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Würmtaler Katholiken fordern Aufarbeitung

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Von: Peter Seybold, Lara Listl

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Gutachten zu sexuellem Missbrauch in der Erzdiözese München und Freising
Über 1800 Seiten hat das jetzt präsentierte Gutachten. © Sven Hoppe/DPA

Das Gutachten zu sexuellem Missbrauch innerhalb der Erzdiözese München und Freising erschüttert die Katholiken im Würmtal. Sie fordern Aufarbeitung und Veränderung.

Würmtal – Nicht sehr überrascht von den neuen Enthüllungen war Achim Thomas, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats von St. Elisabeth Planegg. „Es war mir eigentlich klar, dass auch die Erzdiözese München-Freising von den Vorwürfen nicht ausgenommen sein wird. Ich halte das Gutachten der Anwaltskanzlei, gerade auch, was Papst Benedikt betrifft, für glaubwürdig“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Thomas, der von den Enthüllungen schockiert und entsetzt ist, findet es „vor allem traurig, dass Papst Benedikt bei einer 82-seitigen Stellungnahme bisher kein einziges Wort der Entschuldigung verloren hat“.

Statt einem Rücktrittsangebot einzelner Amtsträger wie Kardinal Marx ist es dem Planegger wichtiger, dass sich die katholische Kirche nun darum kümmere, „dass die Machtstrukturen, die solche Missbrauchsvorfälle und das Verschweigen und Vertuschen dieser möglich gemacht haben, so radikal verändert werden, dass so etwas in Zukunft nicht mehr möglich sein wird.“

Ähnliche Enthüllungsberichte in der Vergangenheit seien auch in der Planegger Pfarrgemeinde stets ein großes Thema gewesen und dies werde wohl auch diesmal so sein. „Ohne die Vorwürfe auf irgendeine Weise zu relativieren, sollten sie aber auch nicht das einzige Thema sein, mit dem wir uns in nächster Zeit beschäftigen, es gibt auch andere wichtige Themen“, sagt Achim Thomas.

Zu dem Gutachten selbst kann sich Kaplan Gregor Schweizer vom Pfarrverband Gräfelfing St. Stefan und St. Johannes noch nicht äußern – da müsse man erst noch die offizielle Stellungnahme der Diözese abwarten. Doch zu dem Thema hat er viel zu sagen: „Ich bin sehr betroffen und als Priester und Vertreter der katholischen Kirche auch sehr beschämt.“ Und: „Ich hoffe, dass dieses Gutachten, das uns alle erschüttert hat, jetzt richtig aufgearbeitet wird.“ Das Wichtigste sei in seinen Augen, den Opfern zu helfen. „Da wurden ganze Existenzen zerstört.“

Nachdem Missbrauchsvorwürfe innerhalb der katholischen Kirche nicht neu sind und vor allem im Jahr 2010 hochkochten, habe sich viel verändert, sagt der Kaplan. Reagiert habe die Kirche seit 2010 mit präventiven Maßnahmen, wie dem verpflichtenden Vorlegen eines polizeilichen Führungszeugnisses, sowie Seminaren und Kursen zur Sensibilisierung für das Thema. In jeder Gemeinde gebe es inzwischen ein Schutzkonzept und einen Präventionsbeauftragten. „Wichtig wäre auch, dass innerhalb der Gemeinden offen darüber gesprochen wird“, findet Kaplan Schweizer.

Markus Hinz, Pfarrgemeinderatsmitglied von St. Nikolaus Neuried und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, findet es grundsätzlich gut, dass das Thema nun offen auf dem Tisch liegt. „Wichtig ist, dass das Gutachten jetzt aufgearbeitet wird, Konsequenzen gezogen werden und die Kirche aus ihren Fehlern lernt.“ Falsch gelaufen ist seiner Meinung nach viel in der katholischen Kirche. „Es gab sowohl persönliches, als auch systemisches Versagen.“

Thomas Heidenreich, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats St. Stefan in Gräfelfing findet, dass sexueller Missbrauch nicht nur innerhalb der katholischen Kirche, sondern ein gesamtgesellschaftliches Thema ist, mit dem man sich beschäftigen und Präventionsmaßnahmen treffen müsse. „Gerade die Kirche hat mehr als andere aufzuarbeiten und sollte Vorreiter sein.“

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