Korrekt gestempelt und doch beanstandet: S-Bahn-Fahrgast Stefanie Klostermeier aus Gräfelfing ist verärgert. Foto: js

Kontrolleure mit Rechenschwäche

Gräfelfing - Manchem wird in der S-Bahn mulmig, wenn er die Fahrkartenkontrolle nahen sieht. Und das zu Recht - selbst dann, wenn die Fahrkarte korrekt gestempelt ist.

Stefanie Klostermeier ist treue MVV-Kundin. Regelmäßig pendelt sie mit der S-Bahn zwischen Milbertshofen, München und Gräfelfing. Am 5. Dezember fuhr sie mit der S 6 vom Gräfelfinger S-Bahnhof zum Münchner Hauptbahnhof. Dort wurde sie einer Fahrkartenkontrolle unterzogen. Die Kontrolleurin, die abgelenkt wirkte und laut Stefanie Klostermeier mit ihrem Kollegen schäkerte, konstatierte, dass der Fahrschein der jungen Frau ungültig sei: Stefanie Klostermeier hatte, wie schon unzählige Male vorher, nur einen Streifen auf der Streifenkarte ge-stempelt. Der Grund: Bis zum Alter von 21 Jahren gilt halber Tarif; in diesem Fall also ein Streifen. Stefanie Klostermeier: „Ich bin schon mehrfach kontrolliert worden, aber das wurde nie beanstandet.“

Anders am 5. Dezember: Obwohl Stefanie Klostermeier mit ihrem Personalausweis nachwies, erst in knapp einem Monat, am 31. Dezember 2014, das 21. Lebensjahr zu vollenden, blieb die Kontrolleurin uneinsichtig und händigte der Kundin die sogenannte „Fahrpreisnacherhebung“ in Höhe von 40 Euro aus, weil das U21-Angebot für sie nicht mehr gelte. Dagegen legte Stefanie Klostermeier bei der Deutschen Bahn in Baden-Baden schriftlich Widerspruch ein - samt Farbkopie der Original-Fahrkarte.

Hatte sie gedacht, damit sei die Sache erledigt, wurde sie eines Besseren belehrt: Eine Sachbearbeiterin antwortete, das U21-Angebot gebe es in der Tat, doch habe Klostermeier „die Voraussetzungen nicht erfüllt (Altersgrenze überschritten)“. Der Betrag von 40 Euro sei bis zum 30. Dezember zu überweisen. In einem Telefonat ließ sich die Sachbearbeiterin schließlich überzeugen, dass die junge Frau unzweifelhaft 20 Jahre alt war. Doch müsse sie gegen den falschen Bescheid abermals schriftlich Widerspruch einlegen.

Eine Anfrage des Münchner Merkurs bei der Pressestelle hatte nach eingehender Untersuchung die schriftliche Feststellung eines Bahnsprechers zur Folge: „Der Fehler lag bei unserer Mitarbeiterin. Wir haben die Fahrpreisnacherhebung deshalb eingestellt. Die Kundin wird entsprechend informiert und erhält eine kleine Entschädigung.“

Von dieser Einsicht schaffte es freilich nur ein kleiner Teil in die Realität. Vielmehr erreichte Stefanie Klostermeier aus Baden-Baden eine neue Version der Geschichte: Tatsächlich habe sie überhaupt keine Fahrkarte vorzeigen können, auch keine zu gering gestempelte; die Altersgrenze sei fälschlicherweise als Grund der Nachforderung angegeben worden - und das offenbar gleich zweimal. Trotzdem werde man „ausnahmsweise“ auf die Forderung verzichten. Von einer Entschuldigung keine Spur.

Die junge Frau entschied sich, es dabei bewenden zu lassen, auch wenn sie ungerechtfertigt des Betrugs bezichtigt worden sei. Stefanie Klostermeier: „Mehr Beweise als die Fahrkarte, die schon in Kopie bei der Bahn liegt, kann ich nicht vorbringen.“

Vor wenigen Tagen meldeten die Deutsche Bahn und der MVV, im Raum München deutlich mehr Kontrolleure einsetzen zu wollen, um des grassierenden Schwarzfahrens Herr zu werden. Im Sinne der ehrlichen Fahrgäste wie Stefanie Klostermeier jedoch wäre ein Mehr an Qualität wichtiger als an Quantität.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erhebende Premiere in Maria Eich
Zum ersten Mal hat es jetzt bei der Wallfahrtskapelle Maria Eich eine Diakon-Weihe gegeben. Diese finden ansonsten im Münchner Liebfrauendom statt. Die Besucher erlebten …
Erhebende Premiere in Maria Eich
Tanklager Krailling: Anonymes Schreiben sorgt für Irritation
2,8 Kilometer Schienen werden erneuert, 2000 Holzschwellen ersetzt: Die Arbeiten am Bahngleis, das das Kraillinger Tanklager mit Freiham verbindet, sind in vollem Gange. …
Tanklager Krailling: Anonymes Schreiben sorgt für Irritation
Kleinere Überflutungen, vollgelaufene Keller
Der Dauer- und stellenweise Starkregen seit Sonntagabend hat zwar zu kleineren Überflutungen und vollgelaufenen Kellern geführt, viel passiert ist zum Glück aber nicht.
Kleinere Überflutungen, vollgelaufene Keller
Hundehalter fordern Zaun an der A 96
Hundebesitzer haben eine Petition gestartet. Sie fordern einen Zaun zwischen dem Gräfelfinger Paul-Diehl-Park und der Autobahn. Die zuständigen Stellen finden das …
Hundehalter fordern Zaun an der A 96

Kommentare