+
Rund 200 Kraillinger strömten am Mittwochabend zur Bürgerversammlung in die Turnhalle der Grundschule.

Bürgerversammlung

Heftiger Widerstand gegen Wohnbebauung

  • schließen

Die im Umfeld des Caritas-Altenheims angedachte Wohnbebauung stößt in der Kraillinger Bevölkerung auf massiven Widerstand. Das wurde am Mittwoch bei der Bürgerversammlung deutlich.

Krailling – Der Andrang zur Kraillinger Bürgerversammlung ist stets ein guter Indikator für die Stimmungslage in der Gemeinde und die Brisanz der aktuellen Gemeindepolitik. Am Mittwochabend war er gewaltig. Rrund 200 Kraillinger strömten in die Schulturnhalle. Vor allem zwei Themen bewegen die Bürger: die zunehmende Verkehrsbelastung auf der Gautinger und Pentenrieder Straße sowie Überlegungen, das Grundstück östlich des Altenheims zu bebauen.

Der Wohnungsbau in der Gemeinde Krailling boomt. Nachdem man im Landkreis Starnberg in dieser Hinsicht über Jahre neben Feldafing Schlusslicht war, könnten in den nächsten drei, vier Jahren 184 neue Wohnungen entstehen, wie Bürgermeisterin Christine Borst in ihrem Rechenschaftsbericht ausführte. Ein möglicher Baugrund der Zukunft ist da gar nicht einbezogen, doch gerade der sorgt für heftige Kontroversen: das Areal zwischen Altenheim und dem TV Planegg-Krailling.

Wie berichtet, soll angrenzend an das Altenheim eine Anlage für betreutes Wohnen mit 37 Wohnungen entstehen. Im Zuge der hierfür erforderlichen Änderung des Flächennutzungsplans will sich die Gemeinde die Option offenhalten, auf einem 7700 m2 großen Grundstück zwischen Paula-Anders-Weg und der TV-Turnhalle preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, unter anderem für Personal des Altenheims.

„Ich sehe das sehr kritisch“, sagte Achim Loecher, Präsident des TV Planegg-Krailling. Er befürchtet im Falle einer Wohnbebauung erhebliche Einschränkungen im Sportbetrieb, ähnlich wie beim SV Planegg-Krailling. Sein Verein mit 2000 Mitgliedern könne dies nicht hinnehmen, erklärte Loecher. Die unmittelbare Nähe zum Sportbetrieb, manchmal mit 300 Kindern im Freien, berge aufgrund der Lärmbelästigung für Anwohner ein gewaltiges Konfliktpotenzial. Zudem würde sich die Verkehrsbelastung in der Sackgasse Rudolf-von-Hirsch-Straße weiter erhöhen.

Silvia Roelke vom Bund Naturschutz wies auf die mit der Wohnbebauung einhergehende Zerstörung des Eichenwald-Korridors hin, in dem seltene Tierarten wie etwa der Waldkauz beheimatet seien. Und das in unmittelbarer Nähe zum nur rund 160 Meter entfernten Kloster.

Bürgermeisterin Borst betonte, dass die Gemeinde in der Verantwortung stehe, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Flächen, die der Kommune gehörten, seien rar. Vor allem müsse der Gemeinderat das Wohl ganz Kraillings im Blick haben und nicht nur die Interessen der Anlieger, sagte Borst. Sie sah auch keine Veranlassung, die Betreutes-Wohnen-Anlage am Altenheim abzuspecken, nachdem ein Bürger vermutet hatte, die Gemeinde plane möglicherweise am Bedarf vorbei. „Schon jetzt gibt es eine Riesennachfrage.“ Und wie eine Studie belege, werde der Anteil der über 80-Jährigen in Krailling bis 2030 um 80 Prozent steigen.

Unzufrieden zeigten sich mehrere Bürger mit der Verkehrsentwicklung. Durch die geplanten 184 Wohnungen und den Webasto-Neubau werde sich die Situation noch verschärfen, kritisierte Andreas Abele. Schon jetzt gebe es in der Gautinger Straße eine „nicht abreißende Verkehrskette“. Till von Geldern bemängelte eine fehlende Verkehrsplanung seitens der Gemeinde. Der Verkehr in der Pentenrieder Straße sei mittlerweile eine Katastrophe. Das sah Ursula Mollier ähnlich. An der Bahnunterführung komme es regelmäßig zu Staus. Für Kinder sei die Situation inzwischen unzumutbar. Mollier forderte verstärkte Tempokontrollen.

Bürgermeisterin Borst versprach, das Verkehrskonzept der Gemeinde demnächst in einer öffentlichen Veranstaltung vorstellen zu lassen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Buntes Treiben unterm Zeltdach
Einmal Zirkusluft schnuppern – das dürfen derzeit Kinder in Stockdorf. Im Rahmen des Ferienprogramms üben sie sich eine Woche lang im Jonglieren, versuchen sich im …
Buntes Treiben unterm Zeltdach
Kabelschaden auf der Umleitung
Die vom Stromausfall der letzten Woche betroffenen Wohngebiete hängen an einer Notversorgung. Die sofortige Reparatur des Schadens hätte erhebliche Auswirkungen auf den …
Kabelschaden auf der Umleitung
Schnelle Hilfe dank geschickter Planung
Anders als in Teilen Bayerns können die Rettungsdienste im Würmtal die gesetzlichen Hilfsfristen noch einhalten – trotz zunehmend schwieriger Umstände.
Schnelle Hilfe dank geschickter Planung
Auto auf M 4 von Baum begraben
Der Sturm, der am Freitagabend über das Würmtal fegte, hielt die Feuerwehren auf Trab. Keller liefen voll, und auf der Kreisstraße M 4 stürzte ein Baum auf ein Auto.
Auto auf M 4 von Baum begraben

Kommentare