Aus dem Gerichtssaal

Randalierer (20) zu Therapie verdonnert

Drogen, Alkohol, ADHS: Weil er ein Auto beschädigte und Polizisten angriff, muss sich ein Kraillinger sechs Monate einer Betreuung unterstellen. 

Krailling – Der junge Mann muss damals völlig ausgetickt sein: Bier, reichlich Wodka, Cannabis und als psychische „Grundlage“ ein ärztlich bestätigtes ADHS-Syndrom dürften im Oktober 2015 dazu beigetragen haben, dass ein heute 20-jähriger Kraillinger am Münchner Ostbahnhof randalierte und auf Polizeibeamte losging.

Zwei der seinerzeit mit mehreren Streifenwagen angerückten Polizisten berichteten am Starnberger Amtsgericht nun in einem Strafprozess davon, der Heranwachsende habe „in Aggressionsschüben“ agiert – erst habe er auf einen geparkten BMW eingedroschen, dann sei er „mit erhobener Faust“ auf einen der Beamten zugegangen und habe diesen zu schlagen versucht.

Erhebliche „Stimmungsschwankungen“ seien bei dem Randalierer zu beobachten gewesen: „Zwischendurch ist der auch mal bewusstlos weggesackt, wir mussten den Notarzt holen.“ Die Aggressionsschübe hatten sich dann bis zur Blutentnahme im Krankenhaus Rechts der Isar fortgesetzt: „Der hat sich aufgebäumt, geschrien wie verrückt und sich die Kanüle abgerissen“, so einer der Beamten, der beim folgenden Tumult zum erneuten Fixieren des jungen Mannes ans Bett eine Schürfwunde an der Hand davongetragen hatte. Die Blutentnahme hatte 1,68 Promille sowie Spuren von Tetrahydrocannabinol (THC) ergeben.

Der Angeklagte entschuldigte sich noch im Gericht bei den beiden Polizisten, „auch wenn ich gar nicht weiß, was ich damals alles angestellt habe“ – er könne sich an rein gar nichts mehr erinnern, so der 20-Jährige, der sich mittlerweile freiwillig in eine dreimonatige stationäre Drogenentzugstherapie am Fünfseen-Klinikum Gauting begeben hat. „Ich bin heute clean – kein Alkohol mehr, keine Drogen“, so der Kraillinger, „das Wichtigste für mich wäre jetzt ein Job oder eine Lehre.“

Die Betreuerin vom Sozialdienst des Gautinger Klinikums berichtete, sie habe ihren Schützling bei Condrobs in Starnberg angemeldet, eine Ärztin solle sich um die „therapeutische Nachsorge“ kümmern. Die Jugendgerichtshelferin empfahl eine sechsmonatige Betreuungsweisung für den jungen Mann – ein Vorschlag, dem Richter Ralf Jehle trotz der länger gewordenen Liste von Anklagepunkten (Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte und vollendete Körperverletzung) folgte. Zusätzlich muss der Kraillinger seine ambulante Therapie absolvieren und einmal pro Monat die genannte Ärztin aufsuchen.

ty

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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