Kampf gegen Pfusch am Bau

Würmtal - Bei Auftragsvergaben müssen Gemeinden das „wirtschaftlichste Angebot" annehmen. Bundesbauminister Alexander Dobrindt will das ändern.

Man muss nicht den Hauptstadt-Flughafen BER bemühen, um Kosten- und Qualitätsprobleme bei öffentlichen Bauprojekten zu belegen. Jeder kommunale Bauamtsleiter im Würmtal kennt aus eigener unliebsamer Erfahrung die Nachteile, die sich aus der Verpflichtung ergeben, bei Auftragsvergabe das „wirtschaftlichste Angebot" annehmen zu müssen. Geht es nach Bundesbauminister Alexander Dobrindt, soll damit bald Schluss sein.

In Dobrindts Auftrag arbeiten derzeit Experten daran, die Vergabepraxis zu ändern. „Der Preis allein darf kein Ausschlusskriterium sein“, so der CSU-Minister. „Bauprojekte sollen künftig an den qualitativ Besten vergeben werden - und nicht an den vermeintlich Billigsten.“

Die Bauamtschefs in den Würmtaler Rathäusern begrüßen den Vorstoß grundsätzlich. „Ich finde den Ansatz nicht schlecht“, sagt Elisabeth Breiter, Bauamtsleiterin in Gräfelfing. Sie denkt an den Feuerwehr-Turm, an dem noch vier Jahre nach Fertigstellung Nachbesserungen zu machen waren. Rostfreier Stahl, der umgehend vor sich hin rostete, war nur eine der Schlampereien, die sich die ostdeutsche Firma erlaubte, die das billigste Angebot abgegeben hatte. Eine andere Firma ging pleite, bevor sie die Fassade des neuen Volksschul-Gebäudes in Lochham fertigstellen konnte.

Trotzdem sieht Elisabeth Breiter eine Lockerung im Vergaberecht als „juristisch schwierig“ an. Breiter: „Da sehe ich Prozesse auf mich zu kommen. Wie werte ich die Qualität, die Termintreue oder die Neigung einer Firma, Nachträge zu fordern, im Voraus?“ Da brauche das Bauamt juristischen Beistand.

Für Richard Richter wäre das Schweizer Modell eine gute Idee, grundsätzlich nicht den billigsten, sondern den zweitbilligsten Anbieter zu nehmen. Damit wäre hemmungslosem Dumping mit entsprechenden Folgeproblemen ein Riegel vorgeschoben, sagt der Planegger Bauamtsleiter. „Oft wissen wir ja schon vorher, dass wir mit einer Firma nur Ärger haben werden, können es aber nicht juristisch wasserfest begründen.“

Dagmar Hasler, die das Neurieder Bauamt leitet, sieht eine Aufweichung des Vergaberechts mit gemischten Gefühlen. Hasler: „Es müssten sehr verbindliche Kriterien definiert werden, um Korruption auszuschließen.“ Zudem dürfe es nicht dazu kommen, dass über eine Firma dauerhaft der Stab gebrochen wird, nur weil sie bei einer Baustelle einmal Pech hatte. Hasler: „Es gibt Baustellen, da ist einfach der Teufel drin.“Dabei blieb auch Neuried vor extrem unliebsamen Erfahrungen nicht verschont. Beim Neubau des Sportparks gab es Mängel an der Verankerung der Fassadenverkleidung. Der Schaden tauchte zwar noch während der Gewährleistungsfrist auf. Doch die Baufirma gab es da schon nicht mehr; sie war pleite gegangen. Die Kosten von rund 100 000 Euro übernahm wohl oder übel die Gemeinde.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erhebende Premiere in Maria Eich
Zum ersten Mal hat es jetzt bei der Wallfahrtskapelle Maria Eich eine Diakon-Weihe gegeben. Diese finden ansonsten im Münchner Liebfrauendom statt. Die Besucher erlebten …
Erhebende Premiere in Maria Eich
Tanklager Krailling: Anonymes Schreiben sorgt für Irritation
2,8 Kilometer Schienen werden erneuert, 2000 Holzschwellen ersetzt: Die Arbeiten am Bahngleis, das das Kraillinger Tanklager mit Freiham verbindet, sind in vollem Gange. …
Tanklager Krailling: Anonymes Schreiben sorgt für Irritation
Kleinere Überflutungen, vollgelaufene Keller
Der Dauer- und stellenweise Starkregen seit Sonntagabend hat zwar zu kleineren Überflutungen und vollgelaufenen Kellern geführt, viel passiert ist zum Glück aber nicht.
Kleinere Überflutungen, vollgelaufene Keller
Hundehalter fordern Zaun an der A 96
Hundebesitzer haben eine Petition gestartet. Sie fordern einen Zaun zwischen dem Gräfelfinger Paul-Diehl-Park und der Autobahn. Die zuständigen Stellen finden das …
Hundehalter fordern Zaun an der A 96

Kommentare