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Auf der Baustelle des Verbands Wohnen sind die Archäologen (v.l.) Alex Müller, Sharif Husaini und Andrea Happach auf sogenannte Pfostengruben gestoßen. 

Grabungen auf Grundstück an der Margaretenstraße

Archäologen machen wertvollen Fund

Einen bedeutenden Fund haben Archäologen jetzt in Krailling gemacht. Das Grundstück an der Ecke Margareten-/Elisenstraße, auf dem ein Haus für Betreutes Wohnen entstehen soll, weist mittelalterliche Spuren auf. Mit etwas Glück können Experten den Grundriss eines frühgeschichtlichen Hauses rekonstruieren.

KraillingAuf den ersten Blick wirkt die freie Fläche, die gegenüber der Gaststätte Alter Wirt liegt, wie eine gewöhnliche Baustelle. Senioren sollen hier bald die Möglichkeit haben, in ihren eigenen vier Wänden betreut zu werden. Als Bauherr fungiert der Verband Wohnen, der im Kreis Starnberg mehr als 2000 Mietwohnungen bewirtschaftet. Doch momentan erregt weniger das bauliche Vorhaben die allgemeine Aufmerksamkeit. Im Zuge der Grabungsarbeiten ist die Archäologin Andrea Happach von der Pöckinger Firma Phoinix auf sogenannte Pfostengruben gestoßen. Dabei handelt es sich um die Überreste von Eingrabungen, die der Stabilisierung von Holzpfosten dienten. Vor allem vor- und frühgeschichtliche Häuser waren in dieser Pfostenbauweise errichtet worden. „Auch in dieser Region war das lange Zeit üblich“, sagt Andrea Happach.

Gemeinsam mit ihren beiden Kollegen untersucht sie die Pfostenlöcher und versucht, anhand dieser Siedlungsreste den Grundriss des Hauses zu rekonstruieren. „Auf diese Weise kann man herausfinden, wie vorgeschichtliche Häuser aufgebaut waren“, so die Archäologin. Außerdem geben die Funde Aufschluss über das Leben und den Alltag der Bewohner.

Die Expertin und ihr Team halten Ausschau nach den charakteristischen Verfärbungen, die den gesamten Bereich einer Pfostengrube kennzeichnen. Weil die Gruben später mit anderen Materialien verfüllt wurden, unterscheidet sich die an der Oberfläche liegende Humusschicht in Farbe und Konsistenz deutlich vom gewachsenen, also unberührten Boden. Aus diesem Grund tragen die Experten zunächst den Oberboden, also Humus und Übergangsschicht, ab, um schließlich zum Kiesboden zu gelangen. „Dieser ist seit der Eiszeit unangetastet“, so Andrea Happach.

Die Mitte der Pfostengrube ergibt ein Profil, welches die Experten dokumentieren, maßstabsgetreu zeichnen und mit der Kamera festhalten. Die Datierung erfolgt beispielsweise über Scherben, die in die Pfostengrube geraten sind. So auch in Krailling, wo bislang zwei Scherben gefunden wurden. Die eine stammt aus dem Mittelalter, die andere vermutlich aus einer späteren Zeit. Ob die Siedlungsreste ebenfalls aus dem Mittelalter stammen, ist noch unklar.

Auch wenn die Funde laut Andrea Happach weniger spektakulär aussehen als beispielsweise Grabbeigaben, sind sie deswegen nicht weniger bedeutend. So hat die Firma Phoinix bereits mehrere Grabungen in Krailling vorgenommen. Nach und nach ergeben sich so wertvolle Einblicke in die Geschichte der Würmtalgemeinde. Aus diesem Grund seien auch kleinere Grabungen von großer Bedeutung. Happach: „Genau diese könnten am Ende eine Lücke schließen.“

Karin Priehler

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