker im Würmtal nicht vorbereitet.

Würmtal – „Es reicht hinten und vorne nicht“, sagt Katrin Thon von der Gräfelfinger Löwen-Apotheke. Der Impfstoff für die Grippeimpfung werde knapp. Obgleich sie heuer mehr bestellt hatte als im vergangenen Jahr, seien ihre Vorräte „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Diesen Eindruck hat nicht nur sie. Florian Max, Inhaber der Rosen- und der Würmtal-Apotheke, beide in Planegg, stellt ebenfalls fest: „Wir haben mehr Grippeimpfstoff geordert als im vergangenen Jahr, die Ärzte haben mehr bekommen, aber es reicht nicht.“

Lieferungen um Wochen verzögert

Bislang habe Max Nachbestellungen der Ärzte bedienen können, „aber nicht immer sofort“. Der Großhändler liefere zum Teil um Wochen verzögert. Dem Apotheker Adriano Colanera von Mary’s Apotheke in Neuried geht es ähnlich. Vergangene Woche habe er eine Lieferung erwartet, die nun stattdessen Mitte/Ende Oktober kommen soll. Sein Großhändler sage ihm, dass es keinen Engpass gebe. Gleichzeitig weiß Colanera aber, dass die Nachfrage allein in seiner Apotheker heuer mehr als dreimal so hoch sei wie im vergangenen Jahr. 2019 habe Mary’s Apotheke in Neuried 600 Grippeimpfungen verkauft. Heuer habe er 1300 Stück bestellt. Und er ist überzeugt: „Dieses Jahr hätten wir auch 2000 verkaufen können.“

Nachfrage deutlich höher

Florian Max bestätigt, „die Nachfrage ist unerwartet hoch“. Beispielsweise habe bei ihm eine Praxis 600 Stück bestellt und diese bereits in eineinhalb Monaten aufgebraucht. Katrin Thon: Der Impfgedanke verbreite sich zunehmend. „Es haben sich schon viele gegen die Grippe impfen lassen, aber es hat coronabedingt zugenommen.“ Dass der Impfstoff nicht reiche, ist kein neues Phänomen. Sie sagt, „es war nie genug Impfstoff da“, aber heuer sei die Situation verschärft. „Die Nachfrage ist deutlich höher als im vergangenen Jahr.“

Fehler im System

Max sieht einen Fehler im System als Ursache für die stete Knappheit: Apotheker bekämen pro Impfstoff einen knappen Euro und ab 70 Euro bekämen sie fast nichts mehr. „Dadurch kalkulieren die Apotheker ganz knapp“, meint er. Sie legten keine Vorräte an. Das Geld für den Impfstoff müssten sie auslegen. „Wir können den Impfstoff nicht zurückgeben. Im Jahr darauf braucht ihn keiner mehr.“ So horten die Apotheker den Impfstoff sehr ungern. Im Februar haben sie den Bedarf bei den Ärzten abgefragt, dann haben sie bestellt. Die Herstellung des Impfstoffes braucht seine Zeit. Die Produktion starte im Februar, erklärt Max. Da sei jetzt nicht mehr viel zu ändern. Thon gibt Max recht: „Einen großen Verdienst hat man nicht.“ Und: „Es ist immer eine Ungewissheit.“ Sie habe ihre Bestellung im Frühjahr aufgegeben und wie ihre Kollegen vorsichtshalber erhöht. Wie sich jetzt aber zeige, nicht genug. Sollte der Impfstoff nun nicht reichen, könnte es also auch an einem Fehler im System liegen.

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