Gutmann sprengt CSU-Vorstandswahl

Planegg - Die CSU Planegg hat einen neuen Vorstand gewählt. Anselm Engelmayer führt künftig den Ortsverband. Für einen denkwürdigen Auftritt sorgte Barbara Gutmann.

Drei Monate nach der neuerlichen Pleite bei den Bürgermeisterwahlen hat sich die CSU Planegg personell neu aufgestellt. Hermann Nafziger, der drei Bürgermeisterwahlen in Folge verloren hatte, verabschiedete sich nach acht Jahren aus dem Vorstand. Im Januar hatte der 50-Jährige noch erwogen, für einen der Stellvertreterposten zu kandidieren, bei der Jahreshauptversammlung am Dienstagabend in der Gaststätte des SV Planegg teilte Nafziger dann aber mit, künftig nur noch als Gemeinderat zu fungieren und sich ansonsten aus der Lokalpolitik zurückzuziehen. Die knappe Niederlage gegen Heinrich Hofmann im Dezember hat den langjährigen CSU-Chef schwer getroffen. Die gut 20 erschienenen Mitglieder spendeten Nafziger nach dessen Abschiedsrede viel Applaus. Zum neuen Vorsitzenden wählte die Versammlung Anselm Engelmayer, Jahrgang 1984. Der Diplom-Betriebswirt ist Chef der Jungen Union und war bereits einer von zwei Vertretern Nafzigers im Vorstand. Künftig gibt es in der Planegger CSU drei stellvertretende Vorsitzende: Gewählt wurden Florian Großelfinger, Gabriele Juranek und Michaela Erdmann - wie von der CSU nicht anders gewohnt unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die größte Überraschung des Abends war allerdings nicht die Wahl Engelmayers, sondern der Auftritt Barbara Gutmanns. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative Martinsried ist zwar Mitglied bei der CSU, allerdings läuft seit Anfang des Jahres gegen sie ein Parteiausschlussverfahren.

Den Entschluss, ein so genanntes Parteiordnungsverfahren mit dem Ziel des Rauswurfs einzuleiten, fasste der Vorstand der Planegger CSU bereits im Dezember 2013 - einstimmig. Zu diesem Zeitpunkt begann gerade der Wahlkampf für die Kommunalwahl im März 2014. In Anzeigen und Flugblättern hatte Gutmann den CSU-Bürgermeisterkandidaten Nafziger wiederholt attackiert, meist in Zusammenhang mit dem Bau einer Umgehungsstraße entlang Martinsrieds. Im Vorfeld der Wahl im Dezember 2014 hatte sich Gutmann in Anzeigen und Flugblättern für den SPD-Kandidaten Hofmann stark gemacht. Ob der damals wenig bekannte SPD-Kandidat auch ohne die massive Wahlhilfe Gutmanns die Stichwahl gewonnen hätte, darf stark bezweifelt werden.

Obwohl Gutmann klar gewesen sein musste, dass ihr bei der Jahreshauptversammlung enorme Antipathie entgegenschlagen würde, ließ sie es sich nicht nehmen, am Dienstagabend zum SVP zu kommen. Den Auftritt Gutmanns quittierten die anwesenden Mitglieder mit abfälligem Ächzen. Während der Versammlung ergriff schließlich ein altgedienter CSUler das Wort und forderte Gutmann unter dem Gejohle und Applaus der Jungen Union auf, den Raum zu verlassen. „Verschwinden Sie!“, durfte sich die BIM-Vorsitzende anhören. Diese, allein an einem Tisch sitzend, machte jedoch keinerlei Anstalten zu gehen und sagte auch sonst kein Wort.

Der CSU-Veteran schlug vor, über den Rauswurf Gutmanns aus der Versammlung per Abstimmung zu entscheiden. Davor warnte schließlich Kerstin Schreyer-Stäblein. Die CSU-Landtagsabgeordnete leitete an diesem Abend die Wahl. Der Urnengang sei unter Umständen anfechtbar, wenn ein ordentliches Mitglied hinausgeworfen werde, sagte Schreyer-Stäblein. So durfte Gutmann bleiben - und beteilige sich ganz nonchalant an der Wahl des neuen CSU-Vorstands.

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