Frau von hinten im Homeoffice am Computer
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Arbeiten von zu Hause aus ist für viele Würmtaler Angestellte seit Monaten Alltag.

Würmtaler Unternehmen bemühen sich nach Kräften

Homeoffice: Spielraum oft schon ausgereizt

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bis Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts: Politiker wie Wissenschaftler rufen die Arbeitgeber dazu auf, mehr Homeoffice zu ermöglichen. In manchem Würmtaler Unternehmen ist der Spielraum bereits ausgereizt.

Würmtal – Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren und alle anderen Corona-Regeln haben die Zahl der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 nicht im notwendigen Maß senken können. Weil das Privatleben sich kaum weiter einschränken lässt, bleiben der öffentliche Nah- und Fernverkehr sowie der Arbeitsplatz, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

Der Stockdorfer Automobilzulieferer Webasto ließ bereits vor knapp einem Jahr die Mitarbeiter an seinem Stockdorfer Stammsitz phasenweise komplett ins Homeoffice wechseln. Die Firmenzentrale wurde vorübergehend geschlossen, nachdem eine Mitarbeiterin vom Unternehmensstandort Shanghai das Coronavirus nach Stockdorf gebracht hatte. Die IT-Abteilung habe sehr schnell die Infrastruktur weiter ausgebaut und die Kapazitäten der Netzwerke erweitert, sagt Webasto-Sprecherin Susanne Killian. „In den letzten Monaten haben wir einige neue Tools eingeführt, die den virtuellen Austausch unterstützen“, so Killian. Da in Stockdorf nicht produziert wird, können 85 Prozent der 1200 Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Sie stimmten sich auf dem kurzen Dienstweg mit ihrem Vorgesetzten und den Kollegen ab. Killian: „Wir gehen davon aus, dass etwa 85 Prozent derzeit mobil arbeiten.“

Philip Morris: Seit März „Working from Home“

Am deutschen Hauptsitz des Tabakkonzerns Philip Morris gibt es 700 Angestellte, rund 38 Prozent arbeiten im Außendienst. „Wir betreiben als gesamtes Unternehmen bereits seit Mitte März 2020 ,Working from Home’“, sagt Unternehmenssprecherin Michaela Král’ovská. „Unser Außendienst arbeitet in der aktuellen Situation nahezu vollständig online und führt Beratungs- und Verkaufsgespräche mit den Händlern entweder digital oder telefonisch durch.“ Im Schnitt seien nicht mehr als zwölf Prozent der Belegschaft im Büro. Teils hielten sie die Stellung, um logistische und organisatorische Aufgaben zu arrangieren, teil erlaubten es ihre persönlichen Lebensumstände nicht, von zu Hause aus zu arbeiten.

Der Pharmagroßhandel Sanacorp unterhält an seinem Standort Planegg sowohl eine betriebliche Niederlassung als auch die Hauptverwaltung. Insgesamt sind dort 350 Personen tätig. Mobiles Arbeiten in der Niederlassung „ist so gut wie nicht möglich, da es sich hier um eine physische Tätigkeit vor Ort handelt. Sprich: Lagertätigkeiten können nicht im Homeoffice erledigt werden, da die Apotheken mit den benötigten Arzneimitteln beliefert werden müssen“, sagt Firmensprecher Norman Keil. Für die Hauptverwaltung gebe es keine generelle Homeoffice-Verordnung. „Jeder Mitarbeiter, der es wünscht und dessen Tätigkeit auch von zu Hause aus durchführbar ist, kann sich ins Homeoffice begeben.“ In der Praxis habe es sich bewährt, dass sich die Kollegen in rollierenden Schichtmodellen abwechseln.

Hinderungsgrund Datenschutz

Diese haben auch in der Neurieder Gemeindeverwaltung Einzug gehalten. Knapp die Hälfte der rund 50 Mitarbeiter, so Sprecherin Inke Franzen, arbeite von zu Hause aus. „Man hat sich damit weitgehend arrangiert und sieht die Notwendigkeit ein. Generell ist die Akzeptanz besser geworden.“ Franzen selbst kommt zweimal pro Woche in die Verwaltung. Die sieben Mitarbeiter der Kämmerei und Kämmerer Roland Zürnstein hingegen könnten aus Datenschutzgründen kaum mobil arbeiten.

„Bei uns ist Homeoffice nur ganz beschränkt möglich“, sagt Markus Wahl, Geschäftsführer der Gräfelfinger Bernhard Glück Kies-Sand-Hartsteinsplitt GmbH. 200 Angestellte zählt das Unternehmen in Gräfelfing und Planegg, von zu Hause aus arbeiten könnten lediglich die 15 Mitarbeiter der Buchhaltung.

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