Emotionalisiert: Die Atmosphäre in der voll besetzten Martinsrieder Grundschule-Turnhalle war hitzig. fotos: jürgen sauer

"Ich bin erschrocken"

Planegg - In teils aggressiver Atmosphäre fand am Mittwoch in der Turnhalle Martinsried der Infoabend der Gemeinde Planegg zum Thema Asylbewerberheime statt.

Viele Bürger äußerten dabei massive Kritik an dem Standort im Parc de Meylan. Bürgermeister Heinrich Hofmann verteidigte die Entscheidung des Gemeinderats. Kein anderes Thema hat in den vergangenen Jahren so viele Bürger mobilisiert: Knapp 500 Menschen strömten am Mittwochabend in die Turnhalle der Grundschule Martinsried, um sich von Bürgermeister Heinrich Hofmann über die geplanten Asylbewerberunterkünfte am Planegger Friedhof und im Parc de Meylan informieren zu lassen. Auch Ernst Weidenbusch hatte sich angesagt, denn das Landratsamt bezahlt und baut die vier geplanten Häuser für je 24 Personen. Der stellvertretende Landrat musste jedoch kurzfristig absagen. So war es Hofmann vorbehalten, die Besucher ins Bilde zu setzen.

Bis Ende des Jahres sollen die Holz-Häuser im Park und am Friedhof errichtet sein und dann insgesamt 98 Personen, vorwiegend Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, als neues Zuhause dienen. Hofmann berichtete, warum der Gemeinderat im Herbst die beiden Flächen ausgewählt hatte. Vor allem eine rasche Bebaubarkeit sei Kriterium gewesen. Bei einer Verzögerung würde Planegg die Inbeschlagnahme der Turnhallen durch das Landratsamt drohen, warnte der Bürgermeister. Die Flüchtlinge werden Ende des Jahres eintreffen und erhalten professionelle Betreuung. Sorgen, dass es Probleme mit den Gästen geben könnte, suchte Hofmann zu zerstreuen. „Als ich neulich Kollegen aus Bayern traf, berichtete keiner von auffälligen, ärgerlichen oder gar strafrechtlich relevanten Ereignissen mit Flüchtlingen.“ Der Bürgermeister bat die Zuhörer um „Mitmenschlichkeit“ und „Solidarität“.

Herbert Veit stimmte Hofmann zu. „Es gibt bislang keine Konflikte oder Kriminalität“, so der Sprecher des Würmtaler Asylhelferkreises, der 80 Flüchtlinge unter seinen Fittichen hat. Dies sei mit den Asylbewerbern zu Zeiten des Jugoslawienkriegs anders gewesen. 40 Ehrenamtliche engagieren sich beim Helferkreis, „dass nun so viele dazu kommen, macht mir schon Sorgen“, räumte Veit ein, da man den hervorragenden 1:2-Betreuungsschlüssel nicht mehr aufrechterhalten könne. „Wir vertrauen aber darauf, dass wir diesen Menschen auch künftig genug Hilfe entgegenbringen können.“

Im Anschluss waren die Bürger zu Wortbeiträgen eingeladen. Judith Grimme warf der Gemeinde vor, dieses „prekäre Thema klammheimlich“ im Gemeinderat abgesegnet zu haben. Sie forderte unter großem Applaus einen alternativen Standort für das im Parc de Meylan geplante Heim und übergab eine Liste mit 328 Unterschriften an Bürgermeister Hofmann. Dieser verwies darauf, dass nur rund 3000 von über 20 000 m2 des Parks für die beiden Asylbewerberheime genutzt würden.

Mehrere Bürger kritisierten, dass die Gemeinde die Grünfläche am Wertstoffhof unter Verweis auf den dortigen Artenreichtum ausgeschlossen hatte. „Werden die Frösche den Martinsrieder Familien vorgezogen?“, schimpfte eine Bürgerin. Ein weiterer Redner sprach von „Mauscheleien hinter verschlossenen Türen“ und warf Hofmann „Arroganz“ vor. Der Bürgermeister ließ daraufhin das Mikro abschalten.

Großen Applaus erhielt eine Rednerin, die sich für den Standort im Park aussprach. „Welche Werte vermitteln wir unseren Kindern, wenn ein kleiner Bolzplatz wichtiger ist als Menschen in Not? Ich bin erschrocken.“

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