„Spielzeugfrei und Spaß dabei“ war das Thema im Kinderhaus Neuried: Hier werden Seifenschaumblasen erzeugt. foto: rutt

Kinderhaus verzichtet sechs Wochen auf Spielzeug

Neuried - "Spielzeugfrei und Spaß dabei" hieß es sechs Wochen lang im Kinderhaus an der Zugspitzstraße in Neuried. "Ein voller Erfolg", sagt die Leiterin Svenja Seiler.

Die 74 Kinder und acht Erzieherinnen packten im Vorfeld des von der Landesarbeitsstelle Bayern initiierten Projekts gemeinsam das gesamte Spielzeug in große Koffer. „Das Spielzeug braucht dringend Urlaub, so haben wir es den Kindern erklärt“, sagt Seiler. „Die nächsten sechs Wochen ersetzten dann Decken, Pappkartons, Plastikbehälter und Zeitungspapier, das die Kinder von zu Hause mitbrachten, das gewohnte Spielzeug.“

Dann war die Kreativität der Kinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren gefragt. Und sie wurden kreativ. „Die Kinder hatten die Idee, einen Tischkicker zu bauen“, sagt Seiler. Gemeinsam wurde überlegt, was man benötigt. Im Keller fand sich dann ein geeignetes Brett, das grün angestrichen und mit weißen Linien versehen wurde. „Am Ende wurden mit einer Heißklebepistole noch zwei Körbchen als Tore befestigt.“ Seither ist der Finger-Tischkicker ein fester Bestandteil des Spielzeugsortiments.

„Ziel des Projekts ist es, die Kreativität und die Kommunikation der Kinder untereinander zu stärken“, sagt Seiler. Aber auch die Erzieherinnen lernten während der sechs Wochen dazu. „Wir haben uns bewusst zurückgehalten und keine Spielanregungen gegeben. Kinder, die sich langweilten, integrierten sich nach einiger Zeit von selbst in die Gruppe.“ Erstaunlich war es für die Erzieherinnen zu beobachten, dass sich schüchterne oder zurückhaltende Kinder leichter in die Spiele integrierten als sonst. „Auch wir wurden mal aus dem gewohnten Trott gerissen, und wir haben gemerkt, dass sich viele Streitsituationen schneller von selbst regeln, als wir dachten“, resümiert Seiler.

Das Projekt fand auch bei den Eltern große Zustimmung. „Viele Eltern berichteten, dass die Kinder auch zuhause ihre Spielsachen wegräumten und ohne sie spielten“, erzählt Seiler. In kleinen Tagebüchern hielten die Erzieherinnen die Ideen und Spiele der Kinder der Krippe und des Kindergartens für die Eltern fest. „Wirklich vermisst haben die Kinder hier im Kinderhaus keines ihrer Spielzeuge.“ Nach und nach finden aber nun doch Lego-Bausteine und Bilderbücher ihren Weg aus dem Urlaub zurück in den Kindergarten. „Wir haben beschlossen, das Projekt alle zwei Jahre zu wiederholen“, sagt Seiler.

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