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Das Neujahrsböllern am Waldbergerl zieht etliche Zuschauer an, die wie hier im Hintergrund in gebührendem Abstand das Treiben der Schützen verfolgen.

Neujahrsböllern: Heiße Diskussionen in sozialen Medien

Gemeinderäte überrascht von heftigen Reaktionen

Krailling - Über 200 Kommentare auf merkur.de, knapp 100 auf Facebook: Das Ansinnen, aus Rücksicht auf traumatisierte Flüchtlinge auf das Neujahrsböllern zu verzichten, polarisiert die Nutzer sozialer Medien. 

Die Fraktionen FBK, Grüne und SPD hatten gefordert, das Neujahrsböllern von Würmtaler Schützenvereinen auszusetzen, bis vor dem Krieg geflohene Flüchtlinge sich eingewöhnt haben. Das wurde mit 12:9 Stimmen abgelehnt. Unter den Antragstellern befand sich auch Martin Hoffmann (SPD). „Das habe ich leider nicht vorhergesehen“, sagt er zu den Kommentaren im Netz. Sein 19-jähriger Sohn Elias machte ihn darauf aufmerksam.

Die Reaktionen hätten ihn erschüttert, so Hoffmann. „Da ist ein Sturm losgebrochen. Man sieht, dass es nicht ums Inhaltliche geht. Dutzende stellen fest, da können sie gegen Flüchtlinge polemisieren.“ So schreibt ein Nutzer auf Facebook: „Das ist Tradition, wenn denen das nicht passt oder sie sonstige Probleme haben, dann sollen sie heimfahren – und die Herrn Gemeinderäte gleich mitnehmen.“ Eine Nutzerin gibt sich ironisch: „Alle Bundesbürger mögen das Atmen einstellen, das ist eine Belastung für unsere traumatisierten Flüchtlinge, es könnte ja nach Schnitzel riechen.“ Ein Dritter fordert: „Fremde haben sich an unsere Bräuche und Sitten anzupassen und nicht umgekehrt!“ Und bekommt Contra: „Der braune Sumpf rülpst wieder. Wenn da stehen würde keine Böller wegen der Haustiere, würden sich hier nicht mal ein Viertel der besorgten Bürger äußern.“

Werner Engl von den Grünen, der sich grundsätzlich gegen die Böllerei ausspricht und dies auch im Gemeinderat zu erkennen gab, bekommt besonders viel Häme ab. „Was wirklich abgeschafft gehört, sind die Grünen. Ein Tipp an Herrn Engl. Fahren Sie in den Nahen Osten und bitten sie die ISIS-Truppen mit dem Böllern aufzuhören. Dann hätten Sie etwas Vernünftiges gemacht.“ Von den Grünen als „Verbotspartei“ ist die Rede. Engl selbst bleibt gelassen: „Es ist das Risiko in der Kommunalpolitik, dass man angegriffen wird.“ Er habe schon früher gemerkt, dass „beim Flüchtlingsthema viele persönlich“ würden. „Ich habe ein, zwei Kommentare gelesen und mir dann gedacht, mir ist meine Zeit dafür zu schade.“ Der Gemeinderat bleibt bei seinem Nein zu jeglicher Böllerei: „Jede andere Lärmbelästigung versucht man zu umgehen. Beim Böllern wird sie bewusst ausgeführt.“

Dass viele seine Meinung teilen, zeigt sich ebenfalls in der Diskussion in den sozialen Medien. „Knallkörper sind grundsätzlich blöde, egal wann und wo sie explodieren.“ Oder: „Mir ist es vollkommen egal, wieso nicht mehr geböllert werden darf. Hauptsache, das hat überhaupt mal ein Ende!“ Engls Reaktion: „Ich bin ja froh, dass ich nicht der Einzige bin.“

Nicole Kalenda

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