Wieder knapp: der Biontech-Impfstoff Comirnaty.
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Wieder knapp: der Biontech-Impfstoff Comirnaty.

Nur noch 938 Biontech-Dosen im Landkreis München vorrätig

Corona: Impfstoff wird knapp

  • Nicole Kalenda
    VonNicole Kalenda
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Das Corona-Impfzentrum Planegg bleibt Geschichte. Auch wenn Landrat Christoph Göbel mit einer starken Zunahme der Nachfrage rechnet, wird es nicht wieder aufgebaut. Das Landratsamt prüft Pop-up-Impfstationen und setzt auf Gemeinde-Impftage. Doch es fehlt an Impfstoff.

Würmtal – 27 Kommunen im Landkreis München haben sich für die Gemeinde-Impftage angemeldet. Start ist am Montag, 15. November, in Neuried. Am Tag darauf macht der Impfbus in Planegg Station und am Mittwoch in Gräfelfing. Das ist die Planung, doch ob tatsächlich gegen Covid-19 geimpft werden kann, war am Donnerstag offen. Im Pressegespräch erklärte Christoph Göbel: „Der Impfstoff geht aus. Sowohl über Apotheken, als auch die staatliche Versorgungsschiene erhalten wir viel zu wenig.“ Am Donnerstag standen noch 918 Biontech-Dosen zur Verfügung, am Montag sollen 900 Dosen kommen, wieder eine Woche später sind 3000 angekündigt. Das reicht nicht, um der Aufforderung der Bayerischen Staatsregierung nachzukommen, jede Woche von Montag bis Freitag rund 2000 Auffrischungsimpfungen pro 100 000 Einwohner zu bewerkstelligen. Im Landkreis München mit seinen 350 000 Einwohnern bedeutet dies 1400 Injektionen pro Tag.

Landrat Göbel sieht Bund und Land in der Pflicht

„Wenn nichts nachgeschoben wird, wird’s kritisch“, so Göbel. Auch die 2200 Dosen Moderna-Impfstoff, die vorrätig sind, helfen kaum weiter, zumal die Ständige Impfkommission inzwischen unter 30-Jährigen nur noch das Biontech-Vakzin empfiehlt. Und die 45 Dosen Johnson und Johnson sind nicht der Rede wert. Einen nachvollziehbaren Grund für den Mangel konnte Göbel nicht erkennen: „Vor einem halben Jahr war das noch erklärbar. Jetzt ist es definitiv nicht mehr erklärbar. Das war monatelang absehbar. Ich habe dafür kein Verständnis. Wir brauchen den Impfstoff. Ich erwarte, dass uns Bund und Land damit versorgen.“

Ines Neupert, im Landratsamt zuständig fürs einzig noch verbliebene Impfzentrum in Haar und dessen mobile Teams, sagte: „Wir werden alles daran setzen, dass die Gemeinde-Impftage stattfinden können.“ Sie stellte in Aussicht, dass notfalls die Kapazitäten in Haar gedrosselt würden. Die wurden allerdings gerade erst auf 800 Dosen pro Tag erhöht. Inzwischen liegt auch die staatliche Erlaubnis vor, ab 17. November 1000 Impfungen pro Tag vorzunehmen, und 1400 sind bereits angefragt.

„Kliniken beginnen, planbare Operationen zu verschieben“

Dass die Staatsregierung mittlerweile auf flächendeckende Impfbooster setzt, „wird uns eine erhebliche Dynamik im Impfgeschehen bescheren“, so Göbel. „Wenn die Infrastruktur passt.“ Der Landrat erinnerte daran, dass die Impfzentren in Planegg, Unterschleißheim und Oberhaching auf Weisung des Freistaats geschlossen wurden. „Wir hätten uns anders entschieden.“ Die Zentren seien „nicht ohne Weiteres wieder aufzubauen“. Man suche „nach Möglichkeiten, wenn es sein muss und die Kosten uns erstattet werden, weitere stationäre Impfmöglichkeiten“ einzurichten, etwa sogenannte Pop-up-Impfzentren wie für kurze Zeit fest angemietete Räume oder Drive-through-Stationen.

„Im Rettungszweckverband München herrscht seit einigen Tagen eine angespannte Situation. Die Kliniken beginnen, planbare Operationen zu verschieben“, sagte Göbel. „Wir beobachten, dass es zahlreiche nicht geimpfte Patienten gibt, die in die Klinik müssen.“ Im Landkreis seien in den vergangenen sieben Tagen fünf Covid-19-Erkrankte hospitalisiert worden. Noch habe man nicht darauf zurückgegriffen wie vor einem Jahr Beatmungsplätze in der Gräfelfinger Wolfart-Klinik oder der Urologischen Klinik in Planegg vorzuhalten. Göbels unermüdlicher Appell: „Nichts hilft so sehr wie Impfen. Nur dann wird das Nadelöhr der stationären Versorgung geweitet.“

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