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Problematischer Knotenpunkt: Verkehrsplaner Andreas Bergmann schlug an der Einmündung der Pentenrieder- auf die Gautinger Straße einen Kreisverkehr vor. Alternativ könne die Pentenrieder Straße auf Höhe des Bergerweihers für Linksabbieger verbreitert werden.

Bürgerbeteiligung per Workshops

Die Verkehrswünsche der Kraillinger

Die Gemeinde Krailling wird aus der Bevölkerung immer wieder auf Verkehrsthemen angesprochen. Deshalb veranstaltete sie am Mittwoch eine große Verkehrskonferenz.

KraillingDer öffentliche Nahverkehr muss attraktiver gestaltet werden. Das war sicherlich mit einer der meist angesprochenen Wünsche der an die hundert Kraillinger an diesem Abend in der Sporthalle der Grundschule. Die Bürger hatten nach einem Impulsreferat von Thies Claussen – der Kraillinger hat ein Buch zum Thema „Wie leben wir 2050“ verfasst /wir berichteten) –- am Mittwoch Gelegenheit, ihre Vorstellungen und Visionen von einem verkehrsplanerischen Konzept für ihre Heimatgemeinde zu diskutieren.

Gerade der Nahverkehr brannte dabei den Teilnehmern unter den Nägeln. Sie wünschten sich eine Taktverkürzung bei der S-Bahn auf zehn Minuten. Auch der stete Preisanstieg sei kontraproduktiv. Mittlerweile fahre man mit dem eigenen Auto günstiger als mit Bus und Bahn und komme auch noch schneller an, bemerkte ein Bürger. Gerade in den Spitzenzeiten könnten der Einsatz von drei Waggons statt zwei bei der S-Bahn und Expressbusse zu den U-Bahn-Stationen in Fürstenried-West und Großhadern hilfreich sein. Ein anderer Teilnehmer schlug vor, dass der Regionalzug aus Tutzing in Richtung München einen Halt in Planegg einlegen soll.

Aber auch die Straßensituation im Ort kam zur Sprache. Ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen an Knotenpunkten wie der Pentenrieder- und Margaretenstraße wurde genannt. Nicht zuletzt verursacht durch die derzeit ausgeführten Bauarbeiten, meinte eine Bürgerin. Aber auch der immens ansteigende Lieferverkehr trüge dazu bei. Nicht selten müsse man warten, bis ein DHL- oder Hermes-Lieferwagen die Straße wieder frei mache.

Bei der Problematik Geschwindigkeitsübertretungen in den Tempo-30-Zonen, speziell in der Bergstraße, die als viel genutzter Schulweg von den Bürgern als sehr gefährlich eingestuft wird, kam die Idee auf, verstärkt sogenannte Dialog-Displays zu installieren. Diese Art digitaler Geschwindigkeitsanzeigen werde bereits effektiv in der Pentenrieder Straße eingesetzt, so Alexander Broschell, Sprecher der Gemeinde: „Durchaus ein sehr probates Mittel“. Auch der Gedanke, mit vermehrten Verkehrskontrollen gegen Raser vorzugehen, stieß auf Beifall. Straßen mit hohen Übertretungsquoten sind laut Andreas Bergmann, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr, der einen Vortrag zu laufenden Verkehrsuntersuchungen in Krailling hielt, vor allem die Margaretenstraße zwischen Franzstraße und Würmbrücke, die Alpenstraße und die Ortseinfahrt Frohnloh von Unterbrunn kommend. Wobei die vielen Autos gerade in der Margaretenstraße laut Experten Bergmann „hausgemacht“ sind. Sprich es sind Kraillinger, die diese Route wählen, kein Fremdverkehr.

Ein positives Ergebnis der Verkehrszählung im Oktober 2017 sei allerdings die rückläufige Zahl der Autos, die täglich die Margaretenstraße passieren, so Bergmann. Lag die Zahl 2011 noch bei 5800, konnten jetzt nur 5000 gezählt werden. Für den problematischen Knotenpunkt Gautinger Straße und Pentenrieder Straße schlug Bergmann einen Kreisverkehr oder eine Verbreiterung der Pentenrieder Straße auf Höhe des Bergerweihers für Linksabbieger vor. „Für beide Varianten sind Planungen da“, bestätigte Broschell. Ein Hindernis für die Umsetzung derartiger Pläne sei derzeit jedoch die Tatsache, dass in beiden Fällen ein Grundstück benötigt würde, das sich in Privateigentum befinde.

In der Gemeinde zeigte man sich zufrieden nach dieser für Krailling neuen Art der Bürgerbeteiligung. Alle Kritikpunkte, Wünsche und Anregungen werden nun zusammengefasst und dem Gemeinderat vorgestellt. Dieser wird dann entscheiden, welche Strategie für die künftige Verkehrsentwicklung in Krailling weiterverfolgt werden soll. Alle Ergebnisse veröffentlicht das Rathaus außerdem auf seiner Internetseite.

Carolin Högel

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