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Das Kraftwerk Krämermühle an der Würm ist erst 25 Jahre alt, weist aber trotzdem eine lange Liste an Defiziten auf. Eine Sanierung würde sich kaum lohnen.

Krämermühle an der Würm nach 25 Jahren bereits Sanierungsfall

Experte rät zu neuem Wasserkraftwerk

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Gräfelfing - Das Wasserkraftwerk der Gemeinde Gräfelfing an der Krämermühle ist schon nach 25 Jahren ein Sanierungsfall. Ein Experte schlug der Gemeinde jetzt den Bau eines neu entwickelten Kraftwerk-Typs vor.

Als die Gemeinde Gräfelfing vor 25 Jahren für viel Geld ein Wasserkraftwerk an der Würm baute, passte das bestens zum Selbstverständnis der Kommune, Pioniergeist mit dem Umweltgedanken zu verbinden – und es sich zu leisten, die Wirtschaftlichkeit als sekundär anzusehen. Eine aktuelle Analyse zeigt nun, dass das Projekt von Beginn an Defizite aufwies, die sich dermaßen verstärkt haben, dass Handlungsbedarf besteht.

Albert Sepp, Wasserkraftwerksexperte der TU München, brauchte über eine halbe Stunde, um den Gemeinderäten im Umweltausschuss die Mängel der Anlage aufzuzählen. Die geplante Energieerzeugung von 300 000 kWh pro Jahr wurde nie erreicht; heute liegt sie bei gerade mal 120 000 kWh. Die Leistung der Anlage schwankt zwischen 20 und 27 kW – statt der Sollleistung von 37,5 kW. Der Rechenreiniger ist überlastet und zu laut, weshalb die Anlage lange Stillstandszeiten verzeichnet. Die Fallhöhe ist niedriger als geplant, für eine kontinuierliche Wartung fehlt das Personal. Die Schutztafeln aus Metall werden unterströmt, so geraten Äste darunter und klemmen sich fest. Deshalb lassen sich die Tafeln, die den Wasserstand regulieren sollen, nicht mehr absenken. Unter dem Strich fährt die Anlage ein jährliches Defizit von 7000 Euro ein, ist der Hochwasserschutz mangelhaft, der Fischschutz inexistent – und der Laubcontainer stinkt.

Glaubt man Albert Sepp, heißt das Patentrezept gegen all diese Defizite SKW. Das „Schachtkraftwerk“ ist eine Entwicklung der TU, eine völlig neue Art Wasserkraftwerk. So neu, dass zwar eine vom Freistaat finanzierte Test-Anlage existiert, jedoch keine im Realbetrieb.

Das Konzept besteht aus einem unter Wasser gebauten Schacht, der mit einem Gitter abgedeckt ist, damit Fische nicht hineingeraten. Ein Teil des Wassers, das den Schacht überströmt, stürzt hinein und betreibt eine ebenfalls unter Wasser liegende, hoch leistungsfähige Turbine. Eine gesonderte Fischtreppe gewährt den Aufstieg der Fische.

Dieses Kraftwerk ließe sich in Gräfelfing vor das bestehende einbauen. Die alten Gebäude könnten für Technik genutzt werden. Die Anlage würde im Jahr 475 000 kWh liefern, was nach dem heutigen Einspeisegesetz einen Erlös von rund 58 000 Euro pro Jahr bedeuten würde. Die Gesamtkosten von 1 Million Euro würden also unter Anrechnung der Personalkosten in rund 20 Jahren amortisiert sein. Die Anlage würde geräuschlos arbeiten, es fiele kein Grünmaterial an, der Hochwasser- und Fischschutz wäre gewährleistet.

Bürgermeisterin Uta Wüst schien von dem Vorschlag ganz angetan zu sein. Einige Gemeinderäte sahen das Pilotprojekt als risikobehaftet an. Nun sollen sich zunächst die Ratsfraktionen mit dem Thema auseinandersetzen.

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