„Da können wir Blaulicht und Sirene ausschalten und zuschauen“: Die Feuerwehrausfahrt in die Bahnhofstraße blockiert ein Bus, der genau gegenüber seine Station hat. Foto: höfle

Jede Engstelle kostet Zeit

Gräfelfing - Die Gräfelfinger Feuerwehr appelliert seit Jahren an die Kommunalpolitik, den Verkehrsfluss im Ort nicht weiter einzuschränken. Nun erhalten die Retter Unterstützung im Gemeinderat.

Straßensanierung, das bedeutet in Gräfelfing meistens nicht nur eine neue Teerdecke, sondern eine möglichst verschmälerte Fahrbahn, den Einbau von Verkehrsinseln, Verschwenkungen und Vorsprüngen. Die Gemeinde trägt damit dem Wunsch der Anlieger Rechnung, den Verkehr abzubremsen. Das bedeutet mehr Ruhe und mehr Sicherheit. Auf den ersten Blick jedenfalls. Markus Fuchs, Kommandant der Gräfelfinger Feuerwehr, findet, dass gerade die Sicherheit auf der Strecke bleibt - buchstäblich. Er sagt: „Entschleunigung ist für viele Bürger sehr schön, für die Feuerwehr kann sie zur Katastrophe führen.“

Denn jede Insel, jeder Schwenk, jede Engstelle kostet Zeit. „Jede Maßnahme für sich gesehen ist nicht dramatisch“, sagt Fuchs. „Aber in der Summe sprechen wir nicht mehr von Sekunden, sondern von Minuten. Und wenn man auf die Retter wartet, sind zwei Minuten verdammt lang.“

So geschehen vor einigen Tagen, als die Feuerwehr eine gehbehinderte Seniorin aus ihrer brennenden Wohnung in der Röntgenstraße rettete. Markus Fuchs: „Wir haben sechs Minuten gebraucht. Das kann schon eine Minute zu viel sein.“

Das Elend bei jeder Alarmierung geht für die Feuerwehrmänner und -frauen schon los, wenn sie mit ihrem Privatauto von zu Hause oder dem Arbeitsplatz zur Wache rasen müssen. Markus Fuchs: „Straßen wie die Bahnhofstraße sind nicht besonders verkehrstüchtig.“ Sind die Helfer angekommen und umgezogen, stockt die Fahrt zum Einsatz manchmal noch auf dem Feuerwehr-Gelände: Direkt vor der Ausfahrt in die Bahnhofstraße gibt es eine Busstation. Steht dort ein Bus, können die Feuerwehr-Lkw nicht in die Bahnhofstraße einbiegen. Hinter dem Bus stauen sich die Autos. Bis Bus und Stau weg sind, verstreichen gerne 20 bis 30 Sekunden. Fuchs: „Da können wir Blaulicht und Sirene ausmachen und zuschauen, während es am Einsatzort brennt.“

Zu den künstlich errichteten baulichen Hürden kommt in engen Wohnstraßen häufig die Unsitte, die Autos seitenversetzt so eng zu parken, dass ein Personenwagen sich gerade noch durchschlängeln kann. Markus Fuchs: „Die Feuerwehr-Drehleiter oder der Rüstwagen kommen da überhaupt nicht durch.“

Insgesamt beobachtet der Kommandant: „Die Verkehrsdichte nimmt zu, der Verkehrsfluss nimmt ab.“ Für zukünftige Straßenbaumaßnahmen bittet Fuchs um mehr Augenmaß, etwa wenn er an die anstehende Sanierung der Rottenbucher Straße denkt. Fuchs: „Die Rottenbucher Straße ist unsere ganz wichtige Verbindung nach Lochham. Dort müssen wir problemlos fahren können.“

Bei Elisabeth Breiter, der Bauamtsleiterin im Gräfelfinger Rathaus, rennt die Feuerwehr mit diesem Wunsch offene Türen ein. „Beispiele wie Friedenstraße oder Aubinger Straße zeigen, dass zu wenig auf den Verkehrsfluss geachtet wird“, sagt Breiter. Zumal die Autos immer breiter werden. „Um das typische Gräfelfinger Auto unterzubringen, gehen wir bei den Längsparkplätzen inzwischen von zwei auf 2,20 Meter Breite.“ Dieser Platz fehlt wiederum bei der Fahrbahnbreite. Elisabeth Breiter resigniert: „Ich habe es nicht zu entscheiden.“

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