Echtes Katzenskelett für Studienzwecke

Kleines Gräfelfinger Schulmuseum öffnet seine Pforten

Gräfelfing - Zur Erinnerung an alte Schulzeiten wurde in Gräfelfing jetzt ein Schauraum mit den Sammlungen des ehemaligen Rektors der Grundschule, Sigi Segl, geschaffen.

Nun ist es so weit: Das kleine Gräfelfinger Schulmuseum öffnet seine Pforten.

Verschwiegen darf allerdings nicht werden, dass zwischen Beschluss und Umsetzung nicht nur ein paar Maitage, sondern leider zwölf Jahre liegen, bedingt durch die lange Renovierungszeit des Hauses. Nach vielen Umlagerungen und Irrfahrten finden die Schulexponate in einem kleinen Raum neben dem Gemeindearchiv ihren Platz.

Einiges konnte aus dem alten, zum Teil abgerissenen Bau ins jetzige Haus herübergerettet werden: etwas altes „Schul-Flair“ und Schulmöbel, ein paar Kunstwerke aus Projektwochen, Urkunden von Erfolgen beim Völkerball-Turnier, kuriose Beispiele früher Medientechnik sowie Teile der anschaulichen Lehrmittelsammlung. Welche Klasse kann heute noch ein originales Katzenskelett studieren? Die kostbare Mineraliensammlung mit Beschriftung von Rektor Reißner, die respektlos auf den Turnhallenspeicher gekippt war, haben eifrige Schulkinder mit Hilfe eines Geologen wieder hergestellt. Die tollen Wandmalereien im alten Haus sind leider dahingegangen und nur in Fotos festgehalten.

Dazu kommen Schulbücher aus verschiedenen Phasen der Didaktik von der Werteerziehung der Prinzregentenzeit bis zur Mengenlehre sowie Anweisungen des Schulamtes. Bereits 1969 weist ein Rundschreiben auf Maßnahmen zur Vermeidung von Missbrauchsvorwürfen hin. Schreibmaterialien von Griffel und Schiefertafel über Feder und Tintenfass bis zum Stabilo-Filzstift können betrachtet und später auch von Schülern ausprobiert werden. Leider waren die grünen Klassentafeln zu sperrig, um eine davon über die Bauzeit zwischenzulagern. So muss eine Sütterlin-Schrifttafel am Kartenständer das Tafelbild ersetzen.

Die bereits von Segl aufbewahrten Beweise fleißiger Schülerarbeit wurden in den letzten Jahren noch ergänzt durch Geschenke ehemaliger Schülerinnen und Schüler. Sorgfältig geführte Hefte zeugen von heute unvorstellbarem Schreibeifer. Frau Grüner, ehemals Fräulein Damberger, vermachte dem Archiv eine ganze Serie ihrer Klassenfotos. Vierzig Jahre lang waltete die „Tatzensteckerldompteuse“, wie Segl sie titulierte, ihres Amtes. Sie versprach, zur Eröffnung des Museums an ihre alte Wirkungsstätte zu kommen, „wenn Gott mir bis dahin das Leben gibt“, wie sie sagte.

Auch Teile der Ausstellung „Lehrer, die wir hatten“ werden der Erinnerung auf die Sprünge helfen: Von den Hauptlehrern Zeichfiesl und Marxer über den gestrengen Rektor Thalhauser, den „Kartoffelkäfergeneral“, die Lanzingerin, die vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik ihren Lehrplan durchzog, bis zu Fräulein Greiner, die viele Gräfelfinger Kinder das Einmaleins und manche auch das Fürchten lehrte, ist der alte Lehrkörper vertreten.

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