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Kliniken rechnen mit einem Ansturm

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Von: Victoria Strachwitz

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Die zunehmende Belastung auf der Intensivstation registriert Dr. Lorenz Nowak, Chefarzt an der Asklepios-Klinik in Gauting. Angesprochen auf den von der Regierung verordneten Verzicht auf aufschiebbare OPs sagt er: „Man spürt den Unmut und auch die Angst bei manchen Patienten und auch den Angehörigen.“
Die zunehmende Belastung auf der Intensivstation registriert Dr. Lorenz Nowak, Chefarzt an der Asklepios-Klinik in Gauting. Angesprochen auf den von der Regierung verordneten Verzicht auf aufschiebbare OPs sagt er: „Man spürt den Unmut und auch die Angst bei manchen Patienten und auch den Angehörigen.“ © Peter Kneffel/dpa

Ein Sturm zieht auf. Das merken auch die Fachkliniken im Würmtal. Noch werden Operationen nicht verschoben. Wie lange gilt das noch?

Würmtal – Besucher dürfen nicht mehr in die Kliniken im Würmtal. Das Pasinger Helios-Klinikum München West ist die Ausnahme: Hier gilt 2Gplus. Wie die Besucher spüren auch die Patienten die Folgen der steigenden Corona-Infektionszahlen mancherorts mehr als woanders. Dr. Marco Galle, Chefarzt der Anästhesie der Urologischen Klinik in Planegg, registriert: „Aktuell bekommen wir vermehrt Anfragen, von Patienten mit Tumorerkrankungen, die an anderen Häusern nicht mehr zeitnah operiert werden.“

Die Gräfelfinger Wolfart-Klinik hält ihren normalen Betrieb aufrecht. Geschäftsführer Tilman Götzner versichert: „Wenn ein 80-Jähriger eine Hüfte braucht, kriegt er die im Moment auch.“ Aber „das kann sich täglich ändern, fürchte ich“. Götzner ist überzeugt: „Es ist die Ruhe vor dem Sturm.“

Kliniken müssen Personal an andere Einrichtungen abstellen

In Pasing ist die Lage auf der Intensivstation angespannt. Neun Covid-Patienten wurden dort gestern Nachmittag betreut. 15 weitere mit Covid-19 werden im Klinikum behandelt. „Als Corona-Schwerpunktklinik ist das Klinikum dazu verpflichtet, freie Intensivkapazitäten für Patienten mit Covid-19 sowie für Notfälle zu reservieren und unter medizinischen Aspekten aufschiebbare geplante Behandlungen entsprechend zu organisieren“, erklärt Sprecher Marten Deseyve. Die Urologische Klinik in Planegg hält derzeit vier Betten für Covid-Patienten frei. Wie in Gräfelfing wird dort aktuell niemand wegen Corona behandelt. Laut Götzner diskutiere die Politik aber, inwieweit Fachkliniken bei der Versorgung von Covid-Patienten einbezogen werden sollten. Er geht davon aus, dass seine Klinik Personal an andere Einrichtungen abstellen oder Covid-Patienten aufnehmen muss. Eine richtige Intensivstation habe er aber nicht zur Verfügung. Auch die Planegger Kollegen haben keine.

Es fehlt an Personal für die Intensivstation

Die Asklepios-Fachkliniken in Gauting haben eine solche. Und dass Personal aus anderen Klinik aushilft, „können wir uns vorstellen“, so Sprecherin Beatriz Parente Matschke. Denn: „Wir haben mehr Plätze auf der Intensivstation als wir derzeit betreiben können.“ 36 Plätze wären technisch möglich. „Personell sieht es ganz anders aus.“ Aktuell seien nur 20 Betten verfügbar, sieben davon für Covid-Patienten, und die seien auch belegt. Die Klinik hat daher bereits Maßnahmen ergriffen, um die Zahl der Betten zu steigern. „Mit Einschnitten in anderen Bereichen könnten wir auf 15 Covid-Betten hochgehen“, rechnet die Sprecherin vor. „Beim Lungenkrebs können wir die Therapie nicht einfach um einen Monat verschieben.“ Doch in das Schlaflabor der Gautinger Klinik kämen meist Menschen zur Kontrolle. „Die kann man ohne weiteres mal um einen Monat verschieben. Deswegen haben wir uns entschlossen, diesen Bereich als erstes herunterzufahren.“ Das Schlaflabor ist jetzt zu. 13 Mitarbeiter von dort sollen in der Pflege aushelfen, damit wieder andere die Intensivstation unterstützen können. „Wir sind gerade dabei, die Einarbeitung zu machen und umzuschichten.“ Und: „Wir sind dabei nachzudenken, welche Bereiche wir noch freischaufeln können.“ Denn die Anfragen von Kliniken, die Patienten nach Gauting verlegen wollen, damit die sich wieder um Notfälle kümmern können, reißen nicht ab.

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