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Wo der Großkanzler vom Pferd fiel

Neuried - Seit über 700 Jahren ist der Forst Kasten im Besitz der Münchner Heiliggeistspital-Stiftung. Zeugnis seiner wechselhaften Geschichte ist die sogenannte Preysingsäule, die sich auf einer Lichtung unweit der Gaststätte Forsthaus Kasten erhebt. Ihre Sanierung ist für heimatverbundene Neurieder Grund genug, sich auch mit der Geschichte und Zukunft des Waldes auseinander zu setzen.

„Stehen in Gottes Gnad, Macht stehen allzeit grad", lautet die Inschrift, die in den Stein der Preysingsäule gemeißelt wurde. Die Geschichte dazu geht so: 1735 stürzte Max Emmanuel von Preysing, erster Großkanzler des Kurfürsten Karl Albrecht, bei einer Jagd vom Pferd. Dankbar über die vollständige Genesung seines Großkanzlers ließ der Kurfürst an Ort und Stelle zu Ehren Marias ein Denkmal errichten - die Preysingsäule.

Rund 10 000 Euro kostete es, die vier Meter hohe Säule zu sanieren, berichtet Josef Wöhrle, der sich seit 20 Jahren als Revierleiter der Forstverwaltung München um den Wald kümmert. Den Großteil bezahlte die Heiliggeistspital-Stiftung. Der Landkreis bezuschusste die Arbeiten.

Mehr als sechs Monate lang säuberten Restauratoren den Marmor, zogen die Schriftzüge mit Blattgold nach und rekonstruierten Konturen. Doch es wurde nicht überall nachgebessert. „An der Marienstatue ist der Arm des Jesuskinds abgebrochen, und der Reichsapfel fehlt“, weiß Wöhrle. Das bayerische Amt für Denkmalpflege in München habe eine vollständige Wiederherstellung abgelehnt, erzählt der Revierleiter. „Ihre Begründung war, man müsse sehen, dass das Denkmal alt ist.“

Wöhrle liegt die Preysingsäule am Herzen, genau wie der Wald, der sich über rund 840 Hektar von Neuried über Planegg bis nach Gauting erstreckt. Heute besteht der Forst aus Mischwald. „Doch das war nicht immer so“, erzählt Wöhrle. Reparationszahlungen und Brennholzmangel machten den Forst Kasten nach den Weltkriegen zu einem begehrten Objekt. „98 Prozent ihrer Einnahmen generierte die Stiftung früher aus dem Holzbestand des Waldes“, erzählt Gabriele Friderich. Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden Fichten gepflanzt, die sich besonders als Feuerholz eignen, jedoch nicht besonders sturmfest sind. Orkane und Borkenkäfer dünnten den Bestand aus.

In den vergangenen 20 Jahren wurden unter Wöhrles wachsamen Auge 2,5 Millionen Pflanzen gesetzt - unter Vernachlässigung von Fichten. 2001 erhielt der Stiftungswald schließlich ein Zertifikat der Organisation FSC (Forest Stewardship Council) für nachhaltige und ökologische Forstwirtschaft.

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