Grundschule Martinsried: Eltern wegen Baumängeln beunruhigt

Martinsried - Die Eltern der Martinsrieder Grundschüler sind besorgt: Bei einem kurzfristig einberufenen Infoabend wurde bekannt, dass aufgrund bauphysikalischer Mängel in den Sommerferien und im nächsten Schuljahr umfangreiche Baumaßnahmen stattfinden müssen.

Planeggs Bürgermeisterin Annemarie Detsch gab gemeinsam mit Rektorin Margit Baran-Lander am Mittwochabend Details bekannt. Die Baumaßnahmen seien notwendig, um die Raumluft in den Schulräumen zu verbessern. Gerhard Führer, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen, gab einen Überblick über die Schäden, die behoben werden müssen. Der Baubiologe berichtete, dass in vier Räumen erhöhte Formaldehydkonzentrationen vorlägen. Ursache seien furnierte Holzverkleidungen an der Außenwand des Gebäudes, wie Materialproben ergeben hätten. Ein Test auf Schimmelpilze und Bakterien habe einen Vorschaden aufgedeckt und erkläre zumindest einen Teil der vorliegenden Geruchsauffälligkeiten in den Räumen.

Gutachter gehen außerdem von einer lokalen Belastung der Dämmebenen in Fußboden- und Wandkonstruktionen aus, die auf einen Altschaden des Gebäudes hinweisen.

Davon allerdings weiß die Gemeinde nicht erst seit vergangenem Jahr. Bereits drei Jahre nach der Einweihung der Martinsrieder Grundschule 1995 hatten Eltern gesundheitliche Probleme ihrer Kinder gemeldet, die sie auf das Schulgebäude zurückführten. Im Jahr 1999 wurden in mehreren Zimmern Holzverkleidungen entfernt. 2003 wurde, wie die Gemeinde jetzt in einer Pressemitteilung bekannt gab, in einem Klassenzimmer, das immer wieder Anlass zu Klagen lieferte, durch den Einbau eines Klimagerätes die Belüftung verbessert.

Mit diesen Maßnahmen hätten die Beschwerden zunächst ein Ende gehabt. Doch bald nahm die Geruchsauffälligkeit wieder zu, und so gab die Gemeindeverwaltung weitere Gutachten in Auftrag. Putzmittel wurden ersetzt, was aber zu keinen positiven Ergebnissen führte. Im vergangenen Jahr schließlich erhielt Sachverständiger Jürgen Gollwitzer den Auftrag für weitergehende bauphysikalische Untersuchungen. Gerhard Führer widmete sich den chemischen und mikrobiologischen Erforschungen.

In der Martinsrieder Schule wird nun in den nächsten Monaten nach und nach die gesamte Fassade inklusive der Hinterlüftung erneuert. Die furnierten Bretter im Außenwandbereich werden ausgebaut oder von der Raumluft abgetrennt. Als Sofortmaßnahme sollen in den Sommerferien die Randfugen in den Innenräumen mit einem Spezialverfahren abgedichtet werden. Damit könnten, so die Gutachter, mikrobielle Bestandteile aus der Fußbodenkonstruktion nicht mehr in die Raumluft gelangen. Die Kinder der betroffenen Zimmer werden jeweils in andere Räume innerhalb der Schule umziehen, wobei die Arbeiten hauptsächlich nachmittags und in den Ferienzeiten stattfinden sollen.

Die Eltern vieler Schüler zeigten sich nach dem Infoabend nicht sonderlich beruhigt. Viele stellten kritische Fragen, etwa, warum mit der Abdichtung der Fugen nur eine oberflächliche Lösung geplant sei. Auch wurden Zweifel an der Logistik des Umzugs der Kinder laut, und die Frage aufgeworfen, warum seitens der Gemeinde nicht schon früher entsprechende Maßnahmen getroffen worden sind. Auch die Tatsache, dass der Elternbeirat erst vor einer Woche über die Beauftragung der Gutachter informiert wurde, stieß auf Unverständnis. Das Architekturbüro Fritsch und Tschaidse, damals für den Schulbau zuständig, gab gestern keine Stellungnahme ab, da es über die Vorgänge nicht informiert worden sei.

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