Kleines Kind mit Eisenbahn
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Kraillinger Eltern müssen mit einer Erhöhung der Gebühren für Kinderbetreuungseinrichtungen rechnen.

Bauhof darf nicht mehr helfen

EU-Recht macht Kitas teurer

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Kraillings Eltern müssen bald tiefer in die Tasche greifen. Die Kinderbetreuung wird deutlich teurer, weil Mitarbeiter des Bauhofs in den Kitas keinen Finger mehr rühren dürfen. Die anderen Gemeinden im Würmtal haben das Problem nicht.

Krailling – Sie schneiden die Hecke, sie mähen den Rasen, sie malern und reparieren. Die Mitarbeiter kommunaler Bauhöfe sind in vielen Kinderbetreuungseinrichtungen fleißige und günstige Helfer. In Krailling ist jetzt Schluss damit. „Wenn jemand sieht, dass ein Bauhofmitarbeiter morgens im Kindergarten Schnee schippt, können wir eine Anzeige bekommen“, erklärt der Sprecher der Gemeinde, Alexander Broschell. „Nach den Vorstellungen der EU-Kommission und der Finanzämter sind dies Aufgaben, bei denen die Gemeindeverwaltung in Konkurrenz mit dem freien Markt steht. Daher müsste der Bauhof zukünftig Rechnungen schreiben und gewerblich tätig werden.“ Die Gemeinde müsse sich damit aus derartigen Aufgaben zurückziehen.

Knackpunkt ist, dass die Kitas in Krailling nicht in Gemeindehand sind, sondern von Trägern geführt werden. „Es ist schade, dass es nicht mehr möglich ist“, bedauert Broschell. Für Kraillings Eltern ist es mehr als schade; für sie haben die neuen Vorgaben erhebliche Folgen. Kraillings Hauptamtsleiterin Sandra Sona meint, die Kosten für die Betreuung eines Kindes könnten künftig um 50 Euro und mehr steigen.

Aktuell verhandelt die Gemeinde mit den Trägern der Einrichtungen über neue Verträge. Die Träger müssen künftig Dienstleister beauftragen, entsprechend neu kalkulieren und die Gebühren anpassen. Die Caritas hat die Eltern bereits über die Neuerung in Kenntnis gesetzt. Weitere Träger werden demnächst folgen.

In den anderen Gemeinden im Würmtal haben die Eltern aktuell keine Erhöhung zu befürchten. Dort sind die Kitas entweder in Gemeindehand, dort dürfen Bauhofmitarbeiter oder Hausmeister der Gemeinde weiter wirken, oder die Bauhofmitarbeiter unterstützen die Einrichtungen ohnehin nicht.

„In Gauting stellt sich diese Frage nicht mehr. Im Rahmen der dringend notwendigen Haushaltskonsolidierung wurde bereits 2018/2019 vereinbart, solche freiwilligen Leistungen bei Kindertageseinrichtungen zu kürzen beziehungsweise nicht mehr zu erbringen“, erklärt Gautings Sprecherin Charlotte Rieboldt. Die seit September geltenden neuen Mietverträge mit den Kindertageseinrichtungen in gemeindeeigenen Gebäuden sähen ausdrücklich vor, dass unter anderem die Pflege des Außenbereichs sowie Schönheitsreparaturen Sache des Mieters seien.

In Neuried ist es längst geregelt. „Die Einrichtung der AWO braucht einen eigenen Hausmeister und bei den gemeindeeigenen Einrichtungen macht das der Gemeinde-Hausmeister, der sich auch um die Schule kümmert“, erklärt Sprecherin Inke Franzen. Auch für die Gräfelfinger Kinderbetreuungseinrichtungen wird es keine Änderung geben. Sprecherin Birgit Doll sagt: „Bei den gemeindeeigenen dürfen wir und bei den privaten haben wir das noch nie gemacht.“ Genauso ist es in Planegg: In den Einrichtungen der Gemeinde kümmern sich gemeindeeigene Hausmeister oder Betriebshofpersonal um die Pflege der Außenanlagen. „In Kinderbetreuungseinrichtungen in fremder Trägerschaft hat die Gemeinde noch nie den Bauunterhalt und die Pflege der Außenanlagen übernommen oder unterstützt. Dies wird von den Trägern in Eigenregie veranlasst“, erklärt der Geschäftsleiter der Gemeinde Planegg, Stefan Schaudig.

Die Gebührenerhöhung betrifft also nur Kraillinger. Ein Trostpflaster hat Sona für die Eltern: „Wir sind bemüht, dass unsere Kindergärten in etwa die gleichen Beiträge verlangen.“

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