Außenbriefkasten dichtgemacht: Nach der coronabedingten Schließung der Neurieder Sparkassen-Filiale kann Klaus Chwalczyk Überweisungen und Aufträge nicht mehr einwerfen.
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Außenbriefkasten dichtgemacht: Nach der coronabedingten Schließung der Neurieder Sparkassen-Filiale kann Klaus Chwalczyk Überweisungen und Aufträge nicht mehr einwerfen. Im Würmtal ist dies derzeit nur bei Filialen in Planegg und Gauting möglich.

Kreissparkassen-Filialen ohne Briefkästen für Kunden

„Mich traf der Hammer“

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Sparkassenkunden in Neuried und Krailling können derzeit „ihre“ Filialen nur eingeschränkt nutzen. Verfügbar sind nur die Automaten sowie Termine nach Vereinbarung. Die Briefkästen wurden abmontiert. Die Kreissparkasse begründet dies mit der Corona-Ausnahmesituation.

Würmtal – Klaus Chwalczyk, ehemaliger Kämmerer der Gemeinde Neuried, ist verärgert: Der Rentner ist seit 1962 Privatkunde der Neurieder Sparkasse und hatte auch als Kämmerer viel mit der Geschäftsstelle zu tun. Dann schloss die Sparkasse im Frühjahr die Filiale zu guten Teilen ebenso wie die in Krailling und eröffnete beide erst Mitte Juni wieder. „Das Schlimmste war das Entfernen eines von außen zu benutzenden Briefkastens. Jahrzehntelang war das Betreten der Schalterhalle nicht erforderlich, um Schriftgut zu jeder Tages- und Nachtzeit abzugeben“, schreibt Chwalczyk in einem Beschwerdebrief an die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg. Damit war auch nach Wiedereröffnung der Sparkasse im Sommer Schluss. Als Ersatz für den Außenbriefkasten, in dem die Kunden Überweisungen und Aufträge einwerfen konnten, wurde in der Schalterhalle ein transportabler Briefkasten aufgestellt. „Aber die Kunden mussten in die Schalterhalle, vorbei an der Menschenschlange. Die Herdenbildung von Menschen im Raum war erheblich“, so Chwalczyk.

Briefkasten in Sparkassen-Filiale nicht mehr zugänglich

Im Zuge der zweiten Corona-Welle schloss die Sparkasse die Neurieder Filiale ebenso wie die in Krailling erneut. Der Briefkasten im Inneren war nun auch nicht mehr zugänglich. Die Neurieder und Kraillinger Kunden sollen stattdessen die Sparkassen in Planegg und Gräfelfing anfahren, Überweisungen per Post verschicken, per Telefon aufgeben oder die Automaten nutzen, wurde Chwalczyk gesagt – oder nach Wiedereröffnung Überweisungen und andere Aufträge am Schalter abgeben. „Mich traf der Hammer. Gerade in der Pandemiezeit sollen Abläufe so gestaltet werden, um den Menschen zu helfen, möglichst wenige Kontakt wegen der Ansteckungsgefahr untereinander zu haben“, sagt Chwalczyk. Dies sei seiner Ansicht nach nicht mehr gegeben. Auf Online-Banking will der Rentner nicht umsteigen, auch da er der Sicherheit misstraue. „Ich werde daher wohl nach fast 60 Jahren zu einer anderen Bank wechseln“, sagt Chwalczyk, der vermutet, dass die vorübergehende Schließung nur ein erster Schritt für das komplette Zumachen der Filiale sei.

Kreissparkasse verweist auf Corona-Ausnahmesituation

Die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg, die die Filialen betreibt, begründet die Schließungen mit der Corona-Ausnahmesituation. „Mit einer erneuten vorübergehenden Schließung von insgesamt 21 Geschäftsstellen seit Montag, 9. November, trägt die Kreissparkasse zur gebotenen Kontaktvermeidung bei. Die Schließung dient zudem der Erhöhung der Sicherheit für unsere Beschäftigten und damit der nachhaltigen Sicherstellung unseres Geschäftsbetriebs“, sagt Sprecherin Kerstin Brehm auf Merkur-Anfrage. Die Schließungen würden ausschließlich kleine Standorte treffen. Filialen mit umfassenderen Service– und Beratungsangeboten wie in Planegg und Gräfelfing bleiben weiter geöffnet. Die Briefkästen für Überweisungen seien abmontiert worden, da sich das „Zahlungsverhalten“ der Kunden stetig ändere. „Immer mehr Kunden nutzen das Angebot, Überweisungsaufträge online oder telefonisch zu erteilen. Die Anzahl der bei uns eingehenden Papierbelege nimmt immer weiter ab. Die Corona-Krise hat diesen Trend zusätzlich verschärft“, sagt Kerstin Brehm. „Gleichzeitig werden uns gesetzlich sehr kurze Fristen zur Ausführung der Aufträge vorgegeben. Die Einhaltung dieser Ausführungspflichten lässt sich mit dem Einwurf von Belegen in einen Briefkasten an unseren Geschäftsstellen nicht sicherstellen“, erklärt Brehm.

Zeitpunkt der Wiedereröffnung offen

In Neuried und Krailling stünden auch derzeit Mitarbeiter für Beratungsgespräche nach Vereinbarung zur Verfügung. Auch die Automaten könnten genutzt werden, die Filialen seien telefonisch erreichbar. Über eine Wiedereröffnung werde im ersten Quartal 2021 abhängig von der Corona-Lage entschieden. „Dies steht in keinem Zusammenhang zu unseren langfristigen strategischen Standortplanungen“, sagt Brehm, die ebenfalls auf die vielen Alterativen verweist. „Wir haben jedoch festgestellt, dass die Mehrheit un älteren Kunden positiv auf unsere Vorsichtsmaßnahmen reagiert und sich verstärkt der digitalen Welt öffnet. Der Umgang mit SB-Geräten ist den meisten unter ihnen überdies bereits seit Langem vertraut“, so Kerstin Brehm.

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