Warten auf Günter Weyh

Eigentümer blockiert Jahnplatz-Sanierung

Gräfelfing - Alle warten auf Günter Weyh: Gemeinde, Einzelhandelsketten, Architekt. Was fehlt, ist der Startschuss vom größten Privateigentümer. Jetzt könnte es bald so weit sein.

Vor gut zehn Jahren rückten Bagger am Postgrundstück an, das den Lochhamer Jahnplatz im Norden abschließt. Sie rissen das Gebäude der alten Post ab, räumten den Schutt weg und hoben eine Baugrube aus. Dann übernahm die Natur. Inzwischen haben ranke Birken die Baugrube zum Biotop gemacht: das berüchtigte Loch von Lochham.

Dass es nicht weiter ging, lag freilich über Jahre nicht nur am Eigentümer, sondern auch an der Gemeinde: Sie tat sich schwer, den alten Bebauungsplan, der anerkannt untauglich ist, in modernes Baurecht zu überführen, das sowohl den gemeindlichen Ansprüchen an die Platzgestaltung und -funktionalität, als auch den wirtschaftlichen Wünschen und Erfordernissen des größten privaten Eigentümers gerecht würde. Günter Weyh (73), der in Laim wohnt, gehört nämlich nicht nur das brache Post-grundstück, sondern auch die angrenzende Immobilie, die den Tengelmann beherbergt. Mit anderen Worten: Ohne Günter Weyh geht am Jahnplatz nichts. Jedenfalls nichts Sinnvolles.

Inzwischen ist man einen Schritt weiter. Vor einem Jahr einigte sich eine Ratsmehrheit auf einen Rahmenplan für den Jahnplatz. Wichtiger noch: Diesen Plan mit dem darin enthaltenen Baurecht akzeptierten auch Günter Weyh und sein Architekt, der Gräfelfinger Jobst von Schirnding. Der gibt im Merkur-Gespräch zu: „Die Gemeinde hat sich zu einer grundsätzlichen Aussage durchgerungen, und das ist positiv. Jetzt ist Herr Weyh am Zug.“

Der lässt sich allerdings weiterhin Zeit. Vordergründig verzögerte lange der Übernahmeversuch von Edeka und Tengelmann die Entscheidung; doch der ist seit dem Sommer vom Tisch. Zugleich soll Günter Weyh derzeit gesundheitlich stark angeschlagen sein. Wie dem auch sei: „Es geht so nicht weiter; auch ich bin in einer blöden Situation“, sagt von Schirnding, der das Projekt im Auftrag von Günter Weyh seit 2004 betreut.

Er weiß, dass die Zeit drängt – mehr noch auf Seiten seines Auftraggebers als bei der Gemeinde. Denn 2016 läuft der Mietvertrag mit Tengelmann aus, und schon jetzt ist ein hoher Mietausfall unvermeidlich. Die Vorläufe für neue Verträge, Detailplanungen und Ausschreibungen werden viele Monate kosten, der Neubau selbst rund anderthalb Jahre. Jobst von Schirnding: „Es muss bald etwas geschehen, sonst wird der Mietausfall noch größer.“

Deshalb suchte der Architekt Günter Weyh vor wenigen Tagen auf. Ergebnis: Der Eigentümer versprach, das Thema zeitnah im Familienrat zu erörtern. Der Architekt verließ den Bauherrn jedenfalls mit der Überzeugung: „Er steht noch hinter dem Projekt und will es angehen.“

Inzwischen liegen auf Günter Weyhs Tisch zwei Vorverträge für den geplanten großen Einzelhändler: Einer mit Tengelmann/Edeka, einer mit einem Mitbewerber. Auch sie drängen auf eine Entscheidung, und der Architekt muss sie vertrösten, wie er es auch mit Bürgermeisterin Uta Wüst tut. Sollte der Eigentümer sich indes ganz anders entscheiden, von einem Bau absehen und die Grundstücke veräußern, ist die Gemeinde zur Stelle: Der Gemeinderat sicherte sich am Dienstag das besondere Vorkaufsrecht.

Martin Schullerus

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