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Rentner müssen immer genauer auf ihr Geld achten. Auch im vermeintlich wohlhabenden Würmtal.

Altersarmut im Würmtal

Hohe Mieten zwingen Rentner zur Arbeit

In der S-Bahn Fahrgäste zählen oder im Supermarkt Regale auffüllen. Auch im Würmtal sind immer mehr Rentner auf zusätzlichen Verdienst angewiesen.

Würmtal – Die Altersarmut greift weiter um sich. Neueste Zahlen zeigen, dass in Deutschland fast eine Million Rentner ihr Einkommen mit einem Minijob aufbessern. „Das ist bei uns auf jeden Fall ein Thema“, sagt Adolf Storch, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Krailling-Pentenried. Um über die Runden zu kommen, müssten immer mehr Rentner stundenweise jobben und beispielsweise Zeitungen austragen oder Regale im Discounter auffüllen. Der monatliche Verdienst beträgt dabei maximal 450 Euro.

Laut Storch sind in seiner Ortsgruppe, der rund 300 Mitglieder angehören, etliche Frauen betroffen. Dies liege unter anderem daran, dass sie meistens weniger Rente bekommen als Männer. Verantwortlich dafür sind kürzere Beitragszeiten und niedrigere Löhne. Besonders schlimm treffe es die, die mit ihrem Partner nicht verheiratet gewesen seien. Nach dem Tod des Mannes hätten sie keinen Anspruch auf Witwenrente.

Als Hauptgrund für die Altersarmut führt Adolf Storch die hohen Mieten an. Die bundesdeutsche Durchschnittsrente beträgt derzeit 973 Euro, bei einem Mietpreis von 600 Euro bleibe zum Leben nicht mehr viel übrig. Laut Adolf Storch müssten viele Mitglieder auf Ausflüge verzichten, weil sie sich die Busfahrten oder Führungen nicht mehr leisten können. „Wenn man zum Essen geht, ist man schnell mit 20 bis 30 Euro dabei.“ Für Menschen, die nur eine Minirente hätten, sei das sehr viel Geld.

Weil sie sich das Leben im Würmtal und Umgebung nicht mehr leisten können, seien manche bereits nach Niederbayern gezogen. Dort ist der Lebensunterhalt günstiger. „Allerdings muss man sich dann erst wieder einen neuen Bekanntenkreis aufbauen“, gibt Storch zu bedenken.

Auch Peter Kirschning, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Planegg-Gräfelfing, bekommt immer öfter zu hören, dass die kargen Renten nicht mehr zum Leben ausreichen. Ohne Nebenerwerb könnten viele nicht mehr existieren. Deshalb hätten manche in seiner Ortsgruppe sogar mehrere Minijobs angenommen, tragen Zeitungen aus und sitzen zusätzlich im Supermarkt an der Kasse. „Vielen tut das richtig gut, sie werden wieder aktiver und kommen aus ihrer Lethargie raus.“ Bei vielen Senioren löse es Unzufriedenheit aus, dass sie trotz jahrzehntelanger Arbeit nur eine spärliche Rente bekämen. Das sei für sie ein Ansporn, ihre eigene Situation zu überprüfen und zu überlegen, was sie selbst zu deren Verbesserung beitragen können.

Um die Betroffenen zu unterstützen, bietet der VdK Planegg-Gräfelfing regelmäßig Beratungen an und überprüft, ob die Rente an die jeweilige Situation angepasst ist. Kirschning: „Oft bekommen die Leute erst durch unser Einschreiten das, was ihnen zusteht.“

Auch Karin Wolf, Seniorenbeauftragte der Gemeinde Krailling und seit über zehn Jahren aktiv in der Lokomotive, einem dem Sozialnetz Würmtal-Insel angeschlossenen Arbeitskreis für Senioren, spricht von „versteckter Armut“ bei älteren Menschen: „Die arbeiten, um die Lebenshaltungskosten aufbringen zu können.“ Wolf, die sich auch beim Würmtal-Tisch engagiert, der einmal wöchentlich gespendete oder mit Spenden finanzierte Lebensmittel an Menschen mit geringem Einkommen austeilt, macht auch unter den dortigen Kunden etliche Rentner aus.

Karin Priehler & Nicole Kalenda

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