Kinder statt Künstler: Graue Wand wird bunt

- Kulturausschuss hebt Beschluss des Baugremiums auf und spart 10 000 Euro

VON CLAUDIA ROTHHAMMER Neuried - Sehr klobig, merkwürdig, seltsam, scheußlich: einige Neurieder Räte konnten es kaum glauben, dass neben dem Eingang des neuen Kindergartens am Kraillinger Weg nun eine graue Betonwand steht. Einziger Sinn und Zweck der Wand: Kunst am Bau. "Ich würde die Wand entfernen lassen. Ist ja ein Scheusal", sagte Christoph Berkmüller (Grüne) in der Sozial- und Kulturausschuss-Sitzung. Was die Wand mit Kunst am Bau zu tun habe, wollte auch Anselm Sibig (SPD) nicht so richtig einleuchten.

Bauamtsleiter Peter Müsch klärte auf: Die Wand sollte von einem Künstler gestaltet werden. Zwei oder drei könnte man um einen Entwurf bitten, einer dürfe ihn dann verwirklichen. Im Gemeindehaushalt steht dafür ein Betrag von 10 000 Euro bereit. Die Zustimmung für die Errichtung der zwei Meter langen und 2,30 Meter hohen Wand gab der Bauausschuss. "Jetzt bin ich enttäuscht von den Kollegen", sagte Sibig. "Und was sollen eigentlich diese drei Rillen in der Wand", wunderte er sich. "Die drei Rillen könnten dafür stehen, dass es unser dritter Kindergarten ist", half Gisela Meyer (CSU) ihrem Gemeinderatskollegen auf die Sprünge.

Anstatt Künstler mit der Gestaltung zu beauftragen, schlug Meyer vor, das den Kindern selbst zu überlassen. "Überall versuchen wir zu sparen. Wir müssen doch hier nicht die ganzen 10 000 Euro ausgeben." Parteikollege Markus Crhak fand die Idee gut: "Wir unterstützen die Künstler von morgen." Sibig plädierte aber für die Beauftragung von Künstlern: "Wie sollen Kinder denn bei der Wand Fantasie entwickeln?" Gegen seine Stimme und die von Berkmüller entschied der Ausschuss, dass die Kinder die Gestaltung der Wand übernehmen, und zwar mit Mosaiksteinen. Solche kommen auch auf dem Platz vor dem Haupteingang hin. Denn bei der Eröffnung dürfen die Kleinen mit Mosaiksteinen einen Kreis von etwa drei Metern Durchmesser gestalten. Diese Idee kam bei allen Gemeinderäten gut an. Die offizielle Eröffnung könnte sich aber bis Früjahr verschieben, teilte Bürgermeisterin Ilse Weiß mit. "Die Erzieherinnen wollen, dass sich die Kinder erst einleben können." Der Kindergartenbetrieb soll aber Anfang November losgehen. Weiß: "Noch liegen wir im Zeitplan."

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