Mildes Urteil

Junger Angeklagter zeigt sich einsichtig

Aus Reue kommt ein 19-jähriger Gautinger glimpflich davon. Das Amtsgericht Starnberg verhängte im Fall des versuchten Betrugs jetzt Beratungsstunden.

Gauting – Aus einer Leistungserschleichung wurde ein am Starnberger Amtsgericht angeklagter Fall von versuchtem Betrug: Ein 19-jähriger Lehrling aus Gauting war im Februar in einem Regionalzug zwischen Moosach und München-Hauptbahnhof ohne gültigen Fahrschein erwischt worden (Schaden 2,70 Euro) und hatte gegenüber den Kontrolleuren falsche Personalien angegeben – ein Betrugsversuch, der durch die Bundespolizei damals sofort entdeckt worden war.

„Ich war im Zug eingeschlafen, die haben mich geweckt. Ich hatte meine Geldbörse samt Monatskarte verloren“, schilderte der Lehrling das Geschehen. Weil er danach erneut eine S-Bahn bestiegen hatte, dort abermals eingeschlafen und diesmal am S-Bahn-Haltepunkt Flughafen kontrolliert worden war, kommt noch ein weiteres Verfahren auf ihn zu. „War ’ne Kurzschlussreaktion, ich habe einfach falsch reagiert“, kommentierte der damals Obdachlose die falschen Personalangaben. Die abhanden gekommene Monatskarte konnte er dem Gericht immerhin vorlegen, da die Geldbörse bei einer Polizeidiensstelle abgegeben worden war.

Die Jugendgerichtshilfe berichtete von schwierigen familiären Verhältnissen bei dem Lehrling. Dieser sei am 18. Geburtstag bei der geschiedenen Mutter daheim rausgeflogen, habe auch danach keinen Boden unter die Füße gekriegt, sei nun aber bei einer Tante untergekommen und mit der Lehre auf einem guten Weg. „Ich bin eigentlich ganz nett und ehrlich“, brach es aus dem Angeklagten hervor, „aber ich habe einfach den Eindruck, ich mache alles falsch“.

Derlei Reumütigkeit beeindruckte auch Richter Ralf Jehle: Auf Anregung der Jugendgerichtshelferin wurden fünf Beratungsstunden verhängt, die dem Gautinger bei der Beantwortung der Frage helfen sollen, wie es weitergeht.

ty

Rubriklistenbild: © Symbolbild: picture alliance / dpa

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