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Die männlichen Erzieher der Gräfelfinger Betreuungseinrichtungen: (unten v.li.) Jakob Reicherzer, Manuel Stuhldreer, Karsten Wagner mit Leiterin Stefanie Bach, (mittlere Reihe v. li.) Gemeinde-Geschäftsleiter Ulrich Seyfferth und Stefan Lesnik sowie (oben v.li.) Ronny Liebig und Karl Moser.

"Jungs"-Projekt lebt in Gräfelfing neu auf

Männliche Erzieher wirken wie Magneten

Männer in Kindertagesstätten gelten noch als Exoten. Die Gemeinde Gräfelfing sieht sich in einer Vorreiterrolle: Seit September arbeiten sechs Erzieher für sie.

Mit sechs von 44 pädagogischen Mitarbeitern im Hort in Lochham, dem Hort im Alten Rathaus und den drei Kindergärten sei es eine überdurchschnittliche Quote, findet Ulrich Seyfferth, Geschäftsleiter der Gemeinde Gräfelfing. Das entspricht einem Anteil männlicher Beschäftigter von knapp 14 Prozent. Im Landkreis München lag dieser 2015 bei 5,5 Prozent.

Schon vor zwei Jahren initiierte die Gemeinde ein Projekt „Jungs“ mit Vorträgen und speziellen „Väterabenden“, um bewusst auch mal die Rolle des Vaters im Verhältnis zu seinen Kindern zu beleuchten. Dieses Projekt soll mit den sechs Erziehern an Bord wieder Fahrt aufnehmen. Deshalb gab es jetzt ein erstes Treffen.

„Jungs brauchen einfach eine andere Behandlung als Mädchen“, weiß Geschäftsleiter Seyfferth. „Sie wollen toben, Fußball spielen oder auch mal eine richtige Kissenschlacht veranstalten. Und das kommt leider oft zu kurz.“ Die Erzieher konnten bei dieser ersten Zusammenkunft Vorschläge für Aktionen und Veranstaltungen machen, die sie aus „männlicher Sicht“ für die Buben gut finden – wobei Mädchen nicht ausgeschlossen werden.

Stefan Lesnik, Erzieher im Lochhamer Hort, hatte bereits eine konkrete Idee. Er möchte im November ein Elterncafé installieren. „Dort kann man mit mehr Zeit und Ruhe auf Erziehungsfragen eingehen“, erhofft sich Stefan Lesnik. Auch Waldprojekte mit Geocaching, eine Art elektronischer Schnitzeljagd, könne er sich gut vorstellen. Die männlichen Pädagogen wissen selbst um ihre „exotische“ Stellung, mögen sie aber auch, wie sie sagen. „Wir sind richtige Magneten. Die Kinder kleben regelrecht an einem dran“, erzählt Lesnik, der früher als Heilerziehungspfleger gearbeitet hat.

Die Eltern dagegen schwankten zu Beginn zwischen Neugier und Zweifel. „Die Väter kamen extra zum Abholen, um zu sehen, wer sich denn jetzt da um ihre Kinder kümmert“, erinnerte sich Erzieher Lesnik. Gleich das erste Treffen des „Jungs“-Projekts hat einige gute Ideen hervorgebracht: Von Selbstverteidigungskursen, Schnitz-Werkstätten bis hin zur Aktion „Wir bauen ein echtes Auto auseinander“. Das erste gemeinschaftliche Projekt aller Betreuungseinrichtungen Gräfelfings läuft sofort an. Ulrich Seyfferth: „Wir möchten mit den Vätern und Söhnen alte Waschmaschinen zerlegen und die Waschtrommeln dann zu Feuerschalen für den Martinsumzug im November umfunktionieren.“

Carolin Högel

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