Ernst Wiedemann Leiter der Polizeiinspektion Gauting. Foto: Fkn

Der Kommissar als Kirchenpfleger

Würmtal - Einige Polizisten im Würmtal haben einen Nebenberuf, auch wenn sie nicht schlecht verdienen. Allerdings ist ihnen nicht jede Nebentätigkeit erlaubt.

Als Mesner ist Ernst Wiedemann in seinem Heimatdorf bekannt. Als die Stelle des Kirchenpflegers in seinem Dorf frei geworden sei, habe er vor Ort nachgefragt, wer sie übernehmen könnte. Keiner fand sich. „Aber wenn es niemand gemacht hätte, hätten wir die Kirche zusperren müssen“, sagt Wiedemann. Also ist er jetzt der Kirchenpfleger. Problem gelöst. Doch so einfach war das nicht. Bevor Wiedemann das Amt übernehmen durfte, hatten noch andere, fern seines Heimatdorfes, ein Wort mitzureden. Denn hauptberuflich leitet der Erste Polizeihauptkommissar die Gautinger Inspektion.

Polizeibeamte dürfen nicht selbstverständlich einen Nebenberuf ergreifen. Sie müssen ihn sich im Polizeipräsidium genehmigen lassen. Auch wenn sie ein Ehrenamt ausüben, müssen sie dies anmelden. Ihre Tätigkeit muss mit ihrer Arbeit als Polizist vereinbar sein. Ein Job im Bewachungsgewerbe, als Privatdetektiv, bei einer Geldtransportfirma oder als Türsteher käme beispielsweise nicht in Frage. Konfliktträchtige Tätigkeiten seien nicht gestattet, macht Wiedemanns Kollege Siegfried Janscha, Inspektionsleiter in Planegg, deutlich. Die Arbeit als Kirchenpfleger wurde Wiedemann genehmigt.

Außer dem Inspektionsleiter haben in Gauting noch zwei weitere Beamte einen Nebenberuf. Einer arbeitet als Fitnesstrainer, einer als Aushilfe für Verpackungstätigkeiten. Ein weiterer ist ehrenamtlich für die Freiwillige Feuerwehr tätig. In Planegg haben sich acht Beamte die Genehmigung geholt. Sie arbeiten als Trainer für Kinder, Kfz-Überführer, Gymnastiktrainer, als Nageldesignerin, als Vertrauensmann für eine Versicherung, bei einem Fahrdienst für körperbehinderte Kinder, im Bereich Prävention Gesundheit sowie als Fitnesstrainer.

Die meisten Polizisten im Würmtal haben ihren Nebenberuf nicht aus finanziellen Gründen, meint Janscha. Das Gehalt reiche aus. „Ich wüsste nicht, dass sie zu wenig verdienen“, sagt er. Wiedemann meint ebenfalls, das Leben im Würmtal sei zwar teuer, aber „ich glaube auch nicht, dass es den Kollegen ums Geld geht“.

Janscha vermutet, dass die Nebentätigkeiten Relikte aus der Ausbildungszeit der Beamten seien oder dass sie den Kollegen ermöglichten, etwas luxuriöser zu leben. Er denkt dabei an größere Autos oder kostspieligen Urlaub. Für Wiedemann ist es eine Einstellungssache. Er wurde Kirchenpfleger, „damit es weiter geht in unserer kleinen Kirche“, wie er sagt. Allein die Zahl der Genehmigungen durch das Polizeipräsidium macht deutlich, dass es bei dem Zuverdienst nicht ums Überleben gehen kann. Insgesamt seien in Planegg 53 Beamte beschäftigt. Nur acht davon haben einen Nebenberuf. In Gauting sind es drei von 30.

„Eine Nebentätigkeit darf ich auch nur für bis zu acht Stunden pro Woche ausüben“, erklärt Janscha. So bleibe die Polizeiarbeit immer der Hauptberuf. Als Kirchenpfleger ist Wiedemann fünf Stunden die Woche aktiv. Seine Arbeit als Dienststellenleiter habe Vorrang. Habe er Dienst, springe seine Familie für ihn als Mesner ein.

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