„Wenn die erste Generation nicht mehr kommt, müssen die Kinder und Enkel weitermachen“: Organisator Friedrich Schreiber spricht am Mahnmal in Planegg zu den Teilnehmern. Foto: js

Vor 70 Jahren Todesmarsch durchs Würmtal

Würmtal - Würmtaler aller Generationen haben beim Gedenkzug den Überlebenden gelobt, die Erinnerung wach zu halten.

„Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder kann etwas dazu tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“ Dies war der Leitspruch des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, der maßgeblich am Zustandekommen der Auschwitz-Prozesse beteiligt war. Als der Würmtaler Gedenkzug am Samstagnachmittag am Kraillinger Pilgrim-Denkmal Station machte, erinnerte 2. Bürgermeister Peter Weigert an die Worte des streitbaren Juristen, der einst selbst von den Nazis inhaftiert worden war.

„Man mag es kaum glauben, was Menschen Menschen antun können“, fügte Weigert hinzu. Gerade deshalb habe er absolute Hochachtung vor den vier KZ-Überlebenden, die trotz ihres hohen Alters gekommen waren, um an „den Marsch des Grauens“ zu erinnern. Hochachtung, die am Samstag alle Beteiligten den Leidensbrüdern Max Volpert, Karl Rom, Jehuda Beilis und Zwi Katz zollten. Trotz ihres hohen Alters und teils beschwerlicher Anreise hatten sie es sich nicht nehmen lassen, den Würmtaler Gedenkzug zu begleiten.

Aber diesmal war es auch ein ganz besonderer Gang der Erinnerung. Denn vor genau 70 Jahren, am 2. Mai 1945, wurden die letzten Häftlinge von amerikanischen Truppen befreit. Am 26. und 27. April marschierten etwa 10 000 KZ-Häftlinge in drei Kolonnen durch die Würmtal-Gemeinden Gräfelfing, Planegg, Krailling und Gauting in Richtung Alpen. Sie kamen aus dem KZ Dachau sowie aus seinen Außenlagern Kaufering und Allach. Bittere Bilanz: Von insgesamt 23 000 Häftlingen überlebte nur die Hälfte. „Trotzdem sind die Überlebenden und ihre Kinder und Enkel zu uns gekommen und haben uns die Hand gereicht“, betonte Friedrich Schreiber. Als Initiator und Organisator des alljährlichen Gedenkzuges durchs Würmtal erinnerte er die Teilnehmer, die so zahlreich wie noch nie gekommen waren, wie wichtig es sei, eine Brücke zur dritten Generation zu schlagen. „Wenn die erste Generation nicht mehr kommt, müssen die Kinder und Enkel weitermachen.“

Todesmarsch vor 70 Jahren: Würmtaler Gedenkzug

An allen vier Mahnmalen im Würmtal kamen deshalb auch Vertreter der Gymnasien und der Gautinger Zweckverbands-Realschule zu Wort. Sie ehrten die Überlebenden und gelobten, die Erinnerung weiter zu pflegen. Auch Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann dankte den Überlebenden und deren Familien, dass sie den weiten Weg auf sich genommen hatten. In seiner Rede schilderte er eindrucksvoll die Erlebnisse seiner Mutter, die damals - selbst noch ein Kind - den Häftlingszug durch Planegg erlebt hatte. „Sie hat noch lange an die dumpfen Klänge der Holzschuhe denken müssen.“ Worte, die in den Anwesenden nachklangen, als Kinder und Erwachsene der örtlichen Musikschule und des Chors St. Elisabeth das „Lied über die Prophetin Mirjam“ vortrugen. Diese hatte laut Altem Testament einen Freudentanz aufgeführt, weil ihr Volk gerettet wurde.

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