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Einige Eichen im Umfeld der Wallfahrtskirche Maria Eich sind mehr als 300 Jahre alt.

Bei Kartierungsarbeiten entdeckt

Urwaldkäfer in Maria Eich

Planegg - Es ist eine kleine Sensation: In den alten Eichen von Maria Eich leben Urwaldkäfer. Dies wurde im Zuge der Kartierung der Bäume entdeckt. Der Fund ist von landesweiter Bedeutung.

Die Mitarbeiterin der Gemeinde Planegg hat dies sicherlich nicht geahnt, als sie im Frühjahr den Anstoß dazu gab, den Baumbestand von Maria Eich einmal genauer untersuchen zu lassen. Nach der Kartierung der 300 Jahre alten Eichen steht jetzt nicht nur fest, dass dort eine beachtliche Anzahl von Fledermausarten (mindestens neun) und die verschiedensten Vögel ihre Heimat haben. Die herausragende Entdeckung ist: In Maria Eich gibt es Urwaldkäfer. Die Tierchen leben seit mehreren hundert Jahren an diesem Ort. „Das bedeutet, seit vielen hundert Jahren gibt es dort immer genügend altes und totes Holz“, erklärt Michael Wagner von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes München. Wirklich beeindruckend sei, dass dem von ihm beauftragten Käferkundler heuer gleich sieben verschiedene Arten dieser Urwaldkäfer in die Fallen getappt sind. „Das ist eine extrem hohe Zahl“, sagt Wagner. „Manche Käfer erscheinen nur alle paar Jahre, weil sie jahrelang als Larve im Baum leben.“

Wagner imponiert besonders, dass in einem halben Jahr so viele Arten dokumentiert werden konnten. Unter den in Maria Eich entdeckten Tieren seien beispielsweise der „Balkenschröter“ und der durch das Bauprojekt „Stuttgart 21“ bekannte „Eremit“. Der Käferkundler habe seinen Fund als einen von landesweiter Bedeutung bezeichnet, erklärt Wagner.

Die Entdeckung der Urwaldrelikte hat Konsequenzen. „Es besteht eine Verpflichtung, die Entwicklung dieser Tiere sicherzustellen“, sagt Wagner. Eine Aufgabe für die Waldeigentümer: das Kloster Maria Eich und die Bayerischen Staatsforsten.

Wagner fallen spontan drei Maßnahmen ein. Erstens müsse man in den Waldbestand eingreifen und Bäume entnehmen. Jüngere, hundert Jahre alte, Eichen bekämen dadurch mehr Platz. Sie könnten dann einen Umfang wie die Methusalembäume bekommen. Und wenn die 300 Jahre alten Eichen im Laufe der nächsten 50 Jahre zusammenbrechen, böten sie Käfern, Fledermäusen und Vögeln neuen Lebensraum.

Zweitens: Da Maria Eich Naherholungsgebiet und Wallfahrtsort sei, müsse man sich den Tieren zuliebe auch Gedanken über die Trampelpfade im Bereich der alten Bäume machen. „Es bedarf einer Lenkung der Besucher“, sagt Wagner. Und drittens müsse man sich die Beleuchtung rund um Maria Eich ansehen. Eventuell könne dort nach und nach auf insektenfreundliche Lampen umgerüstet werden.

Anfang Januar will sich Wagner mit den betroffenen Forstbetrieben zusammensetzen und ein Konzept entwickeln. Der Käferkundler wird der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Exemplare der gefangenen Käfer überlassen. Wagner zieht in Erwägung, diese in Planegg auszustellen, bevor er sie an die Zoologische Staatssammlung in München übergibt.

Victoria Strachwitz

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