Wolf-Dieter Grote (Hair Team Planegg) und seine Frau Ariela Grote-Pahl (Haar Vision Gräfelfing)  im Salon
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Wolf-Dieter Grote (Hair Team Planegg) und seine Frau Ariela Grote-Pahl (Haar Vision Gräfelfing) haben einen im Namen ihrer Branche einen eindringlichen Hilferuf in Form eines Briefes an Spitzenpolitiker gerichtet.

Friseure im Corona-Lockdown

Hilferuf an Merkel und Söder

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Seit Mitte Dezember müssen Friseure in Bayern geschlossen haben. Das Würmtaler Friseur-Ehepaar Grote hat sich nun mit einem Brief an führende Politiker gewandt und auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Die Regelung sei ungerecht, und es könne so nicht weiter gehen.

Planegg/Gräfelfing – Wie alle Friseure musste Ariela Grote-Pahl ihren Salon „Haar Vision“ in der Gräfelfinger Bahnhofstraße, Wolf-Dieter Grote sein „Hair Team“ in der Planegger Bahnhofstraße Mitte Dezember schließen. „Seitdem können wir nichts machen und wären schon froh, wenn wir wie andere Branchen 20 Prozent des normalen Umsatzes hätten“, sagt Wolf-Dieter Grote im Merkur-Gespräch. Stattdessen liegt der Umsatz der sonst beliebten Friseure bei null Prozent, da sie ja auch nicht die Kunden daheim besuchen dürfen. „Dabei wäre der Bedarf da. Wir werden ständig angerufen, wollen uns aber natürlich an die Regeln halten“, sagt Grote. Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und bis auf gelegentliche Schulungen ebenso wie Grotes zu Hause.

Kredit scheitert an Hausbank

Während des ersten Lockdowns hatte das Paar Soforthilfe sowie einen Überbrückungskredit beantragt. Der Kredit scheiterte an der Hausbank der Würmtaler. Die Soforthilfe mussten die Friseure zurückzahlen, da sich diese aus dem Drei-Monats-Schnitt von März, April und Mai berechnete. Da der Mai nach dem Lockdown sehr gut lief, fielen die Salons trotz des 50-Prozent-Einbruchs im März und der Schließung im April durch das Raster. Während des jetzigen zweiten Lockdowns konnte das Paar die sogenannte „Überbrückungshilfe III“ nicht beantragen, da die Software dafür noch nicht funktioniert. Die Hilfe bezahlt aber ohnehin nur einen Teil der Fixkosten, während etwa Restaurants ja im November 75 Prozent ihrer Einnahmen bekamen. Durch die starken letzten Tage vor Schließung entfiel wieder der Anspruch auf Soforthilfe.

Vom Ersparten leben

„Was uns bleibt, ist, von unserem Ersparten zu leben und dem, was für die Rente gedacht war. Irgendwann wird natürlich der Punkt kommen, wo es existenziell wird“, sagt Wolf-Dieter Grote. Nur durch den sehr guten Sommer konnte das Minus im vergangenen Jahr auf 20 Prozent begrenzt werden.

Hausbesuche untersagt

Was die Friseure wie viele ihrer Kollegen ärgert: „Andere Branchen dürfen nach wie vor geöffnet bleiben, obwohl sie körpernah arbeiten und somit den Mindestabstand nicht einhalten können. Wir können nur zuschauen“, sagt Grote, der das Coronavirus natürlich ernst nimmt und stets genau auf die Einhaltung aller Regeln geachtet hat. An einer Großbaustelle, bei der die Familie fast täglich vorbeifährt, würden Handwerker eng zusammen arbeiten, ohne eine Maske zu tragen. Das selbe gelte für Paketdienste. Grote: „Auf den Straßen geht es zu, als wenn wir keine Einschränkungen hätten. Am Wochenende fahren die Menschen in die Berge und vergnügen sich an übervollen Hängen. Im Fernsehen sehen wir ständig frisch frisierte Moderatoren, Talkshowgäste, Fußballspieler und andere Prominente. Wir dürfen nicht mal Hausbesuche durchführen, aber in der Maske im Fernsehen darf frisiert werden und geschminkt werden – wo ist der Unterschied?“

Wieder-Eröffnung der Salons gefordert

Das Ehepaar hat daher nun einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Olaf Scholz, Wirtschaftsminister Peter Altmaier sowie den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder geschrieben und darin unter anderem die Wieder-Eröffnung ihrer Salons sowie einen angemessenen Ausgleich für die weggefallenen Umsätze gefordert. „Wir sind überzeugt, dass wir durch die strikte Einhaltung aller Regeln nicht zu einem weiteren Infektionsrisiko beitragen – und wenn doch eine Ansteckung geschieht, ist diese sehr leicht nachvollziehbar“, sagt Wolf-Dieter Grote.

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