1. Startseite
  2. Lokales
  3. Würmtal
  4. Krailling

Attacke mit Gabel: Haftstrafe für Flüchtling

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stephan Müller-Wendlandt

Kommentare

Die Flüchtlingsunterkunft in Krailling
Schauplatz der Auseinandersetzung: die Flüchtlingsunterkunft in Krailling © Walter Wohlrab

Eine handgreifliche Auseinandersetzung in der Kraillinger Flüchtlingsunterkunft hat jetzt ein juristisches Ende gefunden. Ein Starnberger Schöffengericht verurteilte einen Afghanen (22) wegen Körperverletzung zu einer Haftstrafe – ohne Bewährung.

Krailling – Bei Geld hört die Freundschaft auf. Dieses Sprichwort bestätigte sich in der Beziehung zweier junger Flüchtlinge aus Afghanistan. Zwischen den einstigen Freunden ist der Kontakt komplett abgebrochen. Ursache war eine gewalttätige Rangelei, bei der das 28-jährige Opfer erhebliche Verletzungen erlitt. Auslöser des Konfliktes war ein Geldgeschäft zwischen den Bewohnern der Asylbewerberunterkunft an der Hubertusstraße in Krailling. Laut dem 22-jährigen Angeklagtem hatte sich sein damaliger Freund 300 Euro von ihm ausgeliehen.

28-Jähriger stürzt die Treppe hinunter

In seiner fast einstündigen, Einlassung schilderte der 22-Jährige, von einem Dolmetscher übersetzt, wie es zu dem Zerwürfnis gekommen sei. Nachdem sich beide eine Zeit lang über die Modalitäten der Rückzahlung gestritten hatten, sollte am 26. Mai vergangenen Jahres eine Einigung getroffen werden. Nachmittags trafen sie sich in dem Zimmer des 28-Jährigen. Es floss reichlich Alkohol. Der Angeklagte hatte eine Flasche Wodka mitgebracht. Die war schnell geleert, weshalb das spätere Opfer in einem Supermarkt eine zweite Flasche besorgte. Die Auseinandersetzung habe begonnen, als der 28-Jährige nur ein Drittel des geliehenen Geldes habe zurückzahlen wollen. Während er selbst ruhig geblieben sei, so der Angeklagte, habe sich sein Kontrahent immer mehr in Rage gesteigert und sei dann handgreiflich geworden. „Plötzlich sprang er mich an, biss in meine Augenbraue und krallte sich in meinen Haaren fest.“ Er habe den Angreifer weggeschubst. Der soll sich aufgerappelt, ihn erneut angesprungen und in den Oberkörper gebissen haben. Draußen sei es auf dem Treppenabsatz zu Fußtritten gekommen, infolgedessen der 28-Jährige die Stufen hinunterstürzte. Ob er mit einem Gegenstand auf seinen Kontrahenten eingestochen und ihm Morddrohungen an den Kopf geworfen habe, wollte Richter Ralf Jehle wissen. Beides verneinte der Angeklagte.

Erst im Krankenhaus aufgewacht

Nach Darstellung des Opfers hat sich das Geschehen ganz anders abgespielt. Der 28-jährige DHL-Mitarbeiter räumte ein, nur einen Teil des geliehenen Geldes zurückzahlen zu wollen. Er habe mehrmals gemeinsame Gaststättenbesuche bezahlt. Bei der Auseinandersetzung sei der Angeklagte der Aggressor gewesen. Der habe ihm eine Pfanne auf den Hinterkopf geschlagen. Als er zum Luftholen nach draußen gegangen sei, habe der Angeklagte das Mobiliar, Geschirr und andere Habseligkeiten zertrümmert. Dann sei er ihm auf die Treppe gefolgt. Nach einem Tritt gegen die Brust sei er getaumelt und die Treppe hinabgestürzt. „Ich habe nichts mehr wahrgenommen und als ich wach wurde, befand ich mich im Krankenhaus.“

„Ich bringe dich um“

Diese Angaben bestätigte ein Mitbewohner. Der 28-Jährige habe ihm bei der Rückkehr in die Unterkunft von der Auseinandersetzung mit dem Angeklagten berichtet. Dann sei der Angeklagte hinzugekommen. „In der einen Hand hielt er eine Gabel, die er hinter seinem Rücken verbarg. Die andere Hand reichte er dem anderen, offenbar in versöhnlicher Absicht“, berichtete der Zeuge. Als das Opfer nicht einschlagen wollte, habe der 22-Jährige die Gabel in Richtung des Gesichts des anderen gestoßen und auch getroffen. Bei der daraus resultierenden Rangelei habe es auf beiden Seiten Fußtritte gegeben, wobei der 28-Jährige die Treppe hinunterfiel. Sein Kontrahent sei ihm gefolgt und habe auf den am Boden liegenden Mann eingetreten. Vom Zeugen darauf angesprochen, habe der Angeklagte in Richtung seines Opfers geäußert: „Ich bringe dich um.“ Das habe er verhindert, so der Zeuge, „ich habe ihn am Boden fixiert“. Eine ebenfalls einbestellte Polizeibeamtin bestätigte die Zeugenaussage.

Umfangreiches Vorstrafenregister

Der Staatsanwalt sah damit seine Anklageschrift bestätigt. Wegen der besonderen Rohheit des Vorgehens kam für ihn nur noch eine Haftstrafe in Frage – auch wegen des umfangreichen Vorstrafenregisters. So hat der Angeklagte sich bereits mehrfach wegen Körperverletzung, Diebstahls, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Erschleichung von Leistungen sowie sexueller Belästigung vor Gericht verantworten müssen. Eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten sei deshalb angemessen – ohne erneute Bewährungszeit.

Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung

Pflichtverteidiger Andreas Hlavaty bat, bei der Urteilsfindung den erheblichen Alkoholkonsum zu berücksichtigen. Sein Mandant strebe als derzeitiger Küchenhelfer in Teilzeit eine Ausbildung zum Krankenpfleger an. „Es bahnt sich eine positive Sozialprognose an“, so Hlavaty. Diese Einschätzung teilte das Schöffengericht nicht. Es schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an und ließ auch keine Bewährung zu.

Auch interessant

Kommentare