Die Margaretenstatue trugen Mitarbeiterinnen der Kraillinger Gemeindeverwaltung durch die Straßen Kraillings. Fotos: Dagmar Rutt

Krailling feiert 700 Jahre St. Margaret

Krailling - Hunderte Gläubige beteiligten sich an der traditonellen Prozession durch die Straßen der Gemeinde.

Dank der „Sacra-kommunalen“ Zusammenarbeit - eine von Bürgermeisterin und Kirchenmusiker bei der Danksagung geprägte Wortschöpfung - konnte Krailling am Sonntag ein wunderbares Fest zum 700. Jubiläum seiner Margaretenkirche feiern. Die Heilige Margaret scheint bei Petrus ein gutes Wort für das Wetter eingelegt zu haben. Doppelt so viele Teilnehmer wie erwartet waren der Einladung der Gemeinde Krailling zur traditionellen Margaretenprozession gefolgt. Gläubige aus St. Elisabeth und St. Vitus, viele in Tracht, Bürgermeister der Gemeinden Planegg und Krailling, Vertreter der beiden Gemeinderäte, der kirchlichen Gremien von St. Elisabeth und St. Vitus, des Waldsanatoriums sowie zahlreiche Vereine mit ihren Fahnen - ein buntes Bild bot sich um den Freialtar neben der Kirche. Der ehemalige Weihbischof von München, Engelbert Siebler, war trotz Terminschwierigkeiten gekommen, um mit der Gemeinde, in der seine Verwandten seit fast 100 Jahren zu Hause sind, den Festtag zu begehen. Schmiedemeister Konrad Siebler hatte sich große Verdienste um den Erhalt der Prozession erworben.

Auf Bitte von Pfarradministrator Anicet Mutonkole zelebrierte Bischof Siebler den Festgottesdienst und trug beim Umgang die Monstranz mit dem Allerheiligsten. Anknüpfend an das Wort im Evangelium zum Fest der Märtyrerin Margarete von Antiochien „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten“, ging er in der Ansprache auf die heutigen Bedrängnisse der Menschen in der Heimat Margaretes in Syrien ein. Nicht um ein komfortableres Leben zu führen, kämen die Flüchtlinge nach Europa, sondern um ihr nacktes Leben zu retten. Tausende hätten es schon in den von Bürgerkriegen geschüttelten Ländern verloren. In Anlehnung an die Enzyklika von Papst Franziskus „Laudato si...“ - ein Zitat aus dem Schöpfungslob des Hl. Franz von Assisi - rief er auf zu Sensibilität und Aufmerksamkeit für die bedrohte Schönheit der Welt und für die Armen, auch in Lateinamerika und in Afrika. Deren Lebensgrundlagen würden durch Kriege und die Umweltzerstörung auf Grund der Gewinnorientierung großer Ölkonzerne gefährdet und vernichtet, aber auch durch den Klimawandel, den unser Konsumverhalten beschleunigt. Es sei Aufgabe jedes Menschen, vor allem jedes Christen, sich für eine gerechtere und friedlichere Welt einzusetzen. Der Gedanke klang wieder an, als Diakon Wolfgang Ring, assistiert von Bürgermeisterin Christine Borst, am Bader-Brunnen das Evangelium verkündete: „Licht auf dem Leuchter“ sollten sie sein, fordert Jesus seine Nachfolger auf, um durch ihre guten Taten den Weg zum Reich Gottes ohne Kriege und Leiden zu erleuchten.

Besorgte Blicke hatten sich zum Himmel gerichtet, als gegen Ende der Messe dunkle Wolken aufzogen und statt Weihwasser Regentropfen die Anwesenden besprengten. Dank des von Bischof Siebler gelobten diplomatischen Vorschlags der Bürgermeisterin, die Entscheidung über Abhaltung der Prozession „kurz zu vertagen“, konnte man sich bald darauf auf den Weg machen - in einer langen Reihe, die sich vom Kirchlein bis zum Alten Rathaus hinzog, entlang an liebevoll geschmückten Häusern und Zäunen. Das Gottvertrauen wurde bis zum Abschluss der Feier mit dem „Te Deum - Großer Gott wir loben Dich“ mit Sonnenschein belohnt.

Auf bewährte Weise unterstützten Bläser des Rundfunkorchesters mit Kirchenmusiker Ludwig Götz den Gesang während Feier und Prozession. Besondere Hochachtung gebührt auch den Damen aus der Gemeindeverwaltung, die seit Jahren mithelfen, dass die Madonnenstatue aus der Kirche traditionell in der Prozession mitziehen kann. Früher war das Tragen ein Vorrecht „eingeborener Kraillinger Jungfrauen“. Auch Polizei, Rotes Kreuz und die Kraillinger Feuerwehr unter Kommandant Richard Siebler trugen tatkräftig zum Gelingen des Festes bei, besonders als sie zum Abschluss mit Hilfe der Kinder gasgefüllte weiß-gelbe Ballons als Friedensboten in den Himmel steigen ließen. Die Asyl-Problematik beherrschte auch die Gespräche zwischen Bürgermeistern und Geistlichen beim gemütlichen Ausklang im Gasthof „Alter Wirt“, zu dem die Gemeinde eingeladen hatte. Krailling erwartet 70 Flüchtlinge.

Ein Angebot von liebevoll gestalteten Kerzen und Fotokarten mit Kunstwerken aus der Margaretenkirche zugunsten der neuen Orgel, von Karin Wolf charmant beworben, wies schon auf das nächste Fest hin: die Orgelweihe, hoffentlich im kommenden Jahr. Das Personal vom „Alten Wirt“ war dem Ansturm der hungrigen Prozessionsteilnehmer nur mit Mühe gewachsen. Die georderten 400 Weißwürste reichten gar nicht aus. Wie rasch Brezn und Würste verschwunden waren, erinnerte fast an die legendäre „Mäuseplage“ in Krailling.

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