EOS-Erweiterung hängt von Schmetterling ab

Restrisiko Wald-Wiesenvögelchen

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Der Weg zur Bebauung des ehemaligen Betriebssportplatzes im Kraillinger Gewerbegebiet KIM ist für die Firma EOS geebnet. Wenn das Wald-Wiesenvögelchen mitspielt.

Krailling–   Der Gemeinderat segnete in jüngster Sitzung die erforderlichen Änderungen des Flächennutzungs- und Bebauungsplans ab. Wie berichtet, will das Unternehmen, Weltmarktführer im Bereich des industriellen 3-D-Drucks, auf dem circa 1,6 Hektar großen Grundstück ein Forschungs- und Entwicklungszentrum errichten.

Für das Bauprojekt bleibt im Hinblick auf den Artenschutz jedoch ein Restrisiko. Es kann nur realisiert werden, wenn es gelingt, das Wald-Wiesenvögelchen, einen streng geschützten und vom Aussterben bedrohten Schmetterling, umzusiedeln. „Das Risiko ist größer, als manche es sich vorstellen“, meinte Imme Kaiser (Grüne). Durch den Schattenfall des geplanten, fast 20 Meter hohen Gebäudes ist der Lebensraum des Insekts, das besonnte und offene Flächen benötigt, gefährdet. Es soll deshalb nördlich des Sportplatzes durch Auslichtung ein rund 11 000 m2 großer Korridor als Ausgleichsfläche geschaffen werden. Ob das Wald-Wiesenvögelchen die Ersatzhabitate annimmt, will man während der Flugperioden des Schmetterlings in den nächsten eineinhalb Jahren kontrollieren. Bis dahin wird der Rohbau noch nicht so weit hochgezogen sein, dass er angrenzende Biotope verschatten könnte. „Der Schatten wächst langsam und damit auch der Eingriff“, sagte Landschaftsarchitekt Matthias Schwahn, der mit der Planung der Ausgleichsmaßnahmen befasst ist.

Werner Engl (Grüne) ließ sich davon nicht überzeugen. „Wir verursachen ein Insektensterben direkt vor unserer Haustür.“ Aus Sorge, dass mit der EOS-Erweiterung die umgebende Natur unwiederbringlich geschädigt wird, hatte er die Regierung von Oberbayern eingeschaltet, um das Bauvorhaben behördlich überprüfen zu lassen. Diese habe angeboten, die Ausgleichsmaßnahmen fachlich zu begleiten, sagte Bürgermeisterin Christine Borst in der Sitzung.

Peter Drefahl, Naturschutzreferent im Landratsamt Starnberg, zeigte sich zuversichtlich, das die Umsiedlung des Wald-Wiesenvögelchens gelingt. „Ich sehe sehr gute Chancen, dass es realisierbar ist.“ Zumal, wie Matthias Schwahn betonte, die Gemeinde die Möglichkeit habe, nachzubessern. Da sie im Besitz eines großen Waldgebiets sei, könne man im Falle eines Misserfolgs weitere Flächen auslichten. Mathias Walterspiel (CSU-Fraktion) wies darauf hin, dass das Wald-Wiesenvögelchen nur dank des Eingriffs von Menschen in diesem Gebiet überhaupt überlebt habe. Andernfalls hätte sich längst der Wald weiter ausgebreitet. Der als Ausgleichsfläche vorgesehene Korridor soll in diesem Winter erstellt werden.

Auf Antrag von Sebastian Sefzig (FDP) kam der Gemeinderat einstimmig überein, dass es eine ökologische Baubegleitung geben muss. Durch die Überwachung will man für eine sachgerechte Bauabwicklung im Hinblick auf den Umwelt- und Naturschutz sorgen.

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